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Politik

Tote und Verletzte bei Straßenschlachten

In Bangkok haben Sicherheitskräfte und Regierungsgegner sich erneut schwere Straßenschlachten geliefert. Dabei wurden mehrere Menschen getötet und viele weitere verletzt. Das Zentrum Bangkoks gleicht einer Kriegszone.

Demonstranten hinter Barrikaden mit selbstgebauten Raketen (Foto:ap)

Bewaffneter Kampf auf den Barrikaden von Bangkok

Angesichts der Eskalation der Gewalt in mehreren Bezirken Bangkoks wächst die Angst vor einem offenen Bürgerkrieg. Sicherheitskräfte und Regierungsgegner lieferten sich am Freitag (14.05.2010) in der thailändischen Metropole bis in die Nacht hinein schwere Straßenschlachten. Rettungsdienste und Krankenhäuser berichteten von mindestens 16 Todesopfern und mehr als 140 Verletzten, darunter drei Journalisten, die zwischen die Fronten geraten waren.

Das Auswärtige Amt riet dringend von Reisen nach Bangkok ab. Dies betreffe jedoch nicht den Transit auf den Flughäfen der Stadt, sagte ein Sprecher in Berlin. Die deutsche Botschaft habe ihren Betrieb "auf ein Minimum" reduziert. Deutsche Reiseveranstalter sagten alle Reisen direkt in die Stadt Bangkok bis Ende Mai ab.

Sicherheitskräfte rücken gegen Barrikaden vor

Kette von Regierungsgegnern mit Helmen vor ihrer Barrikade (Foto:ap)

Szenen wie im Bürgerkrieg - zwischen den Fronten gibt es immer mehr Opfer

Die ganze Nacht hindurch waren Schüsse zu hören. Soldaten schossen nach Augenzeugenberichten mit Gummigeschossen und scharfer Munition auf die Demonstranten, setzten zudem Wasserwerfer und Tränengas ein. Die Demonstranten - wegen der Farbe ihrer T-Shirts Rothemden genannt - setzten Militärfahrzeuge, Busse, Motorräder und Reifen in Brand. An einigen Stellen gelang es den Soldaten, die Rothemden von ihren Barrikaden zurückzudrängen. Armee und Polizei hatten am Vortag damit begonnen, das Geschäftsviertel Ratchaprasong abzuriegeln. Die meisten dort ansässigen Geschäfte und Botschaften waren bereits evakuiert worden.

Die Demonstranten zeigten sich trotz aller Appelle, friedlich abzuziehen, weiter unnachgiebig. Einer ihrer Anführer erklärte, sie würden "bis zum Tod" weiterkämpfen. Die Rothemden sind Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra und werfen Regierungschef Abhisit Vejjajiva vor, er diene allein den Reichen und den Eliten im Lande. Thaksin rief Abhisit aus dem Exil auf, die Truppen zurückzuziehen und die Verhandlungen mit den Rothemden wieder aufzunehmen.

Attentat auf "Überläufer" im Oppositionslager?

Selbstgebaute Raketen werden von Demonstranten mit Helm abgeschossen (Foto:ap)

Regierungsgegner im besetzten Lumpini-Park nahe des bekannten Nachtmarktes setzen selbstgebaute Raketen gegen die Armee ein

Bei den schweren Ausschreitungen in dem belebten Hotel- und Einkaufsviertel, das Tausende Oppositionelle seit fast sechs Wochen besetzt halten, war am Donnerstag auch einer der radikalen Oppositionsführer von einer Kugel getroffen und schwer verletzt worden. Generalmajor Khattiya Sawasdipol, genannt Seh Daeng, der zu den Rothemden übergelaufen war, war von der Regierung als "Terrorist" bezeichnet worden. Wer die Schüsse auf ihn abfeuerte, war zunächst unklar. Die Opposition berichtete von einem Scharfschützen der Armee, Korrespondenten sprachen von einem "regelrechten Attentat".

Kompromiss im Machtkampf geplatzt

Um die Proteste zu beenden, hatte Ministerpräsident Abhisit zunächst eingelenkt und vorgeschlagen, das Parlament in der zweiten Septemberhälfte aufzulösen und die Wahl um ein Jahr auf den 14. November vorziehen. Frustriert zog er sein Angebot aber wieder zurück, nachdem die Opposition weitere Forderungen stellte. Auf den schon sicher geglaubten Kompromiss folgte der Befehl zum Einsatz der Armee.

Abhisit könnte im Machtkampf jetzt eine Entscheidung suchen, vor allem auf militärischem Wege. Verteidigungsminister General Prawit Wongsuwon beteuerte hingegen, die Operationen hätten allein das Ziel, die Oppositionsführer zurück an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Autor: Siegfried Scheithauer (ap, rtr, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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