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Reise

Tourismus in der Krise?

Der Schock über die Terrorserie von Paris und den Flugzeugabsturz über dem Sinai sitzen tief - auch in der Reisebranche. Lassen sich Urlauber von islamistischen Anschlägen verunsichern? Eine Bestandsaufnahme:

Anschläge in Paris, höchste Alarmstufe in Brüssel - Europa steht im Zeichen der Terrorangst. Die Attacken sind auch ein Schlag für die Touristik. Denn vor allem in beliebten Reiseregionen verbreiten Terroristen in diesem Jahr Angst und Schrecken. Doch trotz des Schocks rechnet die Branche nicht damit, dass die Menschen aus Sorge vor Attentaten grundsätzlich aufs Reisen verzichten. "Ich glaube nicht daran, dass sich der Terror langfristig auf das Reisen auswirken wird. Es wird aber Verlagerungen bei der Wahl der Reiseziele geben", sagte Norbert Fiebig, der Präsident des Branchenverbandes Deutschen Reiseverbandes (DRV).

Folgen für Paris

So waren nach der Terrorserie von Paris Städtereisen in der vergangenen Woche weniger gefragt, wie der Reisekonzern Thomas Cook berichtet. Aktuell lägen die Buchungen aber wieder auf dem Vorjahresniveau. Zudem habe nur ein kleiner Teil der Kunden das Angebot genutzt, Paris-Trips mit Anreise bis 30. November kostenlos umzubuchen oder zu stornieren.

Das Unternehmen DER Touristik berichtet von vermehrten Anfragen besorgter Gäste, die eine Paris-Reise gebucht haben. Einige hätten die Möglichkeit kostenloser Umbuchungen und Stornierungen genutzt. "Die meisten stellen ihre Reisepläne aber nicht grundsätzlich in Frage". Die Nachfrage nach der französischen Metropole sei zurückgegangen, berichtet auch Branchenprimus TUI. Allerdings hätten Städtereisen nach Paris derzeit ohnehin keine Hochsaison.

Ausweichen auf andere Reiseziele

Das Interesse an Ägypten im Winter habe sich aktuell abgeschwächt, die Kanarischen Inseln verzeichneten hingegen ein Buchungsplus. "Die Nachfrage nach Reisen insgesamt ist unverändert hoch", sagt eine TUI-Sprecherin. Das Reiseland Ägypten trifft vor allem der Stopp der Flüge aus Russland nach dem Absturz eines Urlaubsfliegers auf dem Sinai hart.

Tourismus Scharm el Scheich

Rückgang der Buchungszahlen in Ägypten

Bei dem mutmaßlich von der Terrormiliz Islamischer Staat begangenen Anschlag waren Ende Oktober alle 224 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Ägypten ist eins der beliebtesten Reiseziele der Russen. 2014 hatten rund drei Millionen russische Staatsbürger ihre Ferien im Land am Nil verbracht. Kairo rechnet wegen des Flugstopps mit monatlichen Einbußen in Millionenhöhe.

Nicht abzusehen ist nach Einschätzung des Branchenexperten Martin Lohmann, wann sich der Tunesien-Tourismus von dem Anschlag in Sousse erholt. Ein Islamist hatte im Juni 38 Urlauber am Strand erschossen. Dennoch: "Terror, Naturkatastrophen oder Kriege hindern die Menschen nicht grundsätzlich am Reisen. Sonst hätte beispielsweise die Türkei als Urlaubsziel trotz des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien nicht so einen Aufschwung erlebt", sagt Lohmann, Geschäftsführer des Instituts für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT).

Reiselust der Deutschen ungebrochen

Spanien Touristen auf Mallorca

Spanien ist seit Jahren das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen

Das gerade abgeschlossene Reisejahr 2014/2015 (Stichtag: 31.10.) scheint die grundsätzlich optimistische Einschätzung der Branche zu bestätigen. Die Reiseveranstalter machten dem Deutsche Reiseverband (DRV) zufolge nach ersten Berechnungen drei bis vier Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. Der Gesamtumsatz erhöhte sich um rund eine Milliarde Euro auf mehr als 27 Milliarden Euro. Die Zahl der Gäste stieg um ein Prozent.

Massive Folgen für den Tourismus könnte allerdings ein Konjunktureinbruch mit steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Einkommen der breiten Bevölkerung haben, sagt Lohmann. Er verweist auf das Beispiel Griechenland. In der Krise fehlte den Griechen das Geld für einen Urlaub im eigenen Land. Anzeichen für einen Wirtschaftseinbruch in Deutschland gibt es derzeit aber nicht – im Gegenteil: Kauffreudige Verbraucher halten die Konjunktur am Laufen. Der Vorsitzende des DRV-Auslandsausschusses, Dieter Lohneis, formuliert die Einschätzung der Branche so: "Die Menschen werden weiter reisen und sich nicht in ihrem Urlaubsgenuss einschränken lassen. Sie werden vorsichtiger sein, aber das gehört heute schon zum normalen Lebensrisiko".


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