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Amerika

Tote bei Protesten wegen Cholera

Bei Protesten in Zusammenhang mit der Cholera sind bei Zusammenstößen zwischen UN-Soldaten und Demonstranten zwei Menschen getötet worden. Es kursieren Gerüchte, UN-Soldaten aus Nepal hätten den Erreger eingeschleppt.

Haitianer mit Mundschutz-Masken (Foto: AP)

Mehr als 1000 Menschen sind in Haiti bereits an der Cholera-Epidemie gestorben

In zwei Städten in Haiti haben Demonstranten Soldaten der UN-Friedenstruppen attackiert, weil sie in ihnen die Schuldigen für den Ausbruch der Cholera-Epidemie sehen. Bei den Auseinandersetzungen wurden nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen erschossen.

Augenzeugen machten UN-Blauhelmsoldaten für den Tod der Demonstranten verantwortlich. Die UN-Mission bestätigte, dass Blauhelmsoldaten in Notwehr geschossen hätten.

Chaos in Cap-Haitien

UN-Blauhelmsoldaten sprechen mit einer Haitianerin (Foto: AP)

Viele Haitianer machen UN-Blauhelmsoldaten aus Nepal für die Epidemie verantwortlich

In Cap-Haitien waren Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die nach ihrer Auffassung zu schleppende Bekämpfung der Cholera-Epidemie zu demonstrieren. Die Proteste richteten sich gegen die Vereinten Nationen und die haitianische Regierung. Einige hundert Demonstranten griffen die UN-Truppen mit Steinen an, steckten eine Polizei-Wache in Brand und errichteten Straßensperren.

"Die ganze Stadt ist verriegelt, Geschäfte und Schulen haben geschlossen, Autos wurden verbrannt. Hier herrscht Chaos", berichtete ein Geschäftsmann aus Cap-Haitien. Die UN setzten Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein. Der Sprecher der UN-Mission in Haiti, Vincenzo Pugliese, äußerte sich besorgt über die angespannte Lage. Er warf Lokalpolitikern vor, die Unruhen geschürt zu haben.

Auch in der Stadt Hinche protestierten zahlreiche Demonstranten gewaltsam vor einem Stützpunkt nepalesischer UN-Blauhelmsoldaten. Eine weitere Demonstration in Gonaives verlief nach Polizeiangaben friedlich.

Erreger hat Ähnlichkeit mit Typ aus Südasien

UN-Soldaten aus Nepal sind unter den Verdacht geraten, den Cholera-Erreger nach Haiti eingeschleppt zu haben, weil die Durchfallerkrankung am Fluss Artibonite in der Nähe ihres Lagers ausgebrochen war. Eine Woche vor dem Ausbruch in Haiti hatte es in Nepal eine Cholera-Epidemie gegeben.

Das US-Zentrum für Seuchenkontrolle und Vorbeugung (CDC) untersuchte den Erreger in Haiti und erklärte, er habe starke Ähnlichkeit mit einem Typ, der in Südasien vorkomme. Doch weder die US-Gesundheitsbehörde noch die UN oder die haitianische Regierung stellen die Epidemie in Verbindung zu den nepalesischen Soldaten.

Mehr als 1000 Cholera-Tote

Seit dem Ausbruch der Cholera im vergangenen Monat in Haiti sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums 1034 Menschen an der Seuche gestorben. Besonders betroffen sind die Slums und Aufnahmelager, in denen seit dem verheerenden Erdbeben im Januar Hunderttausende Menschen kampieren. Die Cholera breitet sich vor allem über Wasser und Nahrung aus. Sie verursacht heftigen Durchfall und Erbrechen und kann ohne rechtzeitige Behandlung innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen.

Weil die Cholera seit Jahrzehnten nicht mehr in Haiti vorgekommen ist, wissen viele Menschen dort laut den UN nicht mehr, wie sie sich am besten vor Ansteckung schützen können. Die Vereinten Nationen bemühten sich darum, über die Epidemie, Hygienemaßnahmen und Vorbeugung aufzuklären, hieß es.

Die UN-Blauhelme sind seit 2004 in Haiti, um die Lage in dem wirtschaftlich und politisch zerrütteten Land zu stabilisieren. Zahlreiche Hilfsorganisationen versuchen seit der Erdbebenkatastrophe, beim Wiederaufbau des Landes zu helfen. Haiti ist das ärmste Land Amerikas.

Autorin: Ursula Kissel (rtr, afp, dpa)
Redaktion: Michael Wehling

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