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Kultur

Tom Payne präsentiert den Medicus

Fast 3,5 Millionen Kinobesucher sahen "Der Medicus" in den deutschen Kinos. Dennoch meinten einige Kritiker, dass der Film zu episodenhaft sei. Mit dem DVD/Blu-Ray-Start wird dieser Mangel behoben.

Tom Payne hat zwar keine heilenden Hände, so wie der von ihm gespielte Rob Cole in "Der Medicus". Aber wenn man das Publikumsinteresse in Berlin-Mitte sah, konnte man das glatt vergessen. Rund 200 Fans drängten sich am Samstagnachmittag ins Kaufhaus Dussmann, um das Podiumsgespräch mit Radio-Moderator Knut Elstermann zum DVD-Start mitzuerleben und ein Autogramm des Hauptdarstellers zu ergattern. Und Tom Payne strahlt sie alle an.

Immer nur Nebenrollen

Noch vor zwei Jahren war der 31-jährige englische Schauspieler wenig bekannt. Zwar hatte er in der britischen Fernsehfilmen sowie in Fernsehserien wie "Skins - hautnah" und "Luck" mitgespielt. Aber das waren nur Nebenrollen. Lange Zeit drängte ihn sein Vater, vielleicht doch etwas Bodenständigeres zu machen. Er könne doch beispielsweise Koch werden, schlug er ihm vor. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Payne dann 2008 mit der US-Britischen-Komödie "Mrs. Pettigrews großer Tag", wo er an der Seite von Francis McDormand und Amy Adams zu sehen war. Aber "Der Medicus" war dennoch ein Riesensprung: Erstmals spielte er die Hauptrolle, das Ganze in einer internationalen Koproduktion und dann auch noch an der Seite von Stars wie Stellan Skarsgard und Ben Kingsley.

Pressetermin mit Tom Payne (Foto: DW)

Pressetermin mit Tom Payne in Berlin

Beziehungen wie im Film

Dabei geschahen bei den Dreharbeiten wundersame Dinge: Denn mit beiden Stars erlebte Tom Payne hinter der Kamera sehr ähnliche Beziehungen wie sie Robe Cole im Film hat. "Mit Stellan bin ich während der Dreharbeiten vier Wochen lang durch Deutschland gezogen. Das war wunderbar: Quedlinburg, Querfurt, Burg Herrnstein, ein Ort schöner als der andere und für den Film ideal. Auch wenn sie natürlich England darstellen." Sie seien von Ort zu Ort gezogen, und Stellan sei auch nach den Dreharbeiten mit ihm umher gezogen. "Er war zu mir wie Bader im Film, nur dass er mich nicht so oft schlug", fügt er mit süffisantem Lächeln hinzu.

Vor der Begegnung mit Hollywood-Ikone Ben Kingsley wiederum hatte Tom Payne richtig Bammel. "Vor Ben habe ich einen Riesenrespekt. Er ist ein gefeierter Star, und nun kam ich, ein junger und noch relativ unerfahrener Typ daher, und spielte die Hauptrolle. Wie würde er wohl auf mich reagieren?" Nun, Sir Ben reagierte großartig. So wie der große Mediziner Ibn Sina kümmerte er sich um den jungen Kollegen, diskutierte mit ihm einzelne Szenen, ging mit ihm Charakterzüge durch und gemeinsam versuchten sie ihr Zusammenspiel so überzeugend wie möglich umzusetzen.

Tom Payne (Foto: DW)

Tom Payne

Noah Gordon war zufrieden

Der schönste Moment aber kam für Tom Payne bei der Premiere. "Erst da lernte ich Noah Gordon kennen. Ich wusste, dass der Film in einigen Dingen von der Buchvorlage abweicht. Wir mussten ja viele Aspekte weglassen." Dennoch sei es unter der Regie von Philipp Stölzl gelungen, die Seele der Charaktere zu erhalten. "Als ich dann sah, dass Noah Gordon der Film gefiel, habe ich mich sehr gefreut."

Freuen können sich vielleicht auch einige Kritiker. Denn der "Der Medicus" ist auf der DVD/Blu-Ray-Edition acht Minuten länger als die Kinoversion (149 Minuten). So wirkt der Film an einigen Stellen etwas kohärenter. Zudem gibt es viel Bonusmaterial, diverse Interviews sowie ein "Making of" (Bericht über die Dreharbeiten).

Dazu braucht man keine Religion

Für Tom Payne spielt Religion übrigens keine Rolle. "Genau wie Robe Cole im Film seinem eigenen Moral-Code folgt, folge auch ich meinen inneren moralischen Vorstellungen. Es ist doch so, dass wir alle ein Gefühl dafür haben, wenn wir uns falsch verhalten. Dazu braucht man keine Religion." Aber die Botschaft des Films, so Tom Payne, sei wichtig: "Rob Cole will einfach den Menschen helfen."

Filmstill Der Medicus (Foto: Verleih)

Wüstenabenteuer "Der Medicus"

Der Würfel dreht sich noch

Tom Payne beschreibt sich selbst als intuitiver Schauspieler, der versucht, in jede Szene aufs Neue einzutauchen, der seinen Charakteren jenseits der Dialoge etwas Eigenes geben will, etwas was er selbst fühlt. Ähnliches gilt auch für seine Zukunft. "Der Medicus soll eine Art Initialzündung für meine weitere Karriere sein." Das Angebot für eine TV-Show habe er abgelehnt, weil er gehofft habe, dass andere interessante Rollenangebot kommen werden. "Ich fühle mich ein bisschen wie beim Würfeln, wobei sich der Würfel noch dreht", sagt der Schauspieler: "Wer weiß, vielleicht werde ich bald in einer Kneipe arbeiten müssen", sagt er ironisch. Etwas Ernüchterung erlebte Tom Payne aber schon: Erst jetzt, fast ein Jahr nach dem Ende der Dreharbeiten zu "Der Medicus", steigt er wieder in ein neues Filmprojekt ein.

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