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Reise

Tourismus in Zeiten des Brexit

Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union wird auf lange Sicht auch Folgen für den Tourismus haben. Sowohl auf der Insel selbst als auch in den von den Briten besonders geschätzten Urlaubsregionen.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui rechnet nicht damit, dass die Briten ihren Urlaub künftig vermehrt zu Hause verbringen. Falls das britische Pfund nachhaltig an Wert verliere, senke das zwar ihre Kaufkraft im Ausland, sagte Tui-Chef Fritz Joussen. Das mache Einkäufe im Urlaubsort teurer. "Ob sich dadurch aber die Briten ihre sehr ausgeprägte Reiselust nehmen lassen, darf bezweifelt werden." Sollten die Briten doch genauer aufs Geld schauen müssen, dürfte das nach Einschätzung der Tui vor allem die Reisebranche auf den Balearen und den Kanaren, in Griechenland, der Türkei und der Karibik zu spüren bekommen. Dorthin flögen die Briten bisher am liebsten.
Für die Tui ist Großbritannien einer der wichtigsten Märkte. Im vergangenen Geschäftsjahr trugen die dortigen Kunden rund ein Drittel zum Konzernumsatz bei - etwa so viel wie Deutschland.

Da mehr als drei Viertel aller Besucher des Vereinigten Königreiches aus Europa kommen, ist die lokale Tourismusindustrie über die Auswirkungen eines möglichen Nachfragerückgangs besorgt.

Dass der Brexit ernsthafte Folgen für die britische Tourismuswirtschaft haben könnte, zeigt eine Studie von Travelzoo, einem weltweiten Herausgeber von Reiseangeboten. Darin wurden Verbraucher aus Deutschland sowie den USA, Kanada, Italien, Frankreich und Spanien befragt. Auf Grund deren sinkendem Interesse für ein von der EU unabhängiges Großbritannien, droht dem Land mit dem Ausscheiden aus der EU nun ein Rückgang von fast einem Drittel an Besuchern aus Deutschland, Italien und Spanien. Für Touristen aus Frankreich sei mit einem Minus von 25 Prozent zu rechnen.

Mit Blick auf den Auslandstourismus von Großbritannien nach Deutschland meint Volker Böttcher, Direktor des Instituts für Tourismusforschung (ITF) der Hochschule Harz: "Mit dem Brexit gehen nahezu alle Finanzmarkt-Experten davon aus, dass es zu einer Abwertung der britischen Währung im Verhältnis zum Euro kommen wird. Da dies bereits der Fall ist, werden die Produkte und Dienstleistungen in der EU aus Sicht der Briten teurer. Demnach ist von steigenden Preisen für britische Urlauber auszugehen. Dies wiederum wird Auswirkungen auf das generelle Reiseverhalten haben", so der Experte. "Für Bürger anderer EU-Staaten, die in das Vereinigte Königreich reisen möchten, wird zwar der umgekehrte Effekt eintreten. Doch der Brexit ist ein eher negatives politisches Signal in Richtung der anderen EU-Staaten und könnte eine dämpfende Wirkung auf den Wunsch haben, dorthin zu reisen", schließt Böttcher.

Kurz und knapp

Für Reisende könnten die Trips nach Großbritannien nun also preiswerter werden, umgekehrt würde für die Briten das Reisen in beliebte Urlaubsländer wie Portugal oder Spanien teurer.

Verschärfte Einreisebestimmungen für Touristen sind auch in Zukunft wohl nicht zu erwarten. Ob ein Personalausweis für die Einreise reichen wird oder Urlauber einen Reisepass oder Visum vorweisen müssen, ist noch nicht klar. Eine Visumspflicht gilt als nicht sehr wahrscheinlich.

In EU-Ländern sollen ab 2017 Aufschläge für Gespräche entfallen, man surft und telefoniert dann auf Reisen zu den gleichen Konditionen wie zuhause. Für Großbritannien müssten Mobilfunkanbieter nach dem Brexit diese Regelung nicht mehr umsetzen.

Laut der European Common Aviation Area dürfen europäische Fluggesellschaften in jedes EU-Land fliegen - mit dem Brexit müssten dann Easyjet, Ryanair u.a. ihre Preise erhöhen, denn die durch die EU geregelten günstigeren Flughafengebühren gelten für sie nicht mehr.

is/at (dpa, travelzoo)