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Kultur

Tomaten statt Halloween

An Halloween sind sie wieder in den Straßen unterwegs: Geister, Hexen und Vampire. Insbesondere in den USA hat das schaurige Fest viele Anhänger. In anderen Ländern sind die Horror-Fans hingegen noch in der Minderheit.

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Halloween ist die Nacht der finsteren Gestalten

Sogar in Irland, wo man das Gruselfest schon zur Zeit der Kelten erfunden haben will, bleibt es am 31. Oktober eher ruhig. Hin und wieder flitzen Kinder von Tür zu Tür und verlangen von den Hausbewohnern Süßigkeiten. Die Erwachsenen schlüpfen nur vereinzelt in Horrorkostüme, um sich dann in Diskotheken zu treffen.

Von einem Großereignis kann also nicht die Rede sein: "Es gibt zwar Iren, die feiern Halloween mit allem, was dazu gehört. Aber man kann nicht gerade sagen, dass der Alltag in Irland von Halloween bestimmt wird", sagt Hasso Heiland vom Studienhaus für Keltische Sprachen und Kulturen in Königswinter. "Der St. Patrick's Day im März ist hingegen ein sehr wichtiges Fest, das die Iren mit großer Begeisterung feiern", fügt er hinzu.

Stiere und Konfetti

Kleines Gespenst an Halloween

Geisterstunde

Bei den Spaniern hat Halloween ebenfalls noch keinen hohen Stellenwert. Dort bevorzugen die Menschen lieber jährliche Veranstaltungen wie die Tomatenschlacht "Tomatina" oder die "Fiesta de los Sanfermines", bei der sich die Teilnehmer von Stieren durch die Straßen von Pamplona scheuchen lassen. In China ist wiederum das Weihnachtsfest beliebter und wird mit Lametta, Nikolausmänteln sowie Konfetti und Luftballons gefeiert. Selbst der Valentinstag findet in China mehr Anhänger als die importierte Horrornacht.

In Deutschland sprechen derzeit zwar viele vom Halloween-Boom. Mit zuverlässigen Daten lässt sich dieser Eindruck aber nicht belegen. Lediglich die Spielwarenindustrie spricht von jährlich steigenden Verkaufszahlen bei Halloween-Artikeln und bietet beispielsweise Produkte wie "Gummifliegen für das Buffet" oder "Plastik-Kakerlaken" an.

Die Kirchen stehen dieser Entwicklung überwiegend kritisch gegenüber. In einzelnen Fällen sind Geistliche der Auffassung, dass durch Halloween das "Böse" verherrlicht wird. Es gibt aber auch differenziertere Meinungen.

Traditionsbruch?

So sieht Michael Nüchtern, Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden, in Halloween nicht nur einen Traditionsbruch, sondern auch den Beginn einer neuen Tradition: "Wo alte Feste und Bräuche als brüchig, langweilig oder nichts sagend erlebt werden, schaut man sich nach neuen Festen und Bräuchen um. Nun würde freilich kein Fest gewählt, wenn es nicht Bedürfnisse für ein Fest und gerade für ein solches Fest gäbe."

Halloween

Die Kürbis-Laterne ist ein typisches Halloweensymbol

Für Halloween-Fans steht die Pflege des Brauchtums nicht im Vordergrund. Ihnen geht es eher um ein unterhaltsames Ereignis: "Halloween bedeutet mir inzwischen mehr als Karneval. Ich freue mich jedes Mal auf nette Stunden mit guten Freunden", sagt Andreas Kirchner, der eine private Internetseite zum Thema Halloween betreibt. Die Kritik der Kirchen kann der Rheinländer nicht verstehen: "Der Hintergrund von Halloween ist doch die Vertreibung des Bösen. Wenn wir feiern, beten wir daher keine Teufel oder Hexen an, sondern machen genau das Gegenteil und verscheuchen sie."

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