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Aktuell Deutschland

Tod und Chaos nach Unwettern in Süddeutschland

Geröll und Schlamm bedecken viele Straßen, Keller müssen leer gepumpt, Fassaden gesichert werden: Am Tag nach den verheerenden Unwettern im Südwesten wird Bilanz gezogen.

Der Krisenstab im baden-württembergischen Innenministerium hat den Tod von vier Menschen bestätigt. Unter den Opfern ist ein Feuerwehrmann. Er war in Schwäbisch Gmünd bei dem Versuch ums Leben gekommen, einen anderen Menschen zu retten. Auch diese Person starb jedoch. In Weißbach im Hohenlohekreis kam zudem ein 60 Jahre alter Mann in einer überschwemmten Tiefgarage ums Leben. Nach Angaben des Krisenstabes wurden mehrere Menschen verletzt.

In der Region Schwäbisch Gmünd kam zudem ein 13 Jahre altes Mädchen an der Bahnstrecke zwischen Schorndorf und Urbach ums Leben. Die Schülerin habe zusammen mit einem zwölf Jahre alten Jungen auf dem Heimweg unter einer neu gebauten Eisenbahnbrücke Schutz vor dem Regen gesucht. Während dieses Aufenthalts habe sich das Mädchen wohl zu nahe an die Gleise begeben und sei von einem vorbeifahren Intercity erfasst und getötet worden. Der Junge sei unverletzt geblieben und werde psychologisch betreut.

Insgesamt 42 Menschen haben Helfer im Südwesten aus lebensgefährlichen Situationen gerettet. In den betroffenen Gebieten hätten Feuerwehr und Polizei rund 520 Menschen vor den plötzlichen Wassermassen in Sicherheit gebracht, sagte der Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl. Die Höhe des Sachschadens sei noch nicht abschätzbar.

Schwerste Regenfälle hatten die Pegel der Flüsse Rems und Josefsbach am Sonntag in kürzester Zeit anschwellen lassen. Die meisten Unterführungen in Schwäbisch Gmünd liefen voll. Zahlreiche Fahrzeuge standen komplett im Wasser und die Einsatzkräfte mussten mehrere Menschen aus ihren Autos retten. Im Hölltal waren mehrere Gäste für längere Zeit durch die Wassermassen in einer Gaststätte eingeschlossen.

Besonders betroffen von den Wassermassen ist der kleine Ort Braunsbach im Norden Baden-Württembergs. Kleine Bäche verwandelten sich in einen reißenden Strom und rissen in der 900-Einwohner-Gemeinde alles mit. Feuerwehr sowie Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und vom Roten Kreuz suchten einsturzgefährdete Häuser ab, um sie zu evakuieren. Der Ort wurde weiträumig abgesperrt.

Die Sachschäden sind enorm: Verkeilte Autos türmten sich in Braunsbach übereinander, andere wurden vom Wasserstrom in Schaufenster der Geschäfte geschleudert.

"Auch andere Orte und umliegende Landkreise sind von dem Unwetter betroffen", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Stuttgart. Die Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot zugange. "Hier ist alles im Einsatz, was laufen kann", sagte ein Polizeisprecher in Heilbronn. "Es sieht düster aus, wirklich schlimm."

Die Schifffahrt auf dem Neckar ist wegen des "katastrophalen Hochwassers" in den Nebenflüssen eingestellt worden. Die drei größten Zuflüsse Kocher, Enz und Jagst führten teilweise die drei- bis sechsfache Wassermenge, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts in Stuttgart.

Deutschland Unwetter Schwäbisch Gmünd

Hochwasser in Schwäbisch-Gmünd

Schäden auch in Bayern

Starke Regenfälle sorgten auch in der bayerischen Region Ansbach und Teilen des Landkreises Neustadt/Aisch für schwere Schäden. In der Region wurden nach einem Gewittersturm Straßen überflutet und Autos mitgerissen. Viele Keller liefen voll, wie ein Sprecher der Rettungsleitstelle Ansbach mitteilte. Besonders schwer betroffen sind Ortsteile von Flachslanden nördlich von Ansbach. Dort sind nach Überschwemmungen mehrere Häuser einsturzgefährdet.

Einsatzkräfte und Feuerwehr versuchten, die Gebäude zu sichern, wie die Leitstelle mitteilte. Auch mehrere Autos seien von den Fluten der über die Ufer getretenen Fränkischen Rezat mitgerissen worden. Ähnlich schlimm ist die Lage im benachbarten Obernzenn (Landkreis Neustadt a. d. Aisch/Bad Windsheim); dort hatte der starke Regen den Fluss Zenn über die Ufer treten lassen und für Verwüstungen gesorgt. "Beide Gemeinden hat es schwer getroffen", sagte ein Leitstellenmitarbeiter.

Während der nächtlichen Unwetter in Süddeutschland fielen gewaltige Regenmengen. Im bayerischen Hohenthann bei Landshut etwa gingen innerhalb einer Stunde 67 Liter pro Quadratmeter nieder, in Landshut 57 Liter und in der Region um Weilheim 53 Liter, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte.

Auch in Rheinland-Pfalz hat starker Regen zu Straßensperren, Erdrutschen und zahlreichen Einsätzen der Rettungskräfte geführt. Betroffen war vor allem das Mittelrheintal, besonders das Gebiet um Kestert südlich von Koblenz. Dort wurden auf der Bundesstraße 4 vier Autofahrer von Wasser und Geröll überrascht und nach Angaben der Polizei in Koblenz kurzzeitig eingeschlossen.

In den vom Hochwasser betroffenen Regionen blieben viele Schulen und Kindergärten an diesem Montag geschlossen.

Eine braune Flut schiebt sich in Langenwiesen bei Ilmenau (Thüringen) vorbei (Foto: dpa)

Eine braune Flut schiebt sich in Langenwiesen bei Ilmenau (Thüringen) vorbei

Heftige Regengüsse sorgten auch im Osten Deutschlands für Überschwemmungen. In Thüringen musste die Feuerwehr zahlreiche Keller leer pumpen. Teile der Innenstadt von Ilmenau stehen unter Wasser. In Sachsen gab es ebenfalls etliche überflutete Straßen.

se/stu/rb (rtr, tv, afp, dpa)

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