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Aktuell Europa

Tote und Verletzte bei schwerem Zugunglück in Polen

Beim Frontalzusammenstoß zweier Personenzüge sind im Süden Polens mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, fast 60 wurden verletzt. Viele von ihnen befinden sich noch in einem kritischen Zustand.

Die beiden Personenzüge rasten auf demselben Gleis aufeinander zu und prallten frontal zusammen. Mindestens 16 Menschen starben am Samstagabend in den Trümmern. Weitere 58 wurden nach Behördenangaben verletzt, viele davon schwer. Waggons entgleisten und verkeilten sich. Vier der insgesamt elf Wagen wurden völlig zerstört. "Es gab keine Notbremsung, es gab nur den Aufprall. Plötzlich wurde es finster und der Zug stoppte", berichtete der Reisende Dariusz Wisniewski.

In beiden Zügen - einer fuhr in Richtung Warschau, der andere in Richtung Krakau - saßen zusammen rund 350 Passagiere. Bis zum Sonntagnachmittag seien sechs Tote identifiziert worden, darunter eine US-Bürgerin, sagte der mit der Untersuchung der Unfalls beauftragte Staatsanwalt Tomasz Ozimek. Polens Innenminister Jacek Cichocki befürchtete, dass sich die Zahl der Toten noch erhöhen könnte. Etwa 30 der Verletzten befanden sich in kritischem Zustand. Zu den Verletzten zählten sechs ukrainische Reisende. An Bord der Unglückszüge waren auch französische und spanische Passagiere. Sie erlitten keine Verletzungen. Ungewiss blieb zunächst das Schicksal der beiden Lokführer.

"Waggons wie eine Ziehharmonika ineinandergeschoben"

Video ansehen 01:20

Schweres Zugunglück in Polen

Das Unglück hatte sich gegen 21 Uhr in der Nähe der Stadt Zawiercie ereignet. "Die ersten drei Waggons waren wie eine Ziehharmonika ineinandergeschoben. Ich war am Anfang des vierten Waggons eingeklemmt, nur einen halben Meter hinter dem Bereich der größten Zerstörung. Als es mir endlich gelang, auf den Korridor zu gelangen, dankte ich Gott." So zitierte das Internetportal "wyborcza.pl" einen weiteren Überlebenden.

Die Bewohner eines nahe gelegenen Dorfes waren die Ersten am Unfallort und halfen, die Verletzen aus den entgleisten Waggons zu bergen. Später versorgten sie die Passagiere mit Decken und heißen Getränken. "Wir sahen viele Menschen, die im Zug gefangen waren", sagte ein Helfer. "Wir versuchten, die Fensterscheiben einzuschlagen, damit sie es leichter hatten." An der Unglücksstelle arbeiteten die ganze Nacht etwa 450 Feuerwehrleute und 100 Polizisten. Mit Spürhunden suchten die Rettungskräfte in den Trümmern der Waggonwracks nach Überlebenden.

"Tragischste Katastrophe in Polen seit Jahren"

Polish PM Donald Tusk (3L) next to the scene of a train crash in Szczekociny near Zawiercie (Silesia) in Poland, 04 March 2012. Two passenger trains collided in Poland, injuring more than 60 passengers. At least 14 people died. PAP/ANDRZEJ GRYGIEL POLAND OUT

Ministerpräsident Tusk im Gespräch mit Reportern am Unglücksort

Der Zug Przemysl-Warschau führte sieben Waggons und war mit rund 250 Passagieren besetzt. In den vier Wagen des Zuges Warschau-Krakau saßen etwa 120 bis 150 Fahrgäste. An der Unfallstelle galt ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern; auf dem Nachbargleis gab es Reparaturarbeiten. Zunächst war unklar, warum der Zug nach Krakau falsch umgeleitet worden war. Untersucht wird auch, mit welchem Tempo die Züge zusammenstießen und ob einer von ihnen abgebremst wurde. Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen vorliegen.

"Dies ist die tragischste Katastrophe seit Jahren", sagte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, der noch in der Nacht zur Unfallstelle geeilt war. "Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien. Präsident Bronislaw Komorowski besuchte Verletzte im Krankenhaus in der Stadt Sosnowiec, später auch den Unglücksort. Er ordnete für Montag und Dienstag eine zweitägige Staatstrauer an. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle übermittelte Polen das Mitgefühl und die Anteilnahme der Bundesregierung.

sti/kle (afp, dpa, dapd, rtr)

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