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Asien

Tod durch den Strang in Japan

In Tokio sind zwei zum Tode verurteilte Mörder hingerichtet worden. Zum ersten Mal seit Amtsantritt der neuen Regierung vor fast einem Jahr wurden damit in Japan wieder Todesurteile vollstreckt.

Galgen-Schlinge vor schwarzem Hintergrund (Foto: AP)

Der 59-jährige Kazua Shinozawa war wegen Brandstiftung angeklagt: Im Jahr 2000 hatte er ein Feuer in einem Juwelierladen gelegt, dabei waren sechs Angestellte ums Leben gekommen. Hidenori Ogata (33) war wegen Doppelmordes verurteilt worden, vor sieben Jahren tötete er bei einer Messerattacke einen Mann und eine Frau. Ihre Taten bezahlten beide jetzt mit dem eigenen Leben. An diesem Mittwoch (28.07.) wurden die Männer in der Hauptstadt Tokio erhängt.

"Nichtöffentliches" Thema

Außenansicht der Haftanstalt in Kosuge in Tokio (Foto: dpa)

In der Haftanstalt in Kosuge in Tokio sitzen zum Tode verurteilte Straftäter ein

Es waren die ersten Hinrichtungen in Japan seit der Regierungsübernahme durch die Demokratische Partei Japans (DPJ) vor knapp einem Jahr. Zuletzt waren Ende Juli 2009 drei zum Tode Veurteilte gehängt worden. Japan gehört - wie auch die USA - zu den wenigen Industrieländern - in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft ist. In Umfragen sprechen sich mehr als 80 Prozent der Bürger für die Todesstrafe als höchstes Strafmaß für Kapitalverbrecher aus. Eine öffentliche Debatte über das Thema an sich findet in Japan bislang nicht statt.

Umstrittene Praxis

Derzeit sitzen über 100 Verurteilte in japanischen Todeszellen und warten auf ihre Hinrichtung. Anders als in den USA - wo die meisten Todeskandidaten heute durch die Giftspritze sterben - werden die Gefangenen in Japan durch den Strick getötet. Die Umstände ihres Todes allerdings werden von Menschenrechtsorganisationen im In- und Ausland angeprangert: So werden die Verurteilten praktisch bis zum Schluss über den genauen Hinrichtungszeitpunkt im Dunkeln gelassen. Erst am Morgen ihres Todestages erhalten sie ihren Exekutionsbescheid, haben danach also nur noch wenige Stunden zu leben. Und ihre Angehörigen erfahren von der Hinrichtung erst im Nachhinein.

Einsamer Kampf

Justizministerin Keiko Chiba im Porträt (Foto: AP)

Justizministerin Keiko Chiba

Die Vollstreckung von Todesurteilen muss in Japan vom Justizminister genehmigt werden. Die aktuelle Amtsinhaberin Keiko Chiba wohnte den jüngsten Hinrichtungen sogar persönlich bei. Sie hatte zuvor noch keine Exekution genehmigt, gilt als Gegnerin der Todesstrafe. Vor ihrer Amtsübernahme gehörte sie selbst einer Gruppe von Parlamentariern an, die sich gegen die Todesstrafe einsetzten. Nun wies sie nach eigenen Angaben die Strafvollzugsanstalt in Tokio an, künftig den Medien Zugang zur Todeskammer zu gewähren - mit dem Ziel, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Allerdings könnte Chiba schon bald als Ministerin abgelöst werden, da sie bei der Oberhauswahl Anfang Juli ihren Parlamentssitz verloren hatte.

Autorin: Esther Broders (dpa/afp/ap)
Redaktion: Miriam Klaussner