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Welt

Tote bei Luftangriffen in der Türkei

Bei Angriffen der türkischen Luftwaffe auf mutmaßliche kurdische Ziele im Süden der Türkei sind mindestens 35 Menschen getötet worden. Die Regierungspartei AKP räumte ein mögliches Versehen ein.

Soldaten patrouillieren an einer Straße in Sirnak, Provinz an der türkisch-irakischen Grenze (Foto: AP)

Die Luftangriffe ereigneten sich in der Provinz Sirnak an der türkisch-irakischen Grenze

Im Südosten der Türkei sind nahe der türkisch-irakischen Grenze bei einem Luftangriff des türkischen Militärs mindestens 35 Menschen getötet worden. Das erklärte am Donnerstag (29.12.2011) der Gouverneur der Provinz Sirnak. Der Angriff sollte mutmaßlichen kurdischen Kämpfern gelten, die versucht haben sollen, auf türkisches Gebiet vorzudringen.

Militärhubschrauber in Sirnak (Foto: AP)

Die türkische Armee fliegt in der Genzregion zum Irak häufig Offensiven

Türkische Kampfflugzeuge bombardieren in dem Gebiet an der Grenze zum Irak regelmäßig Ziele. Die Regierung versucht, Stellungen von Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) aufzuspüren und anzugreifen. Das Militär bestätigte den Angriff, er habe sich gegen PKK-Rebellen gerichtet, die durch Drohnen identifiziert worden seien. Es habe dort keine Zivilbevölkerung gegeben. Ein Sprecher der Regierungspartei AKP hingegen räumte ein mögliches Versehen ein. "Nach ersten Erkenntnissen" seien die Todesopfer "Schmuggler und keine Terroristen" gewesen.

Der Angriff ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag nahe dem Dorf Uludere in der Provinz Sirnak. "Unbemannte Drohnen und Wärmekameras haben eine große Gruppe von Menschen auf der irakischen Seite der Grenze aufgespürt", meldete die Nachrichtenagentur Dogan. Daraufhin hätten Kampfflieger der türkischen Streitkräfte abgehoben. Der Angriff habe um 23.00 Uhr (Ortszeit) begonnen.

Eine Verwechselung mit PKK-Rebellen?

Türkische Rebellen in den Bergen an der türkisch-irakischen Grenze (Foto: dpa)

Rebellen liefern sich Gefechte mit der türkischen Armee

Dorfbewohner aus dem Grenzgebiet berichteten laut Dogan, die türkischen Streitkräfte hätten die Personen fälschlicherweise für kurdische Rebellen gehalten, die versucht hätten vom Irak in die Türkei zu gelangen. Es habe sich aber um Schmuggler gehandelt, die mit Maultieren Kraftstoff beförderten. Aus Sicherheitskreisen hieß es ebenfalls, dass die Luftwaffe womöglich die Schmuggler, die unter anderem Gas und Zucker über die Grenze aus dem Nordirak bringen, für PKK-Kämpfer hielten.

Fehmi Yaman, der Bürgermeister des Dorfes Uludere, das in der Provinz Sirnak liegt, kritisierte den Luftangriff scharf: "Wir haben hier 30 Leichen, alle sind verbrannt. Der Staat weiß, dass diese Leute in der Region schmuggeln. Ein solcher Vorfall ist inakzeptabel." Auch der Abgeordnete der Kurdenpartei BDP von Sirnak, Hasip Kaplan, sagte, die Behörden wüssten, dass die Bewohner des grenznahen Dorfes ihren Lebensunterhalt durch Schmuggel verdienten.

Die schwer zugängliche Bergregion entlang der Grenze zum Irak gilt nicht nur als Schmugglergebiet, sondern auch als ein Rückzugsort der PKK. Anhänger der Kurdenpartei überqueren oft die Grenze. Die PKK kämpft seit 1984 für einen eigenen Staat gegen die Türkei. In dem Konflikt sind bislang über 40.000 Menschen getötet worden. Die Türkei - wie auch die USA und die EU - stufen die PKK als terroristische Organisation ein.

Autorin: Naima El Moussaoui (rtr, afp, dpa, dapd)

Redaktion: Nicole Scherschun/Sabine Faber

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