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Aktuell Asien

Todesstrafe für Kapitän der gesunkenen Fähre "Sewol" gefordert

Mehr als 300 Menschen waren beim Untergang der "Sewol" im April ums Leben gekommen. Jetzt verlangt die Anklage im Prozess gegen Crew-Mitglieder die Todesstrafe für den Kapitän.

Vor dem Bezirksgericht im südkoreanischen Kwangju hat die Anklage nochmals auf die besondere Schwere der Taten in dem Verfahren hingewiesen. Der Kapitän und drei weitere Besatzungsmitglieder hätten die Fähre verlassen, ohne auch nur irgendeinen Versuch unternommen zu haben, Passagiere zu retten, begründeten die Strafverfolger ihre Entscheidung.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den 69-jährigen Kapitän der "Sewol", Lee Joon Seok, (Artikelbild) die Todesstrafe, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet. Die drei anderen angeklagten ranghohen Crew-Mitglieder sollen nach dem Willen der Strafverfolger eine lebenslange Haftstrafe bekommen. Aller vier sind wegen fahrlässiger Tötung in besonders schwerem Fall angeklagt. Elf weitere Besatzungsmitglieder müssen sich wegen minder schwerer Verletzungen des Seerechts verantworten.

Die gesunkene Sewol hatte insgesamt 476 Menschen an Bord (Foto: rtr)

Die gesunkene "Sewol" hatte insgesamt 476 Menschen an Bord

Kapitän gesteht Fehler ein

In seiner ersten Aussage vor Gericht vor zwei Wochen hatte der Kapitän schwere Fehler eingeräumt. Der diensthabende Steuermann sei für die Aufgabe zu unerfahren gewesen, das Schiff durch einen für starke Unterströmungen bekannten Kanal zu steuern, gestand Lee ein. Er habe gewusst, dass das Besatzungsmitglied Cho Jun Ki, das erst ein halbes Jahr auf der "Sewol" fuhr, dafür nicht ausreichend qualifiziert gewesen sei. Trotzdem habe er ihm das Steuer überlassen. Auf die Frage, ob besser er selbst das Steuer hätte übernehmen sollen, antwortete Lee: "Ja, ich denke schon." Als sich das Unglück ereignete, sei er in der Kabine gewesen, habe "geraucht und sich umgezogen".

Passagiere mussten in Kabinen bleiben

Laut Zeugenaussagen Überlebender hatten der Kapitän und seine Crew die Passagiere auf dem sinkenden Schiff angewiesen, in den Kabinen oder auf ihren Sitzen zu bleiben. Viele harrten daraufhin fast eine Stunde lang dort aus. Die Schiffsführung dagegen verließ die sinkende Fähre unmittelbar nach dem gegebenen Alarm.

Bei dem Unglück am 16. April vor der südkoreanischen Küste kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, unter ihnen etwa 250 Jugendliche einer Schule in Ansan. Laut einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht führten Inkompetenz, Behördenversagen, Korruption und Geldgier zu der Katastrophe. Manager der Reederei der "Sewol" müssen sich in einem getrennten Verfahren verantworten, weil sie das Schiff aus Profitgier regelmäßig überladen haben sollen.

se/sti (ape, rtre, afpe, dpa)

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