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Politik

Tote und Verletzte nach Ausschreitungen in Kinshasa

Knapp fünf Monate nach der Präsidentschaftswahl im Kongo haben sich Regierungssoldaten und Anhänger des unterlegenen Kandidaten Jean-Pierre Bemba in Kinshasa heftige Gefechte geliefert. Die UN evakuierten Zivilisten.

Will seine Milizen nicht entwaffnen: Jean-Pierre Bemba, Quelle: AP

UN-Truppen in Kinshasa

Obwohl die UN-Friedenstruppen bereits hunderte Zivilisten aus dem von Regierungstruppen und Anhänger des Oppositionsführers Jean-Pierre Bemba umkämpften Gebieten in Sicherheit gebracht haben, befanden sich bei Einbruch der Nacht am Donnerstag (22.3.) noch tausende Zivilisten zwischen den Fronten.

Mindestens zehn Tote

Kongo Kämpfe in Kinshasa UN Soldaten

UN-Truppen sichern die Straßen in Kinshasa

Botschaftsangehörige, Schulkinder und verletzte Zivilisten wurden in gepanzerten Fahrzeugen aus der Kampfzone gebracht. Es seien mehr als 600 Menschen evakuiert worden. Mindestens zehn Menschen - sieben Soldaten und drei Zivilisten - wurden nach Augenzeugenberichten getötet. Ein BBC-Korrespondent sagte, die wirkliche Opferzahl liege wahrscheinlich sehr viel höher.

Gegen Jean-Pierre Bemba wurde ein Haftbefehl wegen
Hochverrats ausgestellt. Das teilte ein Regierungssprecher am
Freitag in Kinshasa mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird das Parlament in Kürze aufgefordert, die Immunität von Bemba aufzuheben. Bemba hält sich derzeit in der
südafrikanischen Botschaft der Hauptstadt auf. Er hatte seine bewaffneten Anhänger am Donnerstagabend aufgerufen, auf ihre Positionen zurückzukehren.

Besorgnis im UN-Sicherheitsrat

Der UN-Sicherheitsrat hat sich in einer Erklärung vom Donnerstagabend (Ortszeit) sehr besorgt über die Lage in Kinshasa geäußert und eine sofortige Waffenruhe verlangt. Die spanische Botschaft wurde nach dem Einschlag einer Granate evakuiert. Niemand sei verletzt worden. Jedoch seien alle Fenster zerbrochen, sagte der Botschafter dem spanischen Rundfunksender SER. Nach Angaben der "Mitteldeutschen Zeitung" sind auch Deutsche, die in der kongolesischen Hauptstadt leben, unmittelbar von den Kämpfen betroffen.

Jean Pierre Bemba

Jean Pierre Bemba

Knapp fünf Monate nach der Präsidentschaftswahl im Kongo waren zwischen Regierungssoldaten und Anhängern des unterlegenen Kandidaten Bemba in Kinshasa heftige Gefechte ausgebrochen. "Es gibt sicher Tote und Verletzte, aber wir haben noch keine Zahlen", sagte ein Sprecher der UN-Mission MONUC am Donnerstag. Der MONUC-Sprecher berichtete, auf beiden Seiten seien je etwa 500 Kämpfer im Einsatz. "MONUC versucht, Menschen aus dem betroffenen Stadtviertel in Sicherheit zu bringen." Es sind die ersten Gefechte in Kinshasa seit der Stichwahl am 29. Oktober 2006, bei der Präsident Joseph Kabila im Amt bestätigt worden worden. Unterdessen erklärten Vertreter der Vereinten Nationen, die MONUC stünden bereit, die Regierung von Kabila zu unterstützen und die Kämpfe zu beenden.

Protest gegen Entwaffnungsforderung

Zahlreiche Menschen flohen aus der Innenstadt. "Es herrscht überall Panik, viele Straßen sind gesperrt", berichtete ein Taxifahrer. Es seien auch Mörsergranaten zu hören gewesen. Die Regierung hatte Bemba vor einer Woche vergeblich aufgefordert, seine umfangreiche Privatmiliz zu entwaffnen oder in die reguläre Armee zu integrieren. Bemba hatte dagegen protestiert, dass seine Leibwache künftig nur noch aus zwölf Sicherheitsbeamten bestehen solle.

Die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" (Freitag-Ausgabe) berichtete unter Berufung auf den Büroleiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Kinshasa, Colin Gleichmann, es gebe "schwere Kämpfe, die nicht so schnell abflauen werden". In Gleichmanns Haus seien in den vergangenen Tagen zwei Geschosse eingeschlagen. Die Familie mit zwei Kleinkindern im Alter von neun Monaten und zweieinhalb Jahren könne das Haus wegen der gewaltsamen Auseinandersetzungen in unmittelbarer Nachbarschaft nicht verlassen. "Die Konfrontation hat sich zugespitzt. Hier geht keiner mehr auf die Straße." Das Land zu verlassen, sei augenblicklich nicht möglich. Auch aus dem Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kinshasa hieß es nach Angaben der Zeitung: "Es ist sehr gefährlich."

Die UN-Mission im Kongo mit etwa 17 000 Mann war während der Wahl von einer EU-Friedenstruppe unter Führung der Bundeswehr unterstützt worden. Die Bundesregierung hatte den viermonatigen Einsatz, der im Dezember endete, als Erfolg gewertet. (chr)

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