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Aktuell Nahost

Tote bei Anschlägen in türkisch-syrischer Grenzregion

Bei einer Anschlagsserie in einer türkischen Grenzstadt sind mindestens 40 Menschen getötet worden. Es gibt zahlreiche Verletzte. Ankara spricht von einer "Provokation". Syriens Rebellen sehen die Schuldigen in Damaskus.

Die Anschläge ereigneten sich in der Stadt Reyhanli, acht Kilometer von einem wichtigen Grenzübergang nach Syrien entfernt. Zwei mit Sprengstoff präparierte Fahrzeuge seien vor dem Rathaus und dem Postgebäude der 60.000-Einwohner-Stadt explodiert, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Zahl der Getöteten sei inzwischen auf mindestens 40 Menschen gestiegen, etwa hundert weitere seien verletzt worden, zitierte der türkische Sender NTV Innenminister Muammer Güler. Der Minister sagte demnach, die Opferzahlen könnten noch steigen. Der Zustand von 29 Verletzten sei ernst. Die Hintergründe der Anschläge liegen im Dunkeln.

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Explosionen in türkischer Grenzstadt

In Fernsehbildern waren massive Zerstörungen zu sehen, eine Explosion hatte ein riesiges Loch in die Straße gerissen. Nach Angaben syrischer Aktivisten waren unter den Verletzten auch einige Syrer. Es handelt sich um den bislang schwersten Zwischenfall in der Region seit Beginn des Aufstandes gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad im März 2011.

Wenige Kilometer von Reyhanli entfernt befindet sich der türkische Grenzposten Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei kommen. Als Reaktion auf die Anschläge soll es in Reyhanli auch zu Übergriffen der türkischen Bevölkerung auf syrische Flüchtlinge und auf Autos mit syrischen Kennzeichen gekommen sein.

"Niemand sollte unsere Macht testen"

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, die Anschläge könnten im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien stehen oder eine versuchte Sabotage der Friedensbemühungen im Kurden-Konflikt sein.

Menschen stehen am Ort des Anschlags in der Stadt Reyhanli (Foto: Getty Images)

Der Doppelanschlag verursachte massive Zerstörungen in der Grenzstadt

Außenminister Ahmet Davutoglu bewertete die Taten als gezielt gegen sein Land gerichtete Provokationen. Davutoglu, der am Samstag in Berlin war, wurde von türkischen Medien mit den Worten zitiert, dass hinter der Tat Kräfte stecken könnten, die den Frieden in der Türkei stören wollten. "Niemand sollte unsere Macht testen. Unsere Sicherheitskräfte werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen", sagte der Außenminister.

Bereits im Februar waren bei einem Autobombenanschlag auf den Grenzposten 17 Menschen getötet worden. Ankara machte den syrischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich. In der Türkei waren in den vergangenen Monaten zudem immer wieder Granaten aus Syrien eingeschlagen. Die türkische Armee reagierte mehrfach mit Artilleriefeuer.

Die Türkei steht auf der Seite der syrischen Aufständischen und beherbergt derzeit rund syrische 300.000 Flüchtlinge, aber auch Rebellen-Kämpfer.

Erdogan: "Rote Line lägst überschritten"

Jüngst hatte Ankara den Kurs gegen Assad verschärft. Erdogan sagte in einem Interview mit dem US-Sender NBC, die von den USA gezogene rote Linie zum Einsatz von Chemiewaffen sei von Syriens Regime längst überschritten und forderte Washington zum Handeln auf.

US-Außenminister John Kerry setzt allerdings trotz "starker Beweise" für einen Chemiewaffeneinsatz syrischer Regierungstruppen gegen die Aufständischen auf eine diplomatische Lösung. Wenn sich alle Seiten verantwortungsbewusst und verständigungsbereit zeigten, sei eine friedliche Beendigung des blutigen Bürgerkriegs möglich, sagte Kerry in einem Online-Chat.

Syrien-Konferenz rückt in die Ferne

Russland und die USA hatten sich Anfang der Woche auf die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Beendigung des blutigen Bürgerkriegs in Syrien verständigt. Zu der Konferenz in Genf sollen alle an dem Konflikt beteiligten Gruppen aus Syrien kommen.

Allerdings wird die Veranstaltung wohl nicht, wie geplant, im Mai stattfinden. Es gebe bislang keine Verständigung zwischen Russland und dem Westen über das Format und die Teilnehmer, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf russische Regierungskreise.

Der Aufstand gegen Assad in Syrien hat nach UN-Schätzungen inzwischen mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet.

GD/uh (rtr, afp, dpa)

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