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Reise

Tourismus: Raus aus der Terrorfalle?

So wie in der Türkei, Tunesien und Ägypten bleiben in Marokko infolge des Terrors die Touristen aus - obwohl der letzte Anschlag in dem nordafrikanischen Land schon fünf Jahre zurückliegt.

Marokko Fotoreportage Tempel in der Stadt Volubilis

Tempel in der antiken Stadt Volubilis

Marokko wirbt mit Sonne, Strand und Meer. Marokko wirbt mit urwüchsiger Gnawa-Musik für sich, mit seiner kulturellen Tradition. Marokko wirbt auch mit Natur und beeindruckenden Landschaften. Das Land hat viel zu bieten. Aber in seinen Tourismus-Gebieten wächst die Befürchtung, dass immer weniger Gäste kommen. Marokko sucht nach einer neuen Strategie, um Touristen wieder anzulocken.

Marokko Draa-Tal Palme im Vordergrund

Wohnburg Tamnougalt im Draa-Tal bei Agdz

Angst hält die Gäste fern

Mathilde Richard hat im Südosten Marokkos in einem Palmenhain des Drâa-Tals ein schönes Hotel für umweltfreundlichen Tourismus aufgebaut. In einer schönen, aber strukturschwachen Region. Hier kommt das Reisegeschäft erst langsam in Gang und die Menschen fürchten, dass es schon wieder Schaden nehmen könnte: "Die Bevölkerung hier hat Angst, dass die Europäer Angst haben. Dabei würde ich sagen: In Marokko ist es sicherer als in Frankreich."

Gemessen an der Zahl der Terror-Anschläge stimmt das. Und dennoch kommen ausgerechnet immer weniger Franzosen nach Marokko. Das räumt auch Tourismusminister Lahcen Haddad ein. "Seit Juli 2014, mit dem Islamischen Staat, mit den Ereignissen in Frankreich, in Tunesien, in Algerien, sehen wir einen gewissen Rückgang in unseren wichtigsten Märkten. Und der wichtigste Markt für uns ist Frankreich." Natürlich sagt Minister Haddad auch: "Marokko ist ein sicheres Land." Und dennoch: Im vergangenen Jahr kamen erstmals weniger Besucher ins Königreich. Zwar nur ein Prozent weniger, aber der Trend ist beunruhigend.

Marokko Kasbah Ait in Quarzazate

UNESCO Weltkulturerbe Kasbah "ait ben haddou" in Ouarzazate

Ziel 20 Millionen Besuchern erst zur Hälfte erreicht

Marokko wollte eigentlich bis 2020 jährlich 20 Millionen Besucher anlocken. Bisher sind es gerade mal 10 Millionen. Der Tourismus sollte bis zum Ende Jahrzehnts ungefähr eine Million Arbeitsplätze bieten. Bisher sind es eine halbe Million Jobs.

Große Pläne kamen ins Stocken: Sechs riesige Hotelanlagen an der Mittelmeer- und an der Atlantikküste waren geplant, Investitionen von insgesamt 9 Mrd. Euro. Ausländische Investoren waren auch zunächst neugierig, sprangen dann aber einer nach dem anderen wieder ab. Zu wenige Touristen kamen, zu viele Schwierigkeiten wurden nicht überwunden.#big#

Niemand scheint so recht zu wissen, wie der gordische Knoten aus gefühlter Unsicherheit und Investoren-Zurückhaltung durchschlagen werden kann. Die Sprecherin des Nationalen Tourismus-Büros sagt: "Bis 2020 sollen 20 Millionen Touristen kommen. Unglücklicherweise ist es im weltweiten Kontext, mit dem Terrorismus, normal, dass es einen Rückgang gibt."

Minister Haddad sucht sein Heil in der Suche nach neuen Märkten. China, Südasien und Afrika: "Wir sehen, dass etwa 300.000 Westafrikaner pro Jahr nach Marokko kommen. Aus Brasilien haben uns etwa 100.000 Menschen besucht. Und ungefähr 200.000 Russen kamen. Das sind wichtige Märkte in den Schwellenländern, da wollen wir diversifizieren."

Marokko Felsentor Strand Supertotale

Felsentor bei Legzira am Atlantik

Das wird allerdings kaum ausreichen, um die hochfliegenden Pläne der Regierung für den marokkanischen Tourismus-Sektor rasch Wirklichkeit werden zu lassen. Jetzt wurde erst einmal eine Studie in Auftrag gegeben, berichten marokkanische Medien. Die soll prüfen, wo genau die ehrgeizigen Pläne für den marokkanischen Tourismus haken. Und wie sie eventuell "angepasst" werden könnten.

Jens Borchers (Deutschlandfunk)