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Welt

Tod und Terror in Syriens Protesthochburgen

In Homs sollen Assad-treue Kämpfer ein Massaker an einer ganzen Familie verübt haben. In Hama zählten Oppositionelle in zwei Tagen mehr als 40 Tote nach Attacken von Regierungstruppen.

Bewohner von Homs tragen eine verletzte Frau weg (Foto: dpa)

Angst und Schrecken beherrschen den Alltag der Menschen in Homs

Aktivisten haben am Freitag (27.01.2012) von einem Massaker in der syrischen Protesthochburg Homs mit mehr als 30 Toten berichtet. Unter den Opfern seien auch Kleinkinder, hieß es. Truppen von Präsident Baschar al-Assad hätten die Stadt am Donnerstag mit Mörsern beschossen, erklärten Bewohner und Aktivisten. Die Stadt werde auch immer noch von Schüssen und Explosionen erschüttert.

In Internet waren Aufnahmen von Aktivisten zu sehen, die in Plastiksäcke gehüllte Körper von Kindern zeigten. Ein anderes Video zeigte Frauen und Kinder mit blutigen Gesichtern und blutiger Kleidung in einem Haus. Dazu berichtete eine Stimme, dass eine ganze Familie samt Kindern "abgeschlachtet" worden sei. Die Aufnahmen konnten nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Der Direktor des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman, forderte eine unabhängige Untersuchung der Tötungen.

Deserteure nehmen Assad-treue Iraner fest

Kämpfer der von Deserteuren gebildeten Freien Syrischen Armee (Foto: AP)

Kämpfer der Freien Syrischen Armee

Einige Augenzeugen berichteten, die getöteten Familienmitglieder seien Sunniten gewesen. Zuvor habe es Kämpfe zwischen Assad-treuen alawitischen Milizen und sunnitischen Freischärlern gegeben. Die Religionsgemeinschaft der Alawiten, zu denen auch Assad zählt, beherrscht sei fünf Jahrzehnten das Land. Sie stellen eine Minderheit in dem mehrheitlich von Sunniten bewohnten Land dar. Beobachter fürchten, dass der Aufstand für mehr Demokratie in einen Bürgerkrieg zwischen den religiösen Gruppen umschlagen könnte.

Ebenfalls in Homs nahm die aus Deserteuren gebildete Freie Syrische Armee angeblich fünf iranische Militärs fest. Die Iraner stünden unter dem Kommando der Geheimdienste der Luftwaffe, erklärten die Kämpfer, ohne Angaben zum Zeitpunkt der Festnahme zu machen. Sie riefen Teheran dazu auf, seine Militärs aus Syrien abzuziehen. Die Freie Syrische Armee wirft dem Iran, einem Verbündeten Syriens, vor, mit Mitgliedern der Iranischen Revolutionsgarden Assad zur Hilfe zu kommen.

Wieder Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates

Teilnehmer einer Kundgebung in Homs im Mai 2011 fordern ein Eingreifen der Vereinten Nationen (Foto: AP)

Demonstranten in Homs fordern ein Eingreifen der UN

Oppositionelle berichteten ferner von Attacken der Assad-Truppen in der Unruheprovinz Hama. Dabei seien seit Donnerstag mindestens 44 Menschen getötet worden. Eine unabhängige Überprüfung all dieser Angaben ist nicht möglich, da westliche Journalisten sich in Syrien nicht frei bewegen dürfen. Seit Beginn der Massenproteste gegen Assad im März vergangenen Jahres sind in dem Land nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 5400 Menschen getötet worden.

Noch an diesem Freitag will sich der UN-Sicherheitsrat in New York in einer Sondersitzung mit dem Konflikt in Syrien befassen. Mit einer Abstimmung wird aber nicht gerechnet. Vor allem Russland und China blockieren bislang eine Resolution gegen das Assad-Regime. Moskau kritisiert an einem neuen - von westlichen und einigen arabischen Staaten ausgearbeiteten - Entwurf vor allem, dass er die Möglichkeit einer Militärintervention in Syrien nicht ausschließt. Der stellvertretende russische Außenminister Gennady Gatilow betonte zudem erneut, dass sein Land die Forderung nach einem Rücktritt Assads ablehne. Außerdem werde Russland nicht nachträglich Sanktionen der Arabischen Liga gegen Syrien gutheißen, weil sie nun in den Resolutionsentwurf aufgenommen worden seien. Damit dürfte auch dieser jüngste Versuch, zu einer UN-Syrien-Resolution zu kommen, zum Scheitern verurteilt sein.

Autor: Stephan Stickelmann (afp, dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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