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Nahost

Tote bei Protesten im Irak

Tausende Menschen haben sich am "Tag des Zorns" auf den Straßen Iraks versammelt. Die Demonstranten forderten Arbeitsplätze und ein Ende der Korruption. Die Polizei griff mit Waffengewalt ein.

Proteste im Irak (Foto: dapd)

Tausende Menschen kamen auf dem Tahrir-Platz in Bagdad zusammen

Bei landesweiten Protesten im Irak sind am Freitag (25.02.2011) mindestens neun Menschen getötet worden. In mehreren Städten schossen Wachmannschaften auf Demonstranten, die Regierungsgebäude stürmen wollten, hieß es aus Sicherheitskreisen.

In der nördlichen Stadt Mossul versammelten sich Hunderte Demonstranten vor dem Gebäude des Provinzrats, als Sicherheitskräfte in die Menge schossen. Dabei wurden nach Angaben eines Polizisten und eines Krankenhausmitarbeiters fünf Demonstranten getötet und fünf weitere verletzt. Nach Augenzeugenberichten kam es auch in Falludscha im Westen des Irak zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Aufgebrachte Menschen setzten dort ein Behördengebäude in Brand.

Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Bagdad (Foto: dapd)

Die Demonstranten fordern ein Ende der Korruption und Arbeitsplätze

Gouverneur von Basra tritt zurück

Zudem demonstrierten Tausende Menschen in der südlichen Stadt Basra gegen den Gouverneur Scheltak Abbud, der nach einigen Stunden seinen Rücktritt erklären musste, wie die irakische Agentur Al-Sumaria News berichtete. Die Demonstranten hatten ihm Korruption vorgeworfen. Das staatliche Fernsehen berichtete, Ministerpräsident Al-Maliki habe den Bürgermeister zum Rücktritt aufgefordert.

In Hawidscha nördlich der Hauptstadt Bagdad hätten wütende Demonstranten versucht, in ein städtisches Gebäude einzudringen, sagte der Vorsitzende des Gemeinderats, Ali Hussein Salih. Nach Angaben des Polizeichefs von Hawidscha, Oberst Fattah Jaseen, wurden bei den Protesten drei Menschen getötet und 15 weitere verletzt. "Wir haben den Wachen die Anweisung erteilt, nicht das Feuer zu eröffnen", sagte Salih, "es sei denn, die Demonstranten brechen in das Gebäude ein."

Revolution des Zorns

Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt Bagdad gingen mehrere tausend Menschen auf die Straße. Sie schwenkten Fahnen und skandierten Parolen wie "Nein zur Arbeitslosigkeit" und "Nein zum Lügner Al-Maliki". Die Demonstranten forderten soziale Reformen und mehr Arbeitsplätze.

Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräfte (Foto: AP)

Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräfte

Die Polizei ging mit Tränengas, Wasserwerfern und Knüppeln gegen die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz vor, als diese sich in Richtung der streng bewachten "Grünen Zone" bewegten. Dort befinden sich das Parlament und die US-Botschft. Zahlreiche Soldaten kontrollierten die Demonstranten an den Zugängen zu dem Platz und riegelten Straßen mit Stacheldraht ab. In der Luft kreisten Hubschrauber der irakischen Streitkräfte und Geländewagen wurden rund um den Platz postiert.

Unentschlossener Großajatollah

Die Initiatoren der Proteste hatten zu einer "Revolution des irakischen Zorns" aufgerufen. Religiöse und politische Führer im Irak hatten am Vortag dagegen verlangt, auf die Demonstration zu verzichten. Auch der im Irak residierende Großajatollah Ali al-Sistani hatte zunächst Zurückhaltung gefordert. Am Freitag erklärte er dann: "Wir sind mit den berechtigten Forderungen der Menschen und ihrem Recht, diesen friedlich Ausdruck zu geben."

Ministerpräsident Nuri al-Maliki warnte bei einem Treffen mit Stammesführern in der irakischen Hafenstadt Basra, Anhänger von Ex-Diktator Saddam Hussein steckten hinter den Protesten. Viele Iraker machen Al-Maliki für die schlechte Wirtschaftslage, die verbreitete Korruption und die mangelhafte Versorgung beispielsweise mit Strom verantwortlich.

Berichterstattung eingeschränkt

Menschenrechtler kritisierten, die Regierung habe Angriffe von Schlägertrupps auf friedliche Demonstranten erlaubt. Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen verurteilte zudem, dass die Berichterstattung über die Proteste in Bagdad eingeschränkt worden sei.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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