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Kultur

"Total" verseuchte Strände

Verschmutzte Strände, vergiftete Fische und tote Seevögel: In Frankreich soll der Mineralölkonzern Total für eine der bisher schwersten Umweltkatastrophen des Landes zur Verantwortung gezogen werden.

Ölverschmutzter Basstölpel am Strand.

Opfer der Ölpest: Verschmutzter Vogel

Vor sieben Jahren waren weite Teile der südbretonischen Atlantikküste ökologisch tot. Rund 20.000 Tonnen Rohöl waren ins Meer geflossen und von Strömung und Wind an die Strände gespült worden. Für die Küstenregion der Südbretagne, einen Landstrich, der fast ausschließlich vom Meer lebt, und auf die Einnahmen aus Tourismus und Fischindustrie angewiesen ist, eine Katastrophe.

Schuld an der Ölpest war der überalterte Tanker "Erika", der im Dezember 1999 im Sturm auseinanderbrach und sank. Auftraggeber der "Erika" war der Mineralkonzern Total, der damals mit dem Einsatz eines 25 Jahre alten Schiffes gegen die eigenen Sicherheitsstandards verstieß. Am Montag (12.2.), mehr als sieben Jahre später, begann in Frankreich der Prozess gegen Total.

Immer wieder Ölkatastrophen

Bereits einen Tag vor der Katastrophe hatten Besatzungsmitglieder den Konzern auf Risse im Rumpf der "Erika" aufmerksam gemacht, die ohnehin nicht den Sicherheitsstandards entsprach, da sie nur eine einfache und keine doppelte Rumpfwand besaß. Strittig ist nun, wer die Verantwortung für die Ölpest trägt. Der Tanker gehörte Total nicht, sondern war nur gechartert worden. Deshalb stehen neben dem Total-Konzern auch der Schiffseigentümer und einige Firmen, die mit der Wartung der "Erika" beauftragt waren, in Paris vor Gericht.

Riesenwelle rollt über Deck von Öltanker.

Öltanker bei stürmischer See

Im Schnitt alle zwei Jahre passiert irgendwo auf der Welt ein Tankerunglück mit katastrophalen Folgen für die Umwelt. Dabei war in den letzten zehn Jahren verstärkt Europa betroffen. "Der Einsatz von Öltankern ist immer risikoreich“, sagt Karsten Smid von Greenpeace Deutschland. "Deshalb müssen höchste Sicherheitsstandards eingehalten werden. Besser noch wären Pipelines. Am besten wäre die Nutzung anderer, erneuerbarer Energiequellen."

Konzerne bezahlen Taschengeld

In mehreren Fällen gab es bereits Gerichtsurteile gegen Mineralölkonzerne nach Tankerunfällen. Im Jahr 2001 lief der Tanker "Jessica" vor den Galapagos-Inseln auf eine Sandbank und verlor 655.000 Liter Öl. Zahlreiche Strände der geschützten Inseln wurden verschmutzt. Bei Seelöwen und Meeresleguanen setzte ein Massensterben ein. Die Folgen vor Gericht: Die britische Firma Terranova Ltd. musste die geringe Summe von zehn Millionen US-Dollar Abfindung an den Galapagos-Nationalpark zahlen. Der Kapitän wurde zu 90 Tagen Haft verurteilt und verlor sein Kapitänspatent.

Die Exxon Valdez vor der Küste von Alaska

Die Exxon Valdez vor der Küste von Alaska

Ähnlich glimpflich kam "Exxon", der größte Mineralölkonzern der Welt, nach der Havarie der "Exxon Valdez" vor Alaska im Jahr 1989 davon. 2,5 Milliarden US-Dollar zahlte der Konzern für die Reinigungsarbeiten. Das klingt zunächst nach einem großen Betrag, entpuppt sich bei einem Jahres-Nettogewinn von rund 40 Milliarden aber eher als Taschengeld. Dem Kapitän, der sich betrunken schlafen gelegt und der dem in Küstengewässern ungeschulten Dritten Offizier das Steuer überlassen hatte, konnte gar kein kriminelles Verhalten nachgewiesen werden. Er kam mit 5000 US-Dollar Geldstrafe davon. Die “Exxon Valdez“ fuhr unter anderem Namen noch bis 2002 durch die Meere. Allerdings nicht mehr vor Alaska, dessen Küste noch heute stellenweise ölverseucht ist und dessen Bewohner immer noch auf eine Abfindung warten.

Unabhängig vom Ausgang des Prozesses in Paris wird es für den Total-Konzern und die Mineralöl-Industrie weitergehen wie bisher. Jedenfalls solange wie Sicherheits-Bestimmungen nicht eingehalten werden und sich Kapitäne finden lassen, die mit unsicheren Öltankern in See stechen. Und wenn doch einmal etwas passieren sollte, zahlt man die Geldstrafe aus der Portokasse. Es bleiben schließlich sieben Jahre Zeit darauf zu sparen.

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