1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Alltagsdeutsch – Podcast

Total fußballverrückt!

Jeden Tag Training, kaum Kontakt mit Familie und Freunden und in der Schule müssen die Noten stimmen. Von den Mädchen in der Fußball-Eliteschule in Bad Neuenahr wird viel verlangt – doch für ihren Traum geben sie alles.

Sprecher:

Mehr als 1200 junge Menschen besuchen die katholische Schule hinter dem Kloster Calvarienberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Von ihnen haben neun Mädchen einen besonderen Stundenplan. Sie gehören einem Leistungszentrum für hochtalentierte Fußballerinnen an. Neben Fächern wie Deutsch, Mathematik und Chemie wird auch Fußball unterrichtet. Eine dieser Schülerinnen ist Jacqueline Boruki, die eigentlich aus der Nähe von Köln kommt. Für sie hat die Wahl des Fußballinternats einen einfachen Grund:

Jacqueline Boruki:

"Ja, der Vorteil ist halt, dass ich fünfmal in der Woche Training habe und nicht nur dreimal.

Für mich ist das kein Problem. Ich bin jetzt seit drei Jahren hier und habe jetzt seit drei Jahren jeden Tag Training, also das ist eigentlich okay."

Sprecher:

Für Jacqueline ist es also kein Problem, dass sie fast jeden Tag in der Woche Training hat und kaum Freizeit wie andere Teenager. Es macht ihr nichts aus, es ist für sie nicht problematisch, die Zeit auf dem Fußballfeld zu verbringen statt mit ihren Freundinnen und Freunden unterwegs zu sein. In der Woche wohnt die 14-Jährige im Internat, freitags geht es zum Training nach Leverkusen, wo sie in der C-Jugend, das heißt in der Altersgruppe der 13-15-Jährigen, spielt. Am Wochenende sind dann Spiele. Doch neben dem fußballerischen Können müssen auch die Noten in der Schule stimmen. Schulleiter Ulrich Schülting:

Ulrich Schülting

"Das ist für die Mädchen wirklich 'ne große Belastung. Es ist wirklich Leistungssport, der da betrieben wird, und die Mädchen müssen ja anders als die Jungen, sich vor allen Dingen auch 'n gutes berufliches, schulisches Standbein sichern, denn sie können nicht davon ausgehen – selbst wenn sie später mal Bundesligaprofis sind –, dass sie davon gut leben können. Ja, als Junge kann man das, wenn man bei einem Bundesligaverein unterkommt – gut leben sogar. Aber als Mädchen können Sie davon nicht unbedingt ausgehen. Und deswegen ist die schulische Ausbildung enorm wichtig. Und das ist für die Mädchen, vor allen Dingen, wenn‘s dann auf 's Abitur zugeht, wirklich immer auch 'ne große Belastung, die wir im Auge haben, die wir aufzufangen versuchen, und da sind wir wirklich auch in gutem Austausch mit den sportlichen Leitern."

Sprecher:

Lehrer und Schulleitung achten also darauf, sie haben im Auge, dass die Schülerinnen die Schule auch ernst nehmen und ihre Hausaufgaben machen. Ganz besonders wichtig ist das, wenn es auf das Abitur zugeht, in den letzten drei Jahren auf dem Gymnasium. Alle versuchen, die Fußballschülerinnen aufzufangen, ihnen jede Hilfe zu geben, die notwendig ist, damit die Abschlussprüfung auch geschafft wird. Besonders für die Mädchen ist es wichtig, sich ein Standbein zu schaffen. Denn sie können nicht damit rechnen, als Fußballerinnen viel Geld zu verdienen, von ihrem Beruf gut leben zu können, selbst wenn sie bei einem Bundesligaverein unterkommen, dort beschäftigt werden. Schafft jemand sich ein Standbein, sucht er einen festen Untergrund, auf dem er stehen kann. Jemand der sich ein zweites Standbein schafft, baut sich neben seiner eigentlichen Arbeit eine weitere Existenz auf. Die Schule richtet den Stundenplan der Mädchen auf das Training und die Spiele aus. Sonst wäre eine solche fußballerische Ausbildung gar nicht möglich, meint Trainer Thomas Obliers.

Thomas Obliers:

"Dass die Mädchen halt regelmäßig betreut werden bei Hausaufgaben, is' enorm wichtig bei Jugendnationalspielern, und gerade bei U 17, is' man also wenn man Stammspielerin ist, sehr, sehr viel unterwegs, also bis zu 80 Tage im Jahr, und da werden die halt optimal unterstützt von der Schule."

Sprecher:

Mädchen, die in der Nationalmannschaft ihrer jeweilige Altersgruppen spielen und dort sogar Stammspielerin sind, also sehr regelmäßig zum Einsatz kommen, haben meist nur noch wenig Zeit für die Schule. Besonders die Nationalmannschaft der unter 17-Jährigen, die U 17, ist häufig auf Reise. Die Fußball-Eliteschule in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist eine der ersten Schulen, die für Mädchen gegründet wurde. Der Deutsche Fußballbund (DFB) fördert das Programm mit jährlich rund 30.000 Euro pro Schule. Er zeichnete das Internat 2006 als erstes von inzwischen sechs DFB-Standorten als Eliteschule für Mädchen aus. Um überhaupt an einer von ihnen angenommen zu werden, müssen die Mädchen bereits in einer Auswahlmannschaft spielen. Die ganz jungen nehmen an einem Probetraining teil. Aber ein sehr gutes Probetraining bedeutet noch nicht, dass man an der Schule angenommen wird. Der Andrang ist sehr groß – und da muss schon mal dem ein oder anderen jungen Mädchentalent abgesagt werden. Und Trainer Thomas Obliers gibt noch zu bedenken:

Thomas Obliers:

"Jetzt die fünf, sechs Jahre hat der Frauenfußball sich schon enorm entwickelt, wird aber wahrscheinlich nie den Stellenwert von Männerfußball erreichen.

Sprecher:

Das kümmert aber Mädchen wie Jacqueline Boruki nicht. So bekannt sein wie Bastian Schweinsteiger oder Mesut Özil will sie nicht einmal ansatzweise. Sie hat nur ein ganz großes Ziel:

Jacqueline Boruki:

"Ne, ich hab' keine Vorbilder, ne. Ich mache das, was ich erreichen will, und, aber 'n Vorbild habe ich jetzt speziell nicht. Ich würde gerne später erst mal in der Bundesliga spielen, und mein großes Ziel ist es, in die Nationalmannschaft zu kommen."

Sprecher:

Dafür trainieren Jacqueline Boruki und die anderen Mädchen der Eliteschule fleißig. Jeden Tag.

Fragen zum Text

Die Nationalmannschaft der Jugendlichen ist …

1. die C-Jugend.

2. das A-Team.

3. die U 17.

Wird jemand irgendwo beschäftigt, dann …

1. kommt jemand an.

2. kommt jemand unter.

3. schafft jemand sich kein Standbein.

Frauenfußball wird nach Meinung von Trainer Obliers …

1. genauso wichtig sein wie Männerfußball.

2. nie so bedeutend sein wie Männerfußball.

3. wichtiger sein als Männerfußball.

Arbeitsauftrag

Führen Sie ein Interview mit einer Fußballerin aus Ihrer Stadt oder Region. Formulieren Sie dafür einige Fragen. Nehmen Sie Kontakt mit dieser Fußballerin auf: Besuchen Sie sie persönlich oder stellen Sie Ihre Fragen per Email. Nach dem Interview erstellen Sie ein Porträt dieser Fußballerin und tragen dieses in der Gruppe vor.


Autorinnen: Sarah Faupel; Beatrice Warken
Redaktion: Ingo Pickel

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads