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Kultur

"Tortur de France"

Helden und Hickhack - so kennt man die Tour de France. Und so ist es auch diesmal: Es stehen Rekorde ins Haus, auf den 3429 Kilometern sind Jan Ullrich und Lance Armstrong Favoriten. Aber Doping-Ärger gab's auch schon.

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Nun radeln sie wieder - in Etappen durch Frankreich

Wenn am Samstag (3. Juli 2004) die 189 Fahrer der Tour de France in Lüttich in den Sattel steigen, dann könnten einige von ihnen Rekorde einfahren - ob sie wollen oder nicht. Lance Armstrong will sich am 25. Juli als erster Sechsfach-Sieger überhaupt feiern lassen. Dagegen möchte sein Konkurrent Jan Ullrich wohl lieber nicht mit dem Niederländer Joop Zoetemelk gleichziehen - denn der führt in der Rubrik "ewiger Zweiter" mit sechs Beinahe-Siegen. Jan Ullrich hat fünf. Dritter Kandidat wäre Richard Virenque: Er will als Erster zum siebten Mal das gepunktete Trikot als beste steigungsfeste "Bergziege" überziehen.

Jan Ullrich traut Armstrong den Sieg zu ...

Jan Ullrich nur noch 15 Sekunden hinter Armstrong, 13. Etappe Tour de France

Jan Ullrich will kämpfen, sieht sich aber nicht als Favorit - sondern ein bisschen als 'ewiger Zweiter'

Armstrong und Ullrich klebt die Favoritenrolle an den Reifen. "Jan ist so stark wie 1997", betont sein persönlicher Betreuer Rudy Pevenage. Auch Ullrich selber sieht sich in Hochform, bestens vorbereitet und mit Idealgewicht: "Ich bin nicht ausgemagert, aber in den Bergen werde ich Untergewicht haben." Er schätzt, dass die Entscheidung erst am Ende der Tour fällt: "Die letzten acht Tage werden hammerhart."

Allerdings schiebt Ullrich eher Lance Armstrong den Job des Siegeranwärters zu: "Lance hat fünf Mal die Tour in Folge gewonnen. Er muss die Erfolgsgeschichte weiterschreiben."

... doch der ist gestresst

Tour de France Lance Armstrong

Lance Armstrong hat's schwer, soll aber gut in Form sein - ihn lockt der sechste Tour-Sieg in Folge

Doch Armstrong musste zuletzt einiges aushalten. Das Enthüllungs-Buch "L.A. Confidential - Die Geheimnisse des Lance Armstrong" präsentiert seine frühere Pflegerin Emma O'Reilly als Doping-Kronzeugin. Das macht dem 32-Jährigen zu schaffen - auch wenn er mit Star-Juristen gegen Autoren und Verlag kämpft. Das französische Innenministerium stellt dem geheilten Krebspatienten für die Tour zwei Bodyguards.

Als entscheidende Stellen der Tour 2004 gelten das Mannschafts-Zeitfahren auf der vierten Etappe, die Alpen-Abschnitte mit dem Zeitfahren nach L'Alpe d'Huez am 18. Tag sowie das Zeitfahren am vorletzten Tour-Tag in Besançon.

Das Duo ist nicht mehr einsame Spitze

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Der Spanier Roberto Heras könnte Ullrich und Armstrong gefährlich werden

Womöglich wird aus dem vielbeschworenen Duell der Tour-Patrone aber auch ein Mehrkampf. Die Konkurrenten haben nämlich aufgeholt. Zum Beispiel die Spanier Iban Mayo (Team Euskatel) und Roberto Heras (Liberty Seguros), die US-Amerikaner Oscar Sevilla und Tyler Hamilton (beide von Phonak) sowie der Italiener Ivan Basso (CSC). Vielleicht mausert sich auch der 26-jährige Russe Denis Mentschow (Iles Baléares) vom Geheimtipp zum Pedal-Helden. Immerhin hat er 2004 die Baskenland-Rundfahrt gewonnen.

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Denis Mentschow wird als Geheimtipp gehandelt

Aber auch abseits des Kampfes ums Gelbe Trikot tut sich was. Erik Zabel vom Team T-Mobile hofft bei seiner elften Tour-Teilnahme wieder auf einen Etappensieg. Und unter den 15 deutschen Fahrern sind auch einige Debütanten: etwa Bernd Grabsch aus Hürth (Team Phonak), Sebastian Lang aus Erfurt, Ronny Scholz aus Herrenberg und Fabian Wegmann aus Freiburg (alle Gerolsteiner).

Irgendwer dopt irgendwo immer

Es ist auch ihr erster Ausflug in eine skandalbelastete Welt. Unvergessen bleibt der Drogentod des italienischen Fahrers Marco Pantani im Februar 2004. Doch auch jetzt gab es schon Doping-Querelen. Der Spanier Gorka Gonzales (Team Euskatel) flog wegen verdächtiger Blutwerte aus dem Fahrerfeld. Gegen sieben andere Radler laufen Doping-Ermittlungen, sie konnten deswegen gar nicht erst als Teilnehmer benannt werden.

Die in Doping-Fragen immer bestens informierte französische Zeitung "Le Monde" berichtete außerdem, es kursiere auf dem italienischen Schwarzmarkt ein neues Super-Mittel namens "Cera"; hergestellt von einem Schweizer Pharmakonzern. Es sei im Blut nicht nachweisbar. (reh)

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