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Aktuell Amerika

Todesschütze Wilson meldet sich zu Wort

Landesweite Proteste und Krawall in Ferguson lassen beim Todesschützen Darren Wilson keine Zweifel aufkommen. Er bedauert zwar den Tod von Michael Brown, will aber alles richtig gemacht haben.

Es war das erste Mal, dass sich Darren Wilson öffentlich zu dem tödlichen Vorfall vom 9. August äußerte. Der weiße Polizist hatte den schwarzen Teenager Michael Brown damals in der Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri auf offener Straße erschossen. Der Polizist will in Notwehr gehandelt haben, allerdings war der 18-jährige Brown unbewaffnet. Dem US-Sender ABC sagte Wilson (Artikelbild rechts) nun, dass er wieder so handeln würde. Er habe ein "reines Gewissen".

Browns Eltern sind entsetzt

Derzeit hält sich Wilson an einem geheimen Ort auf, vom Dienst ist der 28-Jährige freigestellt. Er beschrieb Brown als "kräftigen" Typen. Er habe befürchtet, dass der Teenager ihm seine Dienstwaffe entreißen und sie auf ihn richten könnte. Danach befragt, ob er auch so gehandelt hätte, wenn Brown weiß gewesen wäre, sagte der Polizist: "Ja, (...) keine Frage."

Lesley McSpadden (Foto: AP Photo/Susan Walsh)

"Wilsons Aussagen machen alles nur noch schlimmer"

Die Eltern von Michael Brown reagierten entrüstet. Wilsons Äußerungen würden die Situation nur noch verschlimmern und seien "respektlos", sagte Browns Mutter Lesley McSpadden im Sender NBC. Der Vater Michael Brown Senior erklärte die Version des Polizisten für "verrückt". Sein Sohn sei stets respektvoll mit der Polizei umgegangen.

Krawall und Plünderungen

Am Montag hatte eine Grand Jury aus zwölf mehrheitlich weißen Geschworenen entschieden, dass die Beweise für eine Anklage gegen den Polizisten nicht ausreichen. Seitdem kommt es in Ferguson, einer Vorstadt von St. Louis, immer wieder zu Krawallen und Plünderungen. In der Nacht zum Mittwoch gingen am Rathaus Fensterscheiben zu Bruch. Ein Polizeiauto wurde angezündet und Polizisten mit Steinen, Flaschen und einem Brandsatz beworfen. Die Beamten setzten Tränengas ein, 44 Menschen wurden festgenommen.

Proteste in 170 Städten

Der Protest gegen den Entscheid der Jury hat mittlerweile das ganze Land erfasst. In New York legten tausende Menschen den Verkehr auf mehreren Brücken und in Tunneln lahm. Mehrere Menschen wurden festgenommen. In Washington gab es erneut eine Protestkundgebung vor dem Weißen Haus. US-Medien berichten von überwiegend friedlichen Protesten in insgesamt 170 Städten.

Obama: ein amerikanisches Problem

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Krawalle und Plünderungen. Er habe kein Verständnis für Menschen, die ihre eigenen Gemeinden zerstörten, sagte er. Ein solches Verhalten sei mit nichts zu entschuldigen. Gleichzeitig äußerte der Präsident aber Verständnis dafür, dass sich Angehörige von Minderheiten von der Polizei ungerecht behandelt fühlen. Das sei ein "amerikanisches Problem".

US-Justizminister Eric Holder hatte zuvor erklärt, dass die juristische Aufarbeitung des Falls trotz der umstrittenen Jury-Entscheidung noch nicht beendet sei. Zwei laufende Ermittlungen auf Bundesebene würden "unabhängig" fortgesetzt, versicherte er.

uh/qu (afp,dpa,ap)

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