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Welt

Tote bei religiösen Unruhen in Kairo

Mindestens zehn Tote und zahlreiche Verletzte - das ist die blutige Bilanz gewaltsamer Zusammenstöße zwischen Muslimen und koptischen Christen in Ägypten. Auslöser der Gewalt: Eine angebliche Liebesbeziehung.

Arme eines koptischen Christen (Foto: AP)

"Mit unseren Seelen und unserem Blut verteidigen wir dich, Islam", skandierten Hunderte Muslime, die vor eine Kirche der Kopten im Kairoer Armenviertel Imbaba gezogen waren. Islamisten warfen Brandbomben auf das Gotteshaus, dessen Fassade in Brand geriet. Die Gewalt griff auch auf umliegende Straßen über, Wohnhäuser in der Nähe der Kirche fingen ebenfalls Feuer. Bei den nächtlichen Ausschreitungen fielen auch Schüsse, wie Augenzeugen berichteten.

Geplante Heirat

In der Kirche, so ein Gerücht, werde eine vom Christentum zum Islam konvertierte Frau festgehalten - gegen ihren Willen. Empörte Muslime wollten diese - wie es heißt - heiratswillige Frau befreien. Doch viele Kopten stellten sich den Muslimen in den Weg. Ägyptische Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Zusammenstöße zu beenden.

Ehen zwischen Angehörigen der muslimischen Mehrheit und der koptischen Minderheit sind in Ägypten tabu. Heiratet eine Christin einen Muslim, wird sie aus der Kirche ausgeschlossen. Eine Muslima darf laut Gesetz keinen Christen heiraten. Weil Ehescheidungen in der koptischen Kirche weitgehend verboten sind, versuchen manche trennungswillige Frauen, als Ausweg aus ihrer Ehe zu konvertieren.

Größte Minderheit

Rund zehn Prozent der 80 Millionen Ägypter sind Kopten. Schon seit Monaten sorgen Gerüchte über koptische Christen, die angeblich am Übertritt zum Islam gehindert werden, für Spannungen. In der Silvesternacht waren bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche in der nordägyptischen Metropole Alexandria mehr als 20 Menschen getötet worden. Anfang März gab es in einem Vorort von Kairo Ausschreitungen, bei denen 13 Menschen ums Leben kamen.

Die Kopten, die zu einer der ältesten christlichen Gemeinden der Welt gehören, klagen seit langem über Diskriminierung durch die Muslime. Seit der verstärkten Präsenz islamistischer Gruppen in Ägypten infolge des Sturzes von Staatspräsident Husni Mubarak im Februar fühlen sich die Kopten noch mehr bedroht.

Autor: Christian Walz (dapd, afp, dpa)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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