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Nahost

Tote bei Straßenschlachten im Iran

Die Proteste gegen die Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad haben eine neue Dimension erreicht: Erstmals seit den Demonstrationen gegen den Wahlausgang Mitte Juni gab es in Teheran Tote.

Ausschreitungen bei Protesten in Teheran (Foto: AP)

Die Proteste auf den Straßen von Teheran eskalieren

Mindestens acht Menschen sind bei den gewaltsamen Protesten im Iran gestorben. Dies berichtet inzwischen auch das iranische Staatsfernsehen. Der englischsprachige Sender Press TV, der ebenfalls von acht Todesopfern spricht, berief sich am Montag (28.12.2009) auf Angaben des Nationalen Sicherheitsrates der Islamischen Republik. In anderen Berichten war sogar von 15 Opfern die Rede.

Die Polizei hatte bislang von fünf Toten gesprochen. Sie erklärte weiter, dass mindestens 300 Menschen festgenommen worden seien. Darunter sollen auch zwei prominente Regierungskritiker sein. Nach Angaben der Opposition handelt sich dabei um den früheren Außenminister Ibrahim Jasdi und den Menschenrechtsaktivisten Emad Baghi.

Neffe des Oppositionsführers unter den Toten

Unter den Toten soll nach Angaben aus dem Internet ein Neffe von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi sein. Ein Berater Mussawis bestätigte entsprechende Berichte.

Anfangs hatten nur oppositionelle Internetseiten berichtet, dass bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei mehrere Menschen getötet worden seien. Das staatliche Fernsehen bestätigte diese Meldungen daraufhin: "Bei den Unruhen wurden mehrere Menschen auf beiden Seiten getötet und mehrere weitere verletzt", hieß es am Sonntag auf der Internetseite des Staatsfernsehens. Schiitische Gläubige, die das Aschura-Fest begingen, hätten sich gegen Aufständische gewandt, die "Provokation und Zerstörung brachten", stand auf der Webseite.

Zusammenstöße in Teheran (Quelle: Kosoof)

Die Proteste eskalierten während des schiitischen Aschura-Festes

Die iranische Opposition hatte das schiitische Aschura-Fest zu neuen Protesten gegen Präsident Ahmadinedschad genutzt. Nach Augenzeugenberichten beteiligten sich tausende Iraner an den Protestzügen in der Hauptstadt Teheran. Sei seien von zehntausenden Autofahrern unterstützt worden, die mit Hupkonzerten ihre Sympathie mit den Demonstranten bekundeten. Im Verlauf der Kundgebung seien zahlreiche Polizeimotorräder in Brand gesetzt worden, hieß es.

Erfolgloses Eingreifen der Sicherheitskräfte

Noch am Sonntagvormittag hatte die iranische Führung versucht, die Demonstrationen gleich im Keim zu ersticken. An zahlreichen neuralgischen Punkten der Hauptstadt waren deshalb Einheiten der Sicherheitskräfte aufmarschiert. Später am Tag hieß es dann, es seien mehr als 300 Demonstranten festgenommen worden. Nach Polizeiangaben waren darunter auch Mitglieder der militanten Oppositionsgruppe Volksmudschaheddin.

Schon am Samstag war es zu Protesten gegen den Staatspräsidenten gekommen. Internetseiten der Opposition berichteten von Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt und in die Luft geschossen, um die Kundgebungen aufzulösen.

Hintergrund der Proteste ist der Vorwurf der Opposition, Präsident Ahmadinedschad habe die Wahl im Juni manipuliert. Nach der Abstimmung hatte es tagelang Proteste gegen deren Ausgang gegeben. Hunderte Regimekritiker wurden seinerzeit festgenommen.

Autor: Frank Wörner / Naima El Moussaoui (dpa, afp, apd, rtr)
Redaktion: Siegfried Scheithauer / Ursula Kissel

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