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Kultur

Todesbilder der Gegenwart

Der Tod ist ein uraltes Thema in der Kunst. In der Wuppertaler Kunsthalle zeigt die Ausstellung "Dead Lines" in einem Mix aus Kunst, Alltagsmedien und Popkultur neue mediale Umgangsformen mit dem Tod.

Dirk Skreber, Ohne Titel, 2008, 2008, Öl auf Leinwand, 120 x 180 cm, Courtesy Galerie Luis Campaña, Berlin - 'DEAD_Lines. Todesbilder in Kunst - Medien – Alltag' in der Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal-Barmen, 16.10.2011 bis 14.02.2012 Foto: Von der Heydt-Kunsthalle

Seit jeher ist die Auseinandersetzung mit dem Tod und der eigenen Endlichkeit eines der großen Themen in der Kunst, und oft wird die Verdrängung der Angst vor dem Tod beklagt. In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Umgangsformen mit Tod und Gewalt allerdings stark verändert. "Dead Lines" bietet keine chronologische Darstellung von historischen Motiven und nähert sich dem Thema auch nicht ethnologisch – die Ausstellung ist neuen Kommunikationsformen gewidmet, die sich längst unbemerkt entwickelt haben. Die Werke von 40 internationalen Gegenwartskünstlern zeigen deren Blickwinkel auf das schwierige Thema.

Multimedial: Todesbilder heute

Täglich berichten die Massenmedien von Revolutionen, Krieg, Protesten und blutigen Auseinandersetzungen rund um den Globus. Längst hat man sich an die Bilder von zerfetzten Körpern, Toten und Sterbenden gewöhnt. Aber der Gedanke an den eigenen Tod und die Frage nach dem "danach" löst Angst aus – ein Thema, dem sich junge Künstler in neuen Medien verstärkt widmen.

Erwin Olaf, Di † 1997, aus der Serie Royal Blood, 2000, Lambda Print, hinter Plexiglas auf Dibond aufgezogen, 125 x 125 cm, Courtesy Flatland Gallery, Utrecht - 'DEAD_Lines. Todesbilder in Kunst - Medien – Alltag' in der Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal-Barmen, 16.10.2011 bis 14.02.2012 Foto: Von der Heydt-Kunsthalle

Die nüchtern-weiß getünchten Räume der Wuppertaler Von der Heydt-Kunsthalle sind in ein klares Licht getaucht. Und obwohl keine einzige Darstellung Tote oder durch Gewalt geschundene Körper zeigt, läuft dem Besucher ein Schauer über den Rücken. Schon am Eingang lächelt anscheinend die tote Lady Di mit merkwürdig leeren Augen auf den Betrachter herab. In ihren Arm bohrt sich ein Mercedes-Stern und hinterlässt eine blutende Wunde – ein Druck des Niederländers Erwin Olaf aus dem Jahr 2000. Dann gegenüber ein Kontrast, der seine Wirkung nicht verfehlt: ein kleinformatiges Bild zeigt zwei Hunde, die Särge tragen – Comicfiguren des Japaners Yoshitomo Nara, ironisierende Beispiele für den Umgang mit dem Thema Tod in den Massenmedien.

Yoshitomo Nara, Zwei Hunde mit den Särgen, 1993, Acryl auf Leinwand, 60 x 60 cm, Courtesy Galerie Zink, Berlin - 'DEAD_Lines. Todesbilder in Kunst - Medien – Alltag' in der Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal-Barmen, 16.10.2011 bis 14.02.2012 Foto: Von der Heydt-Kunsthalle

In den Bereichen Film, Fotografie, Video und Internet hat eine breite Auseinandersetzung mit dem Thema Tod stattgefunden, die keine medialen Grenzen kennt. Die Wuppertaler Ausstellung wurde von Oliver Zybok und Birgit Richard gestaltet. Sie haben Beispiele aus der Malerei und der Skulptur, Videos, Fotos und Installationen in die Kunsthalle geholt. Birgit Richard erklärt, sie wollten nicht dem Voyeurismus frönen, keine gemarterten Körper zeigen, sondern bisher noch wenig bekannte mediale Bewältigungsstrategien präsentieren, an denen Künstler der verschiedenen Genres heute arbeiten.

Totenköpfe als Modesujet

Ist der erste Raum der Ausstellung der Profanisierung des Todes gewidmet, steht man im nächsten Raum ziemlich unvermittelt einer überlebensgroßen schwarzen Figur mit einem Gewehr gegenüber: offensichtlich ein Soldat, dessen Kopf allerdings zur Hälfte fehlt.

Frischer roter Apfel mit einem Totenkopf. © srvon - Fotolia.com

Roter Apfel mit Totenkopf

Ihm gegenüber kleine Vitrinen mit Modeschmuck und Textilien, die mit Totenköpfen verziert sind – Alltagsgegenstände, die sich bei einigen Jugendlichen großer Beliebtheit erfreuen. "Sie möchten gern den Finger in die Wunde legen," erklärt Oliver Zybok. Die Jugendkulturen und die bildende Kunst seien die einzigen gesellschaftlichen Bereiche, die wirklich konsequent Sichtweisen hinterfragten. "Und es zeigt einfach, dass auch der Totenkopf als Motiv in der Mode längst seinen Schrecken verloren hat und ein beliebtes Element ist, mit dem man sich schmückt," so der Kurator.

Dann eine Installation, die einen nicht nur physisch am Weitergehen hindert: von der Decke hängen in hellem Licht an silbern schimmernden Ketten Hunderte von Erkennungsmarken gefallener Soldaten – erst bei näherem Hinsehen sind sie als solche zu identifizieren. Hier werden dann doch Horror und Gewalt angesprochen – und die Rolle, die die neuen Medien und das Internet beim Umgang damit spielen.

Todesspiele im Internet

Das Internet biete viele Möglichkeiten, sich selber zu kreieren, erklärt Zybok. Man kann z.B. den eigenen Tod inszenieren und sich vorstellen, wie es wäre, wenn man diesen oder jenen Tod erleiden würden, und das auch präsentieren. Oder es gibt die Möglichkeit, eine eigene Trauer-Webseite einzurichten, auf die die Nachkommen keinen Einfluss mehr haben. Schon zu Lebzeiten richtet man eine eigene Seite ein und versendet die dann praktisch auch noch nach dem Tod. "Da gibt es viele Möglichkeiten durch das Internet, und ich glaube, viele davon sind uns noch gar nicht bewusst", meint Oliver Zybok.

Anne-Julie Raccoursier, sans titre, 2011, Neonröhre, Acryl und Klebefolie auf Wand, Maße variabel, Courtesy by the artist - 'DEAD_Lines. Todesbilder in Kunst - Medien – Alltag' in der Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal-Barmen, 16.10.2011 bis 14.02.2012

Neue Kommunikationsstrategien via Internet, Video, Foto oder auch in der Popkultur: die Ausstellung in Wuppertal zeigt einen Mix der verschiedensten Facetten, aus denen sich das gesellschaftliche Todesbild der Gegenwart zusammensetzt.

Autorin: Gudrun Stegen

Redaktion: Klaus Gehrke

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