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Politik

Topterrorist tot – Kampf gegen den Terror geht weiter

Schamil Bassajew, Russlands Staatsfeind Nummer eins, kam bei einer nächtlichen „Spezialoperation“ der russischen Armee ums Leben, so die Behörden. Frieden für den Kaukasus bedeutet das noch nicht.

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„Hast Du gehört, sie haben Bassajew! Ausgerechnet jetzt vor dem G8-Treffen. Den hätten sie doch längst haben können oder?“ „Haben sie ihn denn?“ Skepsis mischt sich bei den russischen Kollegen mit Sarkasmus.

Schamil Bassajew, islamischer Fundamentalist und zuletzt die Schlüsselfigur der tschetschenischen Separatistenbewegung, hat viel Leid über Russland gebracht. Viele haben durch ihn Angehörige und Freunde verloren. Eine friedliche Lösung des Konflikts werde es mit ihm nicht geben, hatte der Topterrorist wiederholt betont. Und die russischen Streitkräfte und Geheimdienste wurden seiner lange nicht habhaft.

Erst jetzt, ein paar Tage vor dem Gipfel der acht führenden Industrienationen der Welt in Sankt Petersburg, soll den Behörden der Coup gelungen sein. Der Kreml präsentiert sich in diesen Tagen gern als moderner Global Player, der auch zu Hause alles im Griff hat.

"Unser Bin Laden ist liquidiert"

In Kampfuniform und gewohnt zackig trat Verteidigungsminister Sergej Iwanow am Tag nach der Operation bei einer Blitzvisite im Kaukasus vor die Fernsehkameras. Er lobte die Liquidierung - wie das offizielle Russland das Ende Bassajews mit unverhohlener Genugtuung nennt - als wichtiges Ereignis im russischen Kampf gegen den Terror, „denn er war unser Bin Laden“.

Schon oft hatten die Behörden den 41-jährigen Rebellenführer für tot erklärt. Er tauchte aber immer wieder auf. Doch nun kommt die „Todesurkunde“ von ganz oben. Präsident Wladimir Putin gratulierte den Koordinatoren der Aktion und versprach Orden für alle Beteiligten: „Das ist eine gerechte Vergeltung für diese Banditen. Für unsere Kinder in Beslan, für Budjonnowsk, für alle Anschläge, die sie in Moskau und anderen Regionen Russlands verübt haben.“

Lange Reihe von Anschlägen

Bassajews unerbittlicher, grausamer Kampf gegen das von ihm und vielen Tschetschenen als imperialistisch erachtete Russland hinterließ eine lange Blutspur und Schmach für Moskau: 1995 ging sein jungenhaftes Gesicht mit der Glatze und dem langen, schwarzen Vollbart erstmals um die Welt: Blutige Geiselnahme in einem Krankenhaus im südrussischen Budjonnowsk.

Es folgten die ebenfalls blutige Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater „Nord-Ost“ 2002, Anschläge auf die Moskauer Metro, die Sprengung zweier Passagierflugzeuge im Sommer 2004. Und immer wieder gab es auch Opfer infolge misslungener russischer Befreiungsversuche. Trauriger Höhepunkt: September 2004, die Geiselnahme in einer Grundschule von Beslan. Mehr als 300 Menschen starben damals. Beslan wurde Russlands „9/11“.

Sinnbild von Russlands gescheiterter Politik

Bei aller Abscheu gegenüber seinen Untaten. Bassajew ist auch ein Sinnbild für Russlands gescheiterte Politik im Kaukasus. Noch Anfang der 1990er Jahre verteidigte er an der Seite Boris Jelzins das Weiße Haus in Moskau gegen die Putschisten. Seine Radikalisierung bis hin zum Staatsfeind Nummer eins steht stellvertretend für eine Verrohung aller Konfliktparteien, für eine Eskalation der Gewalt, die mit seinem Tod nicht zu Ende sein muss.

Es ist bekannt und wird doch zu selten publik, dass auch die russischen Truppen im Kaukasus mit äußerster Brutalität gegen echte und vermeintliche Terroristen vorgingen. Die Armee testete hier neue Waffensysteme und schoss ganze Städte und Dörfer zusammen, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Nicht nur in Tschetschenien. Die Verbitterung gegen Russland ist groß. Der Tod des Terroristenführers ist somit nicht mehr als eine vage Hoffnung auf ein Ende des Konflikts. „Es gibt noch viel zu tun“, kündigte Verteidigungsminister Ivanow entsprechend an.

  • Datum 12.07.2006
  • Autorin/Autor Markus Reher
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8miV
  • Datum 12.07.2006
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