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Welt

Tote nach Stürmung der israelischen Botschaft

Jagdszenen in Kairo: Gewaltsame Demonstranten rissen eine Mauer nieder und stürmten die israelische Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt. Drei Menschen wurden getötet. Botschafter Levanon wurde ausgeflogen.

Demonstrant mit ägyptischer Flagge (Foto: AP)

Es begann mit gewaltsamen Demonstrationen: Gewaltbereite Demonstranten rissen eine zweieinhalb Meter hohe Schutzmauer um das Gebäude nieder, in der die diplomatische Vertretung untergebracht ist. In der Nacht zum Samstag (10.09.2011) stürmten sie schließlich Teile der Botschaft in Kairo. Sie rissen die israelische Flagge herunter, verbrannten sie und warfen mehrere hundert Dokumente aus dem Fenster. Die Mauer war erst kürzlich zum Schutz der Botschaft errichtet worden.

Vor dem Gebäude lieferten sich aufgebrachte Demonstranten Scharmützel mit der ägyptischen Polizei. Beamte wurden mit Trümmern der niedergerissenen Schutzmauer beworfen, die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Mehrere Einsatzfahrzeuge gingen in Flammen auf. Mindestens drei Menschen wurden nach Regierungsangaben bei den Zusammenstößen mit Sicherheitskräften getötet, mehr als 1000 verletzt. Innenminister Mansur el Essawi rief den Alarmzustand aus.

Botschafter Levanon verlässt das Land

Demonstranten überwinden eine Mauer (Foto: AP)

Demonstranten überwinden die Mauer

Botschafter Itzhak Levanon verließ nach Angaben des israelischen Rundfunks das Gebäude. Er, seine Familie und zahlreiche Botschaftsmitarbeiter seien noch in der Nacht mit einer israelischen Militärmaschine nach Tel Aviv ausgeflogen worden, hieß es. Vor dem Abflug sei Levanon auf dem Kairoer Flughafen noch mit einem General des regierenden ägyptischen Militärrats zusammengetroffen, hieß es unter Berufung auf Berichte des ägyptischen Staatsfernsehens. Die Geschicke der israelischen Vertretung leite jetzt ein Konsul.

US-Präsident Barack Obama forderte die ägyptische Regierung auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und die Sicherheit der Botschaft zu gewährleisten. Die ägyptische Regierung habe die Sicherheitskräfte in der Hauptstadt in Alarmbereitschaft versetzt, berichtete Al-Dschasira. Das Sicherheitskabinett sei zu einer Krisensitzung einberufen worden.

Präsident Obama vermittelt

Obama sprach mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu über die Lage in Kairo. In dem Telefonat habe der Präsident auch seine Sorge um die Sicherheit der israelischen Botschaftsmitarbeiter zum Ausdruck gebracht, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Die USA versuchten auf allen Ebenen, eine Klärung der Situation in Kairo ohne weitere Gewalt zu erreichen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Vorfälle in Kairo. Er erwarte, dass die ägyptischen Behörden den Schutz der Botschaft gemäß den internationalen Verpflichtungen sicherstellten, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Wachsende Spannungen

Seit Wochen kommt es vor der israelischen Botschaft in Kairo immer wieder zu Demonstrationen. Auslöser war der Tod von fünf ägyptischen Grenzpolizisten. Israelische Sicherheitskräfte hatten sie bei der Verfolgung mutmaßlicher palästinensischer Terroristen an der ägyptisch-israelischen Grenze vor drei Wochen erschossen.

Die israelische Regierung hat sich für den Tod der Grenzwächter offiziell entschuldigt. Dennoch fordern ägyptische Demonstranten seit Wochen vom regierenden Militärrat einen generellen Kurswechsel im Verhältnis zu Israel. Sie fordern, den 1979 mit Israel geschlossenen Friedensvertrag zu kündigen.

Autor: Martin Muno (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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