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Wirtschaft

Tourismus-Boom mit Folgen in Griechenland

Griechenland erlebt in diesem Sommer einen Touristen-Rekord. Die Hotelbesitzer freuen sich - und erhöhen kräftig die Preise. Sogar die Regierung ruft zur Mäßigung auf.

Die Zahlen sprechen für sich: 2014 werden erstmals mehr als 21 Millionen Besucher in Hellas erwartet - ein Plus von über 10 Prozent im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2013. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sollen entsprechend steigen - auf mindestens 13 Milliarden Euro, hat der Verband der griechischen Tourismus-Unternehmen (SETE) berechnen lassen. Anscheinend wird der Tourismus auch in diesem Sommer zum Rettungsanker der griechischen Wirtschaft.

Doch einige Hoteliers sind vor allem auf schnellen Profit bedacht: In diesem Juli sind die Übernachtungspreise in Hellas nach Berechnungen des Online-Hotelportals Trivago um 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. SETE-Präsident Andreas Andreadis versucht, die Wogen zu glätten: "Hotelpreise richten sich nun mal nach Angebot und Nachfrage. Jedenfalls liegt derzeit der Preisanstieg durchschnittlich eher im einstelligen Prozentbereich", versichert er im Gespräch mir der DW. Natürlich könne man nicht ausschließen, dass einzelne Hoteliers in den Top-Reisezielen Griechenlands, etwa auf Mykonos und Santorini, kräftig zu Buche schlagen. Auch in der Hauptstadt Athen käme es noch in diesem Jahr wohl zu deutlichen Preiserhöhungen, sagt Andreadis. Man müsse aber auch bedenken, dass die Preise für Hotelübernachtungen dort in den vergangenen Jahren krisenbedingt sogar um bis zu 50 Prozent gefallen waren.

Preiserhöhungen rufen Politik auf den Plan

Touristen an der Akropolis in Athen (Foto: dpa)

Auch in der Hauptstadt Athen steigen die Hotelpreise

Der Tourismus macht fast ein Fünftel der griechischen Wirtschaftsleistung aus. Im vergangenen Jahr hat dieses florierende Geschäft dazu beigetragen, dass Griechenland zum ersten Mal seit 1948 einen Überschuss in seiner Leistungsbilanz erzielen konnte. Die Regierungskoalition unter Führung des konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras will alles dafür tun, damit das zarte Pflänzchen Aufschwung nicht durch Wucherpreise gefährdet wird. Anfang Juni warnte Tourismusministerin Olga Kefalogianni unmissverständlich vor steigenden Hotelpreisen: In den vergangenen Krisenjahren konnte Griechenland seine Preise senken und dadurch wettbewerbsfähiger werden. Nach Informationen griechischer Medien sei auch Regierungschef Samaras höchstpersönlich beim Verband der Tourismus-Unternehmen vorstellig geworden.

"Die Intervention des Ministerpräsidenten möchte ich nicht kommentieren", sagt Verbandschef Andreas Andreadis. "Unsere Position lautet jedenfalls, dass alleine der Markt die Preise regelt." Schließlich würde das Tourismus-Geschäft in Griechenland nicht von einigen wenigen Anbietern beherrscht und insofern sei eine Kartellbildung nicht möglich. Zudem sei das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht zu beanstanden, meint Andreadis, der selbst ein Nobelhotel auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki betreibt.

Hohe Preise für Last-Minute-Reisende?

Für Nikos Chryssikopoulos, Chefredakteur des Wirtschaftsportals capital.gr, sind Wucherpreise für Hotelübernachtungen derzeit noch eher die Ausnahme. Allerdings müssten Reisende, die sich erst im letzten Moment um ein Hotel kümmern, in der Tat mit steigenden Preisen rechnen, mahnt der Wirtschaftsexperte. Sein Rat lautet daher: "Griechenland ist ein beliebtes Reiseziel für den Urlaub, und wer ein solches Reiseziel ins Auge fasst, der wäre gut beraten, möglichst früh zu buchen."

Aber die allermeisten Besucher aus Deutschland und Österreich täten dies ja ohnehin, sagt Chryssikopoulos und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Im Norden Europas haben frühe Buchungen Tradition. Bei uns ist dagegen die Mittelmeer-Mentalität zuhause: Wir entscheiden uns eher in letzter Minute, wo wir unseren Urlaub verbringen wollen."

Nach Branchenprognosen werden die Deutschen auch in diesem Jahr mit voraussichtlich 2,7 Millionen Urlaubern die zahlenmäßig größte Besuchergruppe in Hellas sein - gefolgt von den Briten. Durch den Tourismus könnte die krisengeplagte griechische Wirtschaft erstmals nach mehreren Rezessionsjahren sogar eine positive Wachstumsrate aufweisen, glaubt die Athener Regierung.

Die Russen kommen - immer noch

Andreas Andreadis vom Griechischen Verband der Tourismusunternehmen (Foto: Verband der Tourismusunternehmen)

Andreadis: "Allein der Markt regelt die Preise"

Mit über einer Million Urlaubern gehören seit 2013 auch die Russen zu den größten Besuchergruppen. Zur Freude der griechischen Gastgeber gelten sie als besonders spendabel, durchschnittlich fast 100 Euro geben sie am Tag aus - mehr als jeder andere Europäer. Doch wie wird das in diesem Jahr aussehen, vor dem Hintergrund der politischen Unsicherheiten durch den Ukraine-Konflikt und der Abwertung des Rubels? Wird sich das auch auf die griechische Tourismus-Branche auswirken - zum Beispiel, wenn Gäste aus Russland weniger Geld für den Hellas-Urlaub ausgeben können?

Wahrscheinlich nicht, glaubt Nikos Chryssikopoulos. "Ich denke, man muss differenzieren: Reiche Gäste, die nach Griechenland wollen, lassen sich auch von einer Krise nicht so leicht erschrecken. Für den Massentourismus aus Russland sieht es vielleicht doch ganz anders aus", erläutert der Athener Wirtschaftsexperte. Sein Fazit: Wenn überhaupt, dann erwarte man einen Einbruch bei den Gästezahlen, aber nicht unbedingt bei den Einnahmen aus dem Russland-Geschäft.

Der Verband griechischer Tourismusunternehmen möchte jedenfalls, dass die gern gesehenen Gäste aus Osteuropa dem Land treu bleiben. Aus diesem Grund habe man den Russen auch eine Art Treuebonus gewährt, sagt Verbandschef Andreadis: "Um die Rubel-Abwertung aufzufangen, haben wir russischen Reiseanbietern Preisnachlässe gewähren müssen", erklärt Verbandschef Andreadis. Diese Geste sei nötig, damit Griechenland langfristig seinen Marktanteil sichern kann.

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