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Fußball

"Total fußballverrückt" in der Eliteschule

Jeden Tag Training, kaum Kontakt mit Familie und Freunden und in der Schule müssen die Noten stimmen. Von den Mädchen in der Fußball-Eliteschule in Bad Neuenahr wird viel verlang – doch für ihren Traum geben sie alles.

Das Kloster Calvarienberg ist ein von den Ursulinen geführtes Kloster in Ahrweiler. Es liegt auf dem Kalvarienberg, zu dem ein Kreuzweg mit 14 Stationen hochführt. Bild: A. Savin

Wie bei Harry Potter: das Kloster Calvarienberg

Alt und ehrwürdig thront das Kloster Calvarienberg auf einem Hügel in Bad Neuenahr. Eine dicke Steinmauer umgibt das alte Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert mit seinen vielen spitzen Türmen. Auf einer kleinen Straße, die zur Anlage hinaufführt, sind die 14 Stationen Jesu Christi aufgeführt. Es ist ein traditioneller und heiliger Ort, der vor rund einhundert Jahren noch um eine private katholische Schule erweitert wurde. Und hier soll ein Fußball-Eliteinternat für Mädchen sein?

Die Nonne im Kloster lächelt. Ja, davon habe sie auch schon gehört. Aber hier sei ich falsch. Das Schulgelände liege hinter dem Kloster, aber ich sei nicht die erste, die sich hier her verirrt hätte. Sie weist mir den Weg. Die modernen Gebäude waren von der Straße aus nicht zu sehen. Eine Realschule und ein Gymnasium sind mittlerweile hier untergebracht. Insgesamt gehen hier über 1.200 Schüler und Schülerinnen zur Schule.

Hohe Anforderungen

Training im Rahmen der Eliteschule für Mädchen in Bad Neuenahr. *** Bild von Sarah Faupel, DW März 2011

Training - jeden Tag

Von denen nehmen gerade mal neun Mädchen am Fußball-Förderprogramm des Deutschen Fußball-Bundes teil. "Die Anforderungen dafür sind sehr hoch", erklärt Schulleiter Ulrich Schülting. "Die Mädchen müssen in einer Auswahlmannschaft spielen oder die Perspektive haben, bald in der Bundesliga zu spielen." Und dann müssten auch noch die Schulnoten stimmen. Vor fünf Jahren wurde Bad Neuenahr als erste von mittlerweile sechs Standorten vom Deutschen Fußball-Bund als Eliteschule für Mädchen ausgezeichnet.

Auch Anja und Andrea Ditscheid aus der Eifel möchten gerne an dem Fußball-Förderprogramm teilnehmen. Die zwölfjährigen Zwillinge und ihre Mutter Carina haben heute ein Gespräch mit dem Schulleiter. Wie zuvor im Interview wird er auch ihnen sagen, dass es für die Mädchen eine große Belastung sein wird, Schule und Fußball unter einem Hut zu bekommen. "Einerseits ist es Leistungssport, den sie betreiben. Andererseits müssen sie sich noch ein gutes schulisches und berufliches Standbein sichern", meint Ulrich Schülting. "Denn im Gegensatz zu den Jungen können Mädchen nicht davon ausgehen, später einmal vom Fußball leben zu können, selbst wenn sie in der Bundesliga spielen sollten."

Fußball über alles

Mutter Ditscheid unterstützt die Pläne ihrer Mädchen - obwohl es bedeuten würde, dass ihre Kinder unter der Woche hier im Internat leben würden. "Heimweh haben die nicht", sagt sie und lacht dabei. Selbst das äußerst spartanisch eingerichtete Internatszimmer, in dem es nur kaltes Wasser gibt, schreckt die Mädchen nicht von ihrem Ziel ab. "Die sind total fußballverrückt", so die Mutter. Anja und Andrea spielen in der U13-Rheinlandauswahl. Die sportlichen Kriterien würden sie also theoretisch erfüllen. Doch praktisch fällt der Trainer die Entscheidung.

Thomas Obliers steht am frühen Nachmittag auf dem Trainingsgelände des Bundesligisten SC07 Bad Neuenahr und gibt den Mädchen Anweisungen. Der Vorteil einer solchen Eliteschule sind für ihn klar: "Der Stundenplan wird auf den Fußball ausgerichtet." Zudem würden die Mädchen bei ihren Hausaufgaben betreut und wenn Unterricht ausfalle, werde er von zusätzlichem Lehrpersonal nachgeholt. "Denn wenn man beispielsweise U17-Nationalspielerin ist, dann ist man viel unterwegs. Bis zu 80 Tage im Jahr. Und da werden die Mädchen optimal von der Schule unterstützt."

Jeden mindestens einmal Training

Training im Rahmen der Eliteschule für Mädchen in Bad Neuenahr: Trainer Thomas Obliers und eines der Mädchen, Jacqueline Boruki *** Bild von Sarah Faupel, DW März 2011

Ein gutes Team: Obliers und Boruki

Für die Mädchen bedeutet das allerdings ein straffer Zeitplan, wie Jacqueline Boruki erzählt. "Wir haben normal Schule und jeden Tag mindestens einmal Training. Entweder von der Schule aus, Stützpunktraining oder beim Bundesligisten Bad Neuenahr.“ Am Freitag fährt Jacqueline kurz nach Hause nach Bergheim, um dann am Wochenende für die C-Mannschaft von Bayer Leverkusen zu spielen. Viel Freizeit habe sie nicht, aber das sei egal. "Ich würde gerne später in der Bundesliga spielen. Und mein großes Ziel ist es, in die Nationalmannschaft zu kommen."

Diesen Traum haben Anja und Andrea Ditscheid auch. Aber erstmal gilt es, an der Eliteschule in Bad Neuenahr angenommen zu werden. Beim Probetraining hat Thomas Obliers durchaus Potential bei ihnen gesehen. "Wir werden zwar im nächsten Jahr mehr Mädchen aufnehmen, als bisher. Aber da der Andrang so groß ist, werden wir auch vielen absagen müssen."

Autorin: Sarah Faupel
Redaktion: Wolfgang van Kann

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