1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Totgesagte leben länger - Popkomm Berlin

Das Gejammer im letzten Jahr war groß: Die Musikindustrie sei verarmt, eine Messe könne man sich nicht mehr leisten. Die Popkomm wurde abgesagt. Jetzt ist sie wieder da. Hat das Leiden ein Ende?

Ein drehender Plattenteller samt Hand eines DJs (Foto: dpa)

Die Popkomm ist zurück!

In der monumentalen Abfertigungshalle des stillgelegten Flughafens Tempelhof in Berlin treffen sie aufeinander: Musiker, Labelchefs, Verleger und Vertreiber. Ein clever ausgewählter Ort - hier fanden in diesem Jahr schon unter anderem die internationale Modemesse "Bread and Butter" und das Designfestival "DMY" statt. Doch was genau macht den Erfolg in diesem Jahr aus?

Punkt Eins: Neuer Veranstaltungsort

Das Eintrittsticket gibt es am Check-In-Schalter, die Plattenlabels präsentieren sich in ehemaligen Duty-Free-Läden mit großen Schaufenstern, in Flughafenkantinen finden Podiumsdiskussionen statt - die seelenlosen Messehallen der Vorjahre sind damit passé.

Punkt Zwei: Zusammen sind wir stark

Besucher der Berlin Music Week auf einem Laufband des ehemaligen Flughafens Tempelhof. (Foto: dpa)

Eintritt in die Welt der Musik

So verunsichernd die Absage der Popkomm 2009 war, sie hat auch Energien freigesetzt. Keine Totenmesse in diesem Jahr, stattdessen ein starker Neuanfang. Der heißt "Berlin Music Week" und meint, dass parallel zur "Popkomm" mit den Ausstellern und eigentlichen Geschäftstreffen auch das Berlin Festival mit zahlreichen Konzerten in der ganzen Stadt und die mehrtägige Konferenz "all2gethernow" stattfindet.

"Hier gibt es alles, hier gibt es Business, hier gibt es aber auch ein tolles Festival", sagt Daniel Barkowski, Projektleiter der "Popkomm". So könne man nach den ganzen Geschäftsterminen anschließend gleich gute Konzerte erleben. "Aber auch das neue Konzept, dass Tempelhof wirklich das Zentrum dieser "Berlin Music Week" ist, wo jeder mal vorbeischauen muss, ob jetzt Musikfan, Musiker oder Businessmensch, dass ist einzigartig und ich glaube auch, dass solche Veranstaltungen genauso aussehen müssen."

Das Konzept kommt an, die Messestände sind in diesem Jahr ausgebucht. Allerdings wurde bei all den Bündelungen auch die Ausstellungsfläche verkleinert. Statt der rund 800 internationalen Aussteller der Vorjahre, sind es in diesem Jahr nur 500.

Punkt drei: "Popkomm" ist für alle da

Die kanadische Band Delhi 2 Dublin tritt im Rahmen der Popkomm in Berlin auf. (Foto: dpa)

Konzerte nonstop

Neu in diesem Jahr: Die Musikmesse ist nicht nur für Insider. Ähnlich wie bei anderen Messen auch, gibt es nun einen Besuchertag, an dem jeder Interessierte zwischen den Ständen von Universal Music oder Youtube herumschlendern kann. Und damit kommt auch noch mehr Musik auf die Messe. Wie beispielsweise der Weltrekordversuch von Samuel Harfst, ein junger Songwriter aus Hessen. Er hat sich vorgenommen vor dem Eingang des Flughafens Tempelhof das längste Straßenmusikkonzert der Welt zu geben.

Punkt Vier: Jammern gilt nicht mehr

Über die enormen Umwälzungen der Musikindustrie ist inzwischen wirklich alles gesagt worden - und auch von jedem. Auch ist längst klar, dass die drastischen Umsatzeinbußen nicht nur mit illegalen Raubkopien zu tun haben, sondern auch selbstverschuldet sind: Zu spät hat die Musikindustrie auf das Internet und damit auf neue Vertriebsmöglichkeiten jenseits von LP und CD reagiert. Während der "Berlin Music Week" soll jetzt Schluss mit dem Gejammer sein.

"All2gethernow" heißt die mehrtägige Veranstaltungsreihe, die mit Workshops, Vorträgen und Podiumsdiskussionen nach konstruktiven Lösungsansätzen sucht. "Ich glaube, es heulen vor allem immer diejenigen, die von den Umverteilungen betroffen sind", sagt Felix Haas. Er hat den Online-Dienst "amiando" gegründet und kann mit dem Vertrieb von Konzertkarten stolz auf traumhafte Umsatzsteigerungen von bis zu 200 Prozent blicken.

Ein Besucher mit Laptop sitzt auf der Musikmesse Popkomm hinter Schallplatten (Foto: dapd)

Mit Vinyl lässt sich kaum was verdienen - die Musikindustrie sucht neue Wege

"Die Menschen sind immer noch bereit Geld auszugeben, aber eben nicht mehr für CDs. Ich selbst zum Beispiel kaufe keine mehr, gebe aber über 100 Euro für ein Konzert von U2 aus und kaufe auch bei iTunes einzelne Lieder ein. Es wird nicht weniger Geld für Musik ausgegeben, sondern anders."


Die Branche hat sich also schon längst in Teilen wieder regeneriert. Der Umsatz mit CDs geht zwar weiter zurück, doch das Geschäft mit legalen Downloads verzeichnete für 2008 ein sattes Plus von 32 Prozent. Die Krise ist also nicht überwunden, die Talsohle aber durchschritten - das strahlt auch das neue Konzept der "Berlin Music Week" samt "Popkomm" deutlich aus.

Autorin: Nadine Wojcik
Redaktion: Petra Lambeck

WWW-Links