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Aktuell Welt

Todesstrafe für mutmaßlichen Boston-Bomber?

Nach schwieriger Auswahl der Mitglieder der Geschworenen-Jury hat in den USA der Prozess gegen den mutmaßlichen islamistischen Attentäter von Boston begonnen. Bei dem Anschlag waren drei Menschen getötet worden.

Die Staatsanwaltschaft der US-Ostküstenmetropole wirft dem 21-jährigen Dschochar Zarnajew vor, am 15. April 2013 gemeinsam mit seinem Bruder Tamerlan im Bereich des Zieleinlaufs des berühmten Marathons von Boston zwei Bomben gezündet zu haben. Bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 waren drei Zuschauer getötet und 260 verletzt worden.

Von Kamera erfasst

Überwachungskameras hatten gefilmt, wie die Brüder Rücksäcke zum Tatort brachten, in denen offensichtlich die Bomben waren. Zarnajew muss sich zudem wegen Mordes an einem Polizisten während der Flucht verantworten. Bei dieser war sein 26 Jahre alter Bruder von der Polizei erschossen worden.

Der Anschlag beim Boston-Marathon (Foto: AP)

Der Anschlag beim Boston-Marathon

Staatsanwalt William Weinreb zeichnete in seinem Eröffnungsplädoyer das Bild eines radikalisierten jungen Mannes mit extremistischen muslimischen Idealen. Zarnajew habe gedacht, mit dem Anschlag "seinen Platz im Paradies zu verdienen", indem er Amerikaner töte und die US-Regierung so davon abhalte, Terroristen im Ausland ins Visier zu nehmen. Seine Verteidiger versuchten, die Rolle von Zarnajews älterem Bruder in den Vordergrund zu rücken und Dschochar als Mitläufer darzustellen. "Es war Tamerlan der sich selbst radikalisierte, es war Dschochar, der ihm folgte", sagte Rechtsanwältin Judy Clarke.

US-Bundesrecht erlaubt Todesstrafe

Zwar hat der US-Bundesstaat Massachusetts mit Boston als Hauptstadt die Todesstrafe in den 1980er Jahren abgeschafft. Doch da Zarnajew sich in einem Bundesverfahren verantworten muss, und das Bundesrecht die Todesstrafe erlaubt, droht dem Angeklagten bei einer Verurteilung die Hinrichtung.

Ein Bostoner demonstriert vor dem Gericht gegen die Todesstrafe (Foto: Reuters)

Ein Bostoner demonstriert vor dem Gericht gegen die Todesstrafe

Aus dem Kaukasus in die USA

Dschochar Zarnajew wurde 1993 in der früheren Sowjetrepublik Kirgistan geboren, seine Familie stammt ursprünglich aus Tschetschenien. Später lebten die Zarnajews in der russischen Kaukasus-Republik Dagestan, ehe sie 2002 in die USA auswanderten.

Video ansehen 01:45

Boston: Aufklärung des Terror-Puzzles(21.04.2013)

Seine Jugend verbrachte Dschochar im Bostoner Vorort Cambridge, war Kapitän des Ringer-Teams seiner High School und bekam dank guter Noten ein Universitätsstipendium. Er schrieb sich an der University of Massachusetts in Dartmouth für Meeresbiologie ein, 2012 erhielt er die US-Staatsbürgerschaft. Der jetzt 21-Jährige war US-Medien zufolge dem Partyleben an der Uni nicht abgeneigt, rauchte manchmal Marihuana und brüstete sich auf Twitter mit seinen Erfolgen beim weiblichen Geschlecht.

Wie und warum sich der junge Mann radikalisierte, darauf könnte nun der Prozess eine Antwort geben. Eine Rolle spielte womöglich das Auseinanderbrechen seiner Familie: Zarnajews Eltern trennten sich laut "New York Times" im Herbst 2011. Zunächst ging der Vater, dann auch die Mutter zurück nach Russland.

Russischer Geheimdienst warnte

Zarnajew geriet der Zeitung zufolge zunehmend unter den Einfluss seines älteren Bruders, der sich immer stärker dem Islam zuwandte. Anfang 2012 reiste Tamerlan für sechs Monate in den Kaukasus, möglicherweise hatte er während des Aufenthalts Kontakt zu extremistischen Gruppen. Der russische Geheimdienst schickte bereits im März 2011 eine Warnung an die US-Bundespolizei FBI, in der Tamerlan Zarnajew als "Anhänger des radikalen Islam" beschrieben wurde.

wl/cr (dpa, afp, rtr)

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