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Europa

Todesschuss auf Schüler in Athen war Mord

Zwei Jahre nach den tödlichen Schüssen auf einen 15-jährigen Schüler in Athen hat ein Gericht den Schützen, einen Polizisten, wegen Mordes verurteilt. Die Tat hatte zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt geführt.

Grafitti von Alexandros Grigoropoulos (Foto: AP)

Ein Grafitti in Athen erinnert an Alexandros Grigoropoulos

Der Tod von Alexandros Grigoropoulos hatte Griechenland schwer erschüttert. Tausende Menschen säumten die Straßen, als der 15-Jährige, der im Dezember 2008 bei einem Polizeieinsatz getötet worden war, in Athen zu Grabe getragen wurde. Beinahe zwei Jahre später, am Montag (11.10.2010), hat ein Gericht nun einen Polizisten wegen Mordes an Grigoropoulos verurteilt.

Keine Warnschüsse

Ein Trauerzug geht über eine Straße (Foto: AP)

Zur Beerdigung des 15-Jährigen kamen Tausende

Das Gericht in Amfissa sah es als erwiesen an, dass der 38-Jährige am 6. Dezember 2008 auf eine Gruppe Jugendlicher geschossen und den Schüler dabei tödlich getroffen hatte. Das Gericht folgte damit der Auffassung der Staatsanwaltschaft. Danach habe der Beamte "in ruhiger Verfassung" seine Pistole gezogen und zwei Schüsse in Richtung des Opfers abgefeuert - trotz Rückzugsbefehlen aus der Leitzentrale.

Die Verteidigung hatte argumentiert, es habe sich um einen "tragischen Unfall" gehandelt. Ihrer Darstellung nach habe der Polizist Warnschüsse in die Luft abgegeben, nachdem er mit Flaschen beworfen worden sei. Ein Querschläger habe dann das Opfer getroffen.

Wochenlange Proteste

Polizisten und Jugendliche kämpfen, im Hintergrund Feuer (Foto: AP)

Am ersten Jahrestag der tödliche Schüsse kam es in Athen wieder zu Protesten

Der Prozess fand aus Sicherheitsgründen nicht in Athen, sondern im zentralgriechischen Amfissa statt. Neben dem Todesschützen wurde ein zweiter Beamter der Mittäterschaft für schuldig befunden. Für den Schuldspruch wegen Mordes hatten einer der drei Richter und drei der vier Geschworenen gestimmt. Die anderen Richter und Geschworenen hatten nur auf Totschlag plädiert. Als Strafmaß verhängte das Gericht die lebenslange Freiheitsstrafe.

Grigoropoulos war im Athener Innenstadtviertel Exarchia erschossen worden. Es gilt als Treffpunkt von Anarchisten. Nach seinem Tod kam es landesweit zu Demonstrationen gegen Polizeigewalt. Jugendliche steckten über zwei Wochen hinweg Autos in Brand und plünderten Geschäfte. Die Polizei hatte Schwierigkeiten, wieder Herr der Lage zu werden. Später führte der Vorfall zu einem Aufflammen der anarchistischen Gewalt.

Vor den tödlichen Schüssen auf Grigoropoulos, im Dezember 2008, war es in ganz Griechenland zu Protesten vor allem von Jugendlichen gekommen. Als Ursache galt unter anderem die hohe Jugendarbeitslosigkeit von damals rund 20 Prozent.

Autor: Dirk Eckert (afp, dapd, dpa)

Redaktion: Marion Linnenbrink

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