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Kultur

Tote nach Brand in Moskauer Klinik

Bei einem Brand in einer Moskauer Drogenklinik sind 45 Frauen ums Leben gekommen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Das Feuer war das folgenschwerste in Moskau seit drei Jahren.

Trauernde Angehörige am Unglücksort

Trauernde Angehörige am Unglücksort

Unter den Toten waren nach Angaben der Behörden 43 Patientinnen und zwei Pflegerinnen. Darüber hinaus gab es zehn Schwerverletzte, von denen mehrere in Lebensgefahr schwebten. Der Brand entstand in der zweiten Etage eines achtgeschossigen Gebäudes. Das Notfallministerium in Moskau ging nach den ersten Untersuchungen am Brandherd davon aus, dass es sich um einen Fall von Brandstiftung handelte. Die Schutzbestimmungen wurden nach Einschätzung des Moskauer Feuerwehrchefs Viktor Klimkin in krasser Form missachtet.

Giftiger Qualm

Feuerwehr am Unglücksort

Als die Feuerwehr eintraf, waren bereits 45 Frauen tot

Das Feuer war mitten in der Nacht in der Frauen-Abteilung ausgebrochen. "Der Brand entstand in der Cafeteria", sagte Klimkin. Zum Zeitpunkt des Dramas befanden sich demnach 177 Patienten und 15 Betreuer in dem Gebäude. Die Fenster der Klinik für Suchtkranke waren mit Sperrgittern verriegelt. Die Wände des Gebäudes, das in den 50er und 60er Jahren errichtet wurde, waren mit Plastik verkleidet. Dadurch habe sich nach den ersten Ermittlungen ein besonders giftiger Qualm entwickelt, erklärte Klimkin.

Viele der Toten hätten durch die Vergiftung wahrscheinlich schnell das Bewusstsein verloren. "Wir haben das Gebäude überprüft, Missachtungen der Brandschutzbestimmungen festgestellt und der Verwaltung Anweisungen gegeben, wie diese ausgeräumt werden müssen", sagte Klimkin. Brandschutzinspektoren hätten schon vor der Katastrophe gefordert, das Gebäude müsse geschlossen werden.

Klinikpersonal nicht angemessen reagiert

Eines sei jetzt schon klar, der erste Notruf sei sehr spät bei der Feuerwehr eingegangen, sagte Feuerwehrsprecher Jewgeni Bobyljow. Außerdem hätten die Krankenhausmitarbeiter nichts unternommen, um die Patienten schon im Anfangsstadium des Brandes zu evakuieren. Die Feuerwehr habe den Brand innerhalb einer Stunde nach dem ersten Alarm gelöscht, sagte der Sprecher weiter. 160 Menschen seien aus dem fünfgeschossigen Gebäude evakuiert worden.

Nach Angaben der Behörden waren alle 45 Frauen beim Eintreffen der Feuerwehr bereits tot. Die Lage der Leichen lasse darauf schließen, dass die Frauen "wirklich versucht haben, hinaus zu kommen", sagte der stellvertretende Minister für Notfälle, Alexander Tschuprijanow. Die von dem Feuer erfasste Fläche war nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ITAR-Tass mit etwa 100 Quadratmetern relativ klein. Aber der dichte Rauch habe die Patienten im Schlaf überrascht.

Verheerendes Feuer

Das Feuer war das folgenschwerste in Moskau seit drei Jahren. Im November 2003 waren bei einem Brand in einem Wohnheim für ausländische Studenten 43 Menschen ums Leben gekommen und fast 200 verletzt worden. Im Oktober 2005 kostete ein Feuer in einer psychiatrischen Einrichtung sieben Patienten das Leben. 28 Kinder kamen im April 2003 bei einem Brand in einer Schule für Taubstumme in Dagestan ums Leben. In derselben Woche verbrannten 22 Schüler in einem Schulgebäude in Sibirien. (stl)