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Politik

Tote und Propaganda im Nordirak

Die Wahrheit stirbt zuerst. Das gilt wohl auch für den Krieg im Nordirak. Türkische und kurdische Quellen berichten von jeweils Dutzenden Toten der anderen Seite. Die Angst vor einer Destabilisierung des Irak wächst.

Soldaten in Uniform hinter einem Sarg, der in die türkische Flagge gehüllt ist (Quelle: AP)

Trauer um gefallene Soldaten in Ankara

Soldat liegt im Schnee, legt zum Schuss mit einem Gewehr an (Quelle: AP)

Türkische Spezialtruppen im Einsatz

Nach Angaben des türkischen Generalstabs wurden am Montag (25.2.2008) 41 weitere Rebellen im Nordirak getötet. Damit stieg die Zahl der getöteten PKK-Kämpfer offenbar auf insgesamt 153. In der Nacht zum Montag seien auch zwei türkische Soldaten gefallen. Türkische Truppen seien bei ihrer Offensive bis zu 25 Kilometer tief in das Gebiet des Nachbarlandes eingedrungen, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Dogan. Die türkischen Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Die kurdische Nachrichtenagentur Peyamner, die ihren Sitz in der nordirakischen Stadt Erbil hat, meldete dagegen, die PKK habe in dem Gebiet am Zab-Fluss 24 türkische Soldaten getötet. Den türkischen Truppen sei es nicht gelungen, alle Leichen zu bergen, da sie von den PKK-Kämpfern mehrfach zurückgedrängt worden seien. Aus einem anderen grenznahen Gebiet meldete Peyamner eine Luftlandeoperation der türkischen Armee. Diese habe 300 Fallschirmspringer abgesetzt, die sich nun heftige Gefechte mit den PKK-Milizionären lieferten.

Artillerie- und Luftangriffe

Türkische Truppen griffen zudem mutmaßliche Stellungen der kurdischen Rebellen mit Artillerie an. Das Artilleriefeuer war bis in die Grenzstadt Cukurca zu hören. Kampfflugzeuge flogen außerdem innerhalb von 24 Stunden Angriffe auf 30 PKK-Ziele, wie es aus dem türkischen Generalstab weiter hieß. Bodentruppen hätten einer Gruppe Rebellen, die auf der Flucht gewesen sei, schwere Verluste zugefügt.

Abhebender Militär-Helikopter (Quelle: AP)

Black Hawk Helikopter auf der Basis Cukurca nahe der Grenze mit Artillerie-Einheiten

In Ankara kamen unterdessen tausende Menschen zusammen, um Abschied von drei getöteten Soldaten zu nehmen. Unter den Todesopfern waren zwei Piloten, die beim Absturz ihres Hubschraubers im Irak ums Leben gekommen waren. Die Streitkräfte haben erklärt, der Grund für den Absturz sei noch nicht bekannt. Die PKK gab dagegen an, sie habe einen Hubschrauber abgeschossen.

Irak fordert Krisengespräche

Der Irak hat vor Kämpfen zwischen türkischen Truppen und den Sicherheitskräften der Kurden-Region gewarnt. Eine länger andauernde Offensive im Nordirak könnte solche Gefechte mit den Peschmerga auslösen, sagte der nationale Sicherheitsberater des Irak, Mowaffak al-Rubaie, am Montag in Bagdad. "Das muss um jeden Preis verhindert werden." Die USA drängten ihrerseits die Türkei dazu, die Offensive gegen die PKK-Kämpfer kurz zu halten. Der türkische Präsident Abdullah Gül verschob wegen des Einsatzes eine für diese Woche geplante Reise nach Afrika.

Die türkische Offensive richte sich ausschließlich gegen kurdische Rebellen, bekräftigte der türkische Regierungssprecher Cemil Cecik. Sobald das Ziel des Einsatzes erreicht sei, würden die Truppen abziehen. Eine Sprecherin der US-Regierung sagte, die Lage sei offensichtlich nicht optimal. Am Sonntag hatte die Regierung in Bagdad auf einen raschen Abzug der türkischen Truppen gedrungen. Der Irak forderte die Regierung in Ankara zu gemeinsamen Krisengesprächen über die PKK im Nordirak auf. Die Türkei würde nun am Mittwoch einen Sondergesandten nach Bagdad schicken.

Destabilisierung des Irak befürchtet

Dunkel gekleidete Menschengruppe (Quelle: AP)

Gesichter der Trauer in Ankara

Die Türkei hatte im Herbst bis zu 100.000 Soldaten an der Grenze zusammengezogen, aber unter dem Druck der USA eine Bodenoffensive zunächst aufgeschoben. Die US-Regierung und die Europäische Union befürchten, anhaltende Gefechte im Kurdengebiet könnten den Irak weiter destabilisieren. Seit Beginn des Kampfes der PKK für einen eigenen Staat 1984 sind in dem Konflikt 40.000 Menschen getötet worden.

Am 21. Februar hatten die Türken mit etwa 10.000 Soldaten doch eine Militäroffensive in einem abgelegenen Teil der weitgehend autonomen Region Kurdistan im Nordirak gestartet. Ankara wirft Rebellen der kurdischen Separatistenorganisation PKK vor, die unwegsame Bergregion als Rückzugsort und Basis für Angriffe in der Türkei zu nutzen. Kurdische Politiker betrachten die Region als außerhalb ihrer Kontrolle. Die Kurden im Irak unterstützen die Ziele der PKK kaum, über die türkische Invasion ist diese Bevölkerungsgruppe aber verärgert. (sams)

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