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Kultur

Tod im Schatten des Throns

Die niederländischen Flaggen wehen auf Halbmast. Die Niederländer trauern um den "berühmtesten Deutschen": Prinz Claus starb im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit.

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Verheiratet mit der Königin: Die Niederlande trauern um Prinz Claus

Freundlich, unauffällig und stets zwei Schritte hinter seiner königlichen Frau Gemahlin hatte sich Prinz Claus der Niederlande nie in den Vordergrund gedrängt. Nicht zuletzt wegen seiner Bescheidenheit und seinem ausgeprägten Taktgefühl eroberte der aus Deutschland stammende Prinz die Herzen der Niederländer, auch wenn dieses nicht gerade im Sturm geschah.

Einst nicht am Hofe erwünscht

Einfach hatte es Claus, der als Claus Georg Otto Friedrich Gerd von Amsberg am 6. September 1926 im niedersächsischen Dötzingen geboren wurde, nicht als Prinz. Als er die Adelstochter Beatrix 1966 heiratete, flogen statt Blumen auch Rauchbomben. Der Ex-Diplomat war den Niederländern ein Dorn im Auge: Denn der Deutsche trug einst die Uniform des Feindes: Claus von Amsberg diente 1943 als Panzerschütze in der Wehrmacht. Doch die Brautleute ließen sich nicht von ihrem Weg abbringen. "Ja, ik wil", sagten sie zueinander und standen auch über 36 Jahre zu ihrem Wort.

Seither führte Claus aber auch ein Leben im Schatten seiner Frau, der Thronfolgerin und späteren Königin – als stummer Begleiter. Der "wertvollste Ratgeber Ihrer Majestät" wurde er oft genannt. Das ertrug Prinz Claus mit Gelassenheit - zumindest in der Öffentlichkeit.

Ein Deutscher mit niederländischem Herz

Den Niederländern zeigte der Deutsche, dass sein Herz für das Nachbarland schlug: Er lernte perfekt niederländisch und bemühte sich beharrlich um die Gunst der Leute im "Oranje-Land", zeigte Interesse für ihre Sorgen und Nöte. Gemeinsam mit seiner Gattin und den drei Söhnen Willem Alexander, Johan Friso und Constantijn suchte er auf Reisen in die niederländischen Provinzen das "Gespräch mit dem Volk". Ebenso auf der Tagesordnung standen Besuche von gemeinnützigen Einrichtungen oder Unterredungen mit Unternehmern und Vertretern von Wirtschaftsorganisationen.

Zugute kam Prinz Claus seine Erfahrungen als Diplomat in der Dritten Welt. Zwischen 1959 und 1963 war er in Afrika und Lateinamerika tätig und setzte auch danach die Erfahrungen als Sonderberater des Ministers für Entwicklungszusammenarbeit fort. Bis zuletzt engagierte sich der Philanthrop für Entwicklungsländer, vor allem in Afrika.

Für Gesprächsstoff sorgte immer wieder sein Gesundheitszustand: Mal litt er an Depressionen, später an Lungenembolien. 1998 war bei Prinz Claus Prostatakrebs festgestellt worden. Drei Jahre später musste ihm infolge der Krebsbehandlung die rechten Niere entfernt werden. Geschwächt wirkte der Prinzgemahl auch bei der Hochzeit seines ältesten Sohnes Willem-Alexander mit der schönen Argentinierin Maxima Zorreguieta. Seitdem war Prinz Claus bei offiziellen Anlässen nicht mehr gesichtet worden.

Brückenbauer zwischen Deutschland und den Niederlanden

Holländerin trauert um Prinz Claus

Trauer auch in der Bundesrepublik: Bundespräsident Johannes Rau sprach der niederländischen Königin seine Anteilnahme aus. Die Bundesrepublik habe das Wirken des gebürtigen Deutschen für die Niederlande "stets mit viel Sympathie und Hochachtung" begleitet, so Rau in einem Telegramm. Und der Fernseh-Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert bekundete: Der Monarch habe mehr für die deutsch-niederländischen Beziehungen getan als sonst jemand: "Als er Beatrix 1966 heiratete, war er der unpopulärste, bei seinem Tod sicher der populärste Deutsche in den Niederlanden". (pt)

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