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Wirtschaft

Tokios Börse hat sich beruhigt

Nach dem Vorwurf der Bilanzmanipulation gegen die japanische Internet-Firma Livedoor musste die Tokioter Börse vorzeitig schließen. Daraufhin stürzten die Kurse ein. Geht es mit Japan wieder bergab?

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Livedoor-Skandal führt zu Kurssturz

Nach zwei Tagen mit enormen Verlusten hat sich der Trend am Tokioter Aktienmarkt wieder ins positive Gegenteil verkehrt. Der Nikkei-Index schloss am Donnerstag (19.1.2006) mit einem Plus von 355,10 Punkten oder 2,31 Prozent auf einem Stand von 15.696,28.

Am Tag zuvor musste die Börse Tokio 20 Minuten vor regulären Handelsschluss schließen. Grund dafür waren massive Aktienverkäufe verunsicherter Anleger, die das Computersystem an den Rand eines Kollaps brachten. Für die Panikverkäufe waren Berichte über Bilanzfälschungen bei der japanischen Internet-Firma Livedoor verantwortlich, auf die Anleger reagiert hatten. Das Unternehmen soll für 2004 einen Gewinn von 1,4 Milliarden Yen (zehn Millionen Euro) angegeben haben, obwohl es Verluste in Höhe von einer Milliarden Yen gemacht haben soll.

Anlass abgewartet?

Wie geht es weiter an der Tokioter Börse? Matthias Krieger von der Landesbank Baden-Württemberg glaubt, dass die Anleger nur auf einen Anlass gewartet haben, um einmal wieder zu verkaufen. Die japanische Wirtschaft sei gesund und es komme nur kurzfristig zu Kursrückgängen. Wenn positive Bilanzen von anderen Unternehmen vorliegen, dann würden die Anleger wieder investieren. "Denn man möchte sich ja dann auch an den Gewinnen beteiligen", so der Volkswirt. Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer abzuschätzen sei, könnte es bereits in einigen Wochen wieder Aufwärts gehen.

Kurssturz an Tokios Börse

Kann die Tokioter Börse sich erholen?

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Martin Schulz vom Fujitsu Research Institute in Tokio. Der Ökonom geht davon aus, dass die heftigen Reaktionen an der Börse sich ebenso schnell wieder legen werden, wie sie auftraten. "Der grundlegende wirtschaftliche Trend in Japan bleibt positiv und die Nachfrage des gesamten asiatischen Marktes wird auch in diesem Jahr hindurch weiter steigen", sagte Schulz der dpa.

Börsen-Schande!

Dennoch bleibt der Skandal nicht ganz ohne Nachspiel. Mehrere Investoren und Experten bezeichneten den Ausfall an der Tokioter Börse als eine Schande für den weltweit zweitgrößten Handelsplatz. Die Kapazitäten hätten längst aufgestockt werden sollen. Um das Versäumnis nachträglich zu korrigieren, hat die Börsenleitung vorläufig ab Donnerstag nur einen verkürzten Handel zugelassen. Die Leitung will damit die Zahl der Transaktionen verringern, um einen Systemeinsturz zu verhindern. Damit wäre das Kapazitätenproblem aber immer noch nicht aus der Welt.

Japanisches Enron-Syndrom

Enron Insolvenz Verfahren

Enron nach dem Aus

Bei allen Börsenturbulenzen bleibt ungewiss, welchem Schicksal die japanische Firma Livedoor nun entgegen segelt. Der Fall erinnert an den des US-Energiekonzerns Enron. Das einst siebtgrößte US-Unternehmen brach 2001 innerhalb von nur drei Wochen zusammen, nachdem in dem Konzern Bilanzfälschungen offenkundig wurden. Durch den Skandal mussten Investoren Milliardenverluste einstecken und eine Großzahl der früheren Enron-Mitarbeiter verloren ihre in Enron-Papieren angelegten Betriebspensionsansprüche.

Selbstmord wegen des Unternehmensskandals?

Laut japanischen Medienberichten ist unterdessen der Vizepräsident des mit Livedoor verbundenen Sicherheitsunternehmens H.S. Securities Co. am Mittwochabend tot in einem Hotel in der südlichen Stadt Naha aufgefunden worden. Nach Polizeiangaben hat Hideaki Noguchi offenbar Selbstmord begangen.

Die japanische Staatsanwaltschaft prüft derweil, ob der 33-jährige Livedoor-Firmenchef, Takafumi Horie, wirklich eine weiße Weste trägt. Horie wies nämlich bislang alle Vorwürfe bezüglich einer Bilanzfälschung zurück. Im Zweifelsfall müsste er sich jedoch vor Gericht verantworten, so wie derzeit der ehemalige CEO von Enron, Kenneth Lay.

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