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Sprachbar

Tollpatsch und Hallodri im Schlamassel

Ein Tollpatsch ist kein Hallodri, ein Schlamassel kein Tohuwabohu – und umgekehrt. Dennoch ähneln sie sich mehr, als man zunächst glauben würde. Der Grund dafür liegt nicht allein in der Herkunft der Wörter …

Audio anhören 05:32

Tollpatsch und Hallodri im Schlamassel – die Folge als MP3

Im wirklichen Leben werden sie sich kaum begegnen: der Tollpatsch und der Hallodri. Aber auf der Bühne eines Marionettentheaters könnten beide gut zusammen auftreten: Der Tollpatsch schlurft herein, bewegt sich plump und brummelt vor sich hin. Dann kommt leichten Schrittes der Hallodri mit einem hübschen Mädchen und macht sich wortgewandt über ihn lustig. Die Kinder lachen, der Hallodri küsst das Mädchen, und der Tollpatsch schaut dabei so blöd zu, dass er über seine eigenen Füße stolpert.

Eine süddeutsche Wortverwandlung

Ein Hallodri mit zwei Frauen

Was aus dem harmlosen Wort „allotria“ so alles geworden ist ...

Ein Tollpatsch ist kein Hallodri – und umgekehrt. Aber die Wörter haben einiges gemeinsam: Beide sind keine Erbwörter des Deutschen, sondern wurden aus anderen Sprachen entlehnt. Hallodri kommt aus dem Griechischen – genauer – dem Altgriechischen. Das Wort wurde in den Gelehrtenstuben der Humanisten „geboren“. Das waren eigentlich ernsthafte Leute, die normalerweise ernste Dinge betrieben. Aber ab und zu taten sie auch „etwas anderes“, griechisch allotria, nämlich Spottgedichte zu schreiben und Sprachspielereien zu erfinden.

Aus diesem allotria treiben entwickelte sich dann im süddeutschen Sprachraum die Person des Hallodri: ein leichtlebiger und unzuverlässiger Mensch männlichen Geschlechts, der gerne von Frau zu Frau flattert. Der österreichische Schriftsteller Johann Nestroy setzte dem Hallodri Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in seinen Possen ein literarisches Denkmal.

Von wegen toll

Mit der Grußformel Hallo hat der Hallodri wortgeschichtlich nichts zu tun – ebenso wenig wie der Tollpatsch mit dem Adjektiv toll und dem Klatschlaut patsch. Der „Tollpatsch“ kam etwa im 17. Jahrhundert aus Ungarn im Dienste des Kaisers nach Deutschland, und zwar zu Fuß. In dem Wort steckt talp – ungarisch für „die Sohle“. Es bezeichnete damals einen ungarischen Fußsoldaten.

Im Unterschied zum – ebenfalls ungarischen – Husar, der seine Bedeutung als „Reitersoldat“ im Deutschen beibehalten hat, wurde der Tollpatsch sozusagen entmilitarisiert: Schon Ende des achtzehnten Jahrhunderts verstand man darunter einen „plumpen, täppischen Menschen“, einen Tölpel.

Klingt gut, bringt aber nichts

Eine Sängerin steht vor einer Klaviertastatur, auf der rote Punkte Töne markieren

Schön üben: la – re – fa – re

Bei Tollpatsch und Hallodri handelt es sich also in gewisser Weise um Wörter mit „Migrationshintergrund“. Dazu gehören auch zwei weitere, lautmalende Worte: das ursprünglich halb französische – Firlefanz – und das italienische – Larifari.

Der deutsche Firlefanz, dessen erster Bestandteil auf das altfranzösische Tanzlied virelai zurückgeht, war zunächst ein lustiger Tanz und bekam dann in Wendungen wie Firlefanz treiben die Bedeutung „Unsinn“ und „nutzloses Beiwerk“. Hinter dem Begriff Larifari verbirgt sich die Tonfolge a – d – f – d – allerdings auf Italienisch. Denn im Italienischen heißen diese Töne: la – re – fa – re. Wer so Silben aneinanderreiht, redet wohlklingendes, aber bedeutungsloses Zeug, Larifari halt.

So ein Schlamassel!

Auf der Bühne kann das Zusammentreffen des Tollpatsches und des Hallodris böse enden: Denn der Tollpatsch ist zu dumm und der Hallodri zu leichtsinnig, um eine Gefahr zu erkennen. Ja, und dann stecken beide im Schlamassel!

Das ist keine Art von „Schlamm“, in dem sich beide wälzen, sondern eine sprachliche Kombination aus einem abgewandelten deutschen schlimm und dem jiddischen Wort für „Glück“ – massel. Schlamassel bedeutet lediglich, dass beide sich in eine schwierige, verfahrene Situation gebracht haben. Wörtlich bedeutet das oder der Schlamassel – beides ist richtig – „schlimmes Glück“, also „Unglück“.

Im Anfang war das Tohuwabohu

Sollen wir nun den Tollpatsch und den Hallodri im Schlamassel lassen? „Nein!“ rufen die Kinder, und dann blitzt und donnert es, die beiden kommen aus dem Schlamassel heraus. Das Stück endet aber in einem totalen Durcheinander, einem Tohuwabohu. Anders ist das in der Bibel. Dort beginnt die Geschichte mit einem Durcheinander. Die ersten Verse des Alten Testamentes lauten gemäß der Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal – hebräisch tohuwabohu.“






Arbeitsauftrag
Schreibe die einzelnen Buchstaben von Tohuwabohu untereinander und finde möglichst zu jedem Buchstaben einen Begriff, den man mit dem Wort verbinden könnte: Das Gleiche funktioniert natürlich auch mit den Wörtern Hallodri, Tollpatsch, Firlefanz oder Schlamassel.

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