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Sport

Torlinientechnik aus Deutschland

Tor oder nicht Tor? - diese Frage wird im Fußball oft heiß diskutiert. Beim Confed-Cup im Juni setzt die FIFA erstmals auf eine technische Lösung für dieses Problem. Das Know-How kommt aus Deutschland.

Die undatierte Computeranimation zeigt das Torliniensystem GoalControl-4D der Firma GoalControl. Das System beruht auf einer dreidimensionalen Kontrolle des Balls durch 14 Kameras, die auf beide Tore gerichtet sind. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter. Die FIFA vergab am 02.04.2013 den Auftrag der Torlinientechnik an die deutsche Firma GoalControl den FIFA Confederations Cup 2013 in Brasilien mit dem Torliniensystem «GoalControl-4D» auszurüsten. (Foto: FIFA/GoalControl)

Computeranimation Torlinientechnik GoalControl

Tatsachenentscheidung mit technischer Nachhilfe - die Schiedsrichter beim Confed-Cup, der im Juni in Brasilien stattfindet, können auf ihrer Armbanduhr nachsehen, ob ein Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Ein System von 14 im Stadion verteilten Hochgeschwindigkeitskameras soll den Ball zu jeder Zeit milimetergenau erfassen können und das entscheidende Signal an die Uhr des Unparteiischen senden. Erdacht wurde dieses System in Würselen bei Aachen.

Die Firma GoalControl hat etwas überraschend den Zuschlag des Weltverbandes FIFA bekommen. Wenn das System den FIFA-Anforderungen entspricht, soll es auch bei der WM im kommenden Jahr eingesetzt werden. Damit stach der vermeintliche Außenseiter die drei Mitbewerber aus England, Erlangen und Ismaning aus. Die Einfachheit des vergleichsweise kostengünstig zu installierenden Systems gab offenbar den Ausschlag für GoalControl. Die FIFA betonte, dass die Kriterien für den Zuschlag auf die "spezifischen Vorgaben" für die Turniere in Brasilien zugeschnitten gewesen seien. Wichtig sei die Fähigkeit der Unternehmen, "sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen und die Kompatibilität jedes Torlinientechnik-Systems mit dem FIFA-Spielbetrieb".

Der deutsche Nationaltorwart Manuel Neuer steht in der Luft und sieht den Ball hinter sich auf den Boden fallen. Der Schuß des englische Spielers Frank Lampard kommt hinter der Linie auf, der Schiedsrichter lässt aber weiterspielen. Die Deutsche Nationalelf gewinnt das Viertelfinale der WM 2010 im südafrikanischen Bloemfontein mit 4:1. (EPA/JON HRUSA)

Revanche für Wembley - Englands nicht gegebener Treffer im WM-Achtelfinale 2010 gegen Deutschland

UEFA will keine Technik

Außerhalb der FIFA-Wettbewerbe wird die Technik vorerst noch nicht Einzug halten. Die UEFA setzt in Champions- und Europa-League weiter auf zwei zusätzliche Torlinien-Assistenten, da ihr Präsident Michel Platini ein großer Technikgegner ist und die Kosten gerade kleinere Verbände überfordern würden. In der Bundesliga könnte ein System frühestens in der Saison 2015/16 eingeführt werden. Die englische Premier League will wohl das Hawk-Eye einführen. "Wir hoffen, dass wir bei einer nächsten Ausschreibung zum Zug kommen", sagte René Dünkler, Sprecher des Projekts GoalRef beim Fraunhofer-Institut in Erlangen. "Wir haben bewiesen, dass unser System gut, zuverlässig und kostengünstig arbeitet." Das sogenannte intelligente Tor basiert auch wie das ebenfalls zunächst gescheiterte System der Firma Cairos aus Ismaning auf der Magnetfeld-Technologie. Das vom Tennis bekannte Hawk-Eye von FIFA-Sponsor Sony aus England beruht wie die Technik des Ausschreibungssiegers GoalControl auf der Kameraüberwachung des Balls.

Entscheidung aus praktischen Gründen?

Durch die Entscheidung für GoalControl werden weder der ConfedCup-Ball Cafusa noch das WM-Modell Brazuca oder die Tore umgerüstet. Die sechs Stadien des Konföderationenpokals müssen bis zum Sommer einzig mit den Kameras ausgestattet werden. Ein Dauer-Engagement ist der Zuschlag nicht. Er gilt zunächst nur bis zum ConfedCup mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis zur WM, währenddessen steht das System auf dem Prüfstand. Versagt die Technik in Brasilien, beginnt die Debatte von vorn.