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Kultur

Totgesagte leben länger

Noch vor zwei Jahren wurde das e-book als die Innovation gefeiert und den elektronischen Medien ein eigener Bereich auf der Frankfurter Buchmesse eingeräumt. Und jetzt: Hype verpufft oder Etablierung erreicht?

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Der Hochglanz-Lack ist ab:
Neue Medien auf der Buchmesse

Verschwunden sind die Neuen Medien von der Buchmesse natürlich nicht. Aber sie haben einen anderen Stellenwert bekommen: Die Verlage haben die Angebote zu ihren Ständen zurückgeholt. Hörbücher und CD-Roms sind diesmal überall auf der Messe verteilt. Auch das Gastland Litauen bietet zum Beispiel Informationen am PC an. Die Buchmesse wird daraus ihre Konsequenzen ziehen: Im nächsten Jahr, so erklärte Volker Neumann, der neue Direktor, werden die elektronischen Medien in neuer Form präsentiert werden – wie, das wollte er allerdings noch nicht verraten.

Angst vor Raubkopien

Bei den e-books ist der erhoffte Boom bisher ausgeblieben. Die Software ist kaum billiger als die gedruckten Werke und die Verlage halten sich mit Publikationen zurück – aus Angst vor Raubkopien. Das allerdings hat erst recht dazu geführt, dass im Internet privat eingescannte Kopien von vielen Büchern zu haben sind – eine Praxis, die genauso illegal ist wie bei den Musik-Kopien.

Noch gibt es allerdings den Schwerpunktbereich Elektronische Medien in Frankfurt, er wurde sogar um einen Akzent erweitert: Erstmals präsentiert die Buchmesse ICICOM, das "International Centre for Information and Content Management". Hier geht es um aktuelle Technologien und zukünftige Entwicklungen etwa in den Bereichen Online-Datenbanken oder E-Learning, neue Anwendungen für e-books und elektronisches Publizieren. Experten aus dem In- und Ausland diskutieren während der Buchmesse über die Möglichkeiten der Neuen Technologien genauso wie über das Verhältnis von Mensch und Technik.

Verlustgeschäft?

Gedrucktes und elektronisches Wort werden weiterhin nebeneinander bestehen. Die Buchmesse habe sich sogar, so sagte Dieter Schormann, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zur weltweiten Leitmesse für die Inhalte elektronischer Medien entwickelt. In Deutschland seien bereits über 800 Verlage im Bereich des Elektronischen Publizierens aktiv: "Elektronische Produkte sind integraler Bestandteil der Verlagstätigkeit." Und Schormann machte der Branche am Eröffnungstag Mut: Von der Buchmesse gehe in diesem Jahr ein Signal aus, das in seiner Bedeutung weit über die Buchbranche Beachtung finden werde: "Während in fast allen Bereichen des Neuen Marktes, der elektronischen Produkte und des E-Commerce eher Skepsis und Unsicherheit über die weitere Entwicklung vorherrschen, blickt die Verlagsindustrie mit optimistischem Realismus in die Zukunft."

Derzeit ist dieser Optimismus allerdings noch nicht mit Zahlen zu belegen: Nach einer Umfrage des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren bestätigten rund 25 Prozent der befragten Verlage Verluste bei den aktuellen elektronischen Publikationen, bei 45 Prozent reicht es gerade, um die Ausgaben wieder reinzuholen.

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