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Nahost

Tote bei Attacken auf Polizisten in Jordanien

Aus diesem Nahostland kommen nur selten Berichte über Anschläge. Umso mehr dürfte Jordanien nun über die Gewalttaten im Touristenort Kerak erschüttert sein. Unter den mindestens zehn Toten ist auch eine Kanadierin.

Wie die Sicherheitsbehörden mitteilten, griffen Bewaffnete im Touristenort Kerak mehrere Polizeipatrouillen sowie eine Wache an und töteten dabei mehrere Polizisten, zwei jordanische Zivilisten und eine Kanadierin. Die Polizei umstellte eine mittelalterliche Burg, in der sich die Angreifer verschanzten.

Zuerst sei eine Polizeipatrouille beschossen worden, die zu einem Hausbrand gefahren war, zitierte die amtliche jordanische Nachrichtenagentur Petra aus einer Mitteilung der Behörden. Die Angreifer, die sich in dem Haus aufhielten, hätten einen Polizisten verletzt und seien dann im Auto geflüchtet. Kurz darauf hätten bewaffnete Männer eine andere Patrouille angegriffen, jedoch niemanden verletzt.

"Es gibt keine Geiseln"

Zur gleichen Zeit hatten sich den Angaben zufolge mehrere Bewaffnete in der Zitadelle von Kerak, einer der größten Kreuzfahrer-Burgen der Region, verschanzt, das Feuer auf eine Polizeiwache eröffnet und mehrere Polizisten und Passanten verletzt. Die Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden. "Die Polizei und Sicherheitskräfte haben die Burg und die Umgebung umstellt und einen Einsatz gestartet, um die Bewaffneten zur Strecke zu bringen", hieß es laut Petra in der Mitteilung. Das Sicherheitsministerium ging von fünf oder sechs Bewaffneten aus. Der jordanische Regierungschef Hani al-Malki sprach vor dem Parlament sogar von zehn Bewaffneten. An dem Einsatz rund um die Zitadelle von Kerak seien auch Spezialkräfte beteiligt.

Die Kreuzritterburg in Kerak (Foto: picture alliance / Bibliographisches Institut/Prof. Dr. H. Wilhelmy)

Touristisches Ziel in Jordanien: Die Kreuzritterburg von Kerak

Ein hochrangiger Vertreter der Sicherheitsbehörden sagte, mehrere Menschen säßen in einem unteren Stockwerk der Zitadelle fest. Medienberichte über eine Geiselnahme in dem von Touristen gern besuchten Bauwerk wies er zurück. "Es gibt keine Geiseln", sagte er. Einige Menschen hätten aber Angst gehabt, die Zitadelle zu verlassen, "weil die Bewaffneten und die Sicherheitsbeamten sich gegenseitig beschossen". Ob Deutsche betroffen waren, war zunächst unklar. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die deutsche Botschaft in Amman stehe mit den jordanischen Behörden in Kontakt und bemühe sich "mit Hochdruck" um Aufklärung.

Beteiligung an Luftschlägen gegen IS umstritten

Wer hinter den Angriffen steckt, ist noch unklar. Die radikal-islamische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wird für mehrere Anschläge in Jordanien verantwortlich gemacht. Das Land hat hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen und befürchtet, dass darunter auch IS-Kämpfer sind. Jordanien ist zudem einer der wenigen arabischen Staaten, die sich an den US-geführten Luftschlägen gegen die Dschihadisten-Miliz in Syrien beteiligen. Doch viele Jordanier lehnen dieses Engagement mit der Begründung ab, es treffe muslimische Mitbrüder und verschlechtere damit auch die Sicherheitslage im Land.

sti/haz (afp, ape, dpa, rtr)