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Afrika

Tod durch Armut

Im Südsudan gibt es eines der schlechtesten Gesundheitssysteme der Welt. 20 Jahre Bürgerkrieg haben verhindert, dass genug Krankenhäuser gebaut oder Krankenschwestern und Ärzte ausgebildet wurden.

Patienten im Sudan (Foto: DW)

In glühender Hitze laufen die Patienten oft tagelang bis zur Klinik

Erst als die Schwester eine Nadel in den rechten Arm des kleinen Kod sticht, regt sich in ihm etwas Leben. Das zehn Monate alte Baby lag vorher völlig regungslos in der Notaufnahme der kleinen Klinik in der Stadt Wao im Westen des Sudan. Seine Arme und Beine sind dünn wie Streichhölzer, der Bauch ist aufgedunsen und wackelt wie ein Wackelpudding, wenn man ihn nur vorsichtig mit dem Finger berührt. Vier Schwestern halten ihn fest, tasten die Arme nach einer Vene ab, die noch nicht kollabiert ist. Das Kind schwebe in akuter Lebensgefahr, sagt Schwester Gracy, die Leiterin der Klinik. "Wenn wir es schaffen, eine Vene zu finden, um eine Infusion zu legen, wird das Baby überleben. Wenn nicht, dann wird er sterben."

Tagelanger Marsch bis zur Klinik

Kleiner Junge im Krankenhaus im Sudan mit Krankenschwester (Foto: DW)

Kämpft um sein Leben - der kleine Patient Kod

Zwei Tage hat Kods Mutter gebraucht, um ihren Sohn hierher zu tragen. Sie ist meilenweit gelaufen und hat einen LKW und ein Sammeltaxi als Mitfahrgelegenheit genutzt. Nicht nur die Hitze, sondern auch Durchfall haben Kods Körper so sehr ausgetrocknet, dass der kleine Junge jetzt dringend Wasser braucht. Doch die Schwestern finden einfach keine Vene, um eine Infusion zu legen. Die Mutter sitzt daneben, den Kopf in die Hände gestützt und trauert um ihren Sohn, der kaum noch am Leben ist. Die Notaufnahme der Klinik ist ein Zelt mit grüner Plane, das durch rohe Äste gerade noch aufrecht gehalten wird. Nebenan drängen sich Hunderte Frauen in roten, gelben und blauen Gewändern, von denen die meisten schreiende Kinder stillen. Wie Kods Mutter sind viele mehrere Tage unterwegs gewesen, bis sie die Klinik erreicht haben.

Helfen unter erschwerten Bedingungen

Patienten vor Krankenhaus im Sudan (Foto: DW)

Stundenlanges Warten

Der Südsudan hat nur drei staatliche Krankenhäuser, Entwicklungsorganisationen und die Kirchen einige weitere. Ein Grund dafür, dass die meisten Menschen an heilbaren Krankheiten wie Malaria, Durchfall oder Typhus sterben müssen. Ein anderer Grund sei die Armut, sagt Schwester Gracy, denn die Mehrheit der Menschen hier lebe in bitterem Elend. "Sie haben kein sauberes Wasser, keine ordentlichen Toiletten und sie essen gerade mal eine Mahlzeit pro Tag. Wenn sie krank werden, können sie die Klinik kaum rechtzeitig erreichen. Die meisten sterben." Wer es bis in die Klinik geschafft hat, gehört zu den glücklichen. In einem engen Raum untersucht Lupo Ucin Mbolo eine Patientin. Das Behandlungszimmer des Arztes besteht aus einem wackeligen Holztisch und drei Stühlen, der Putz blättert von der Wand und das Fenster ist nur ein Gitter.

Es gibt kaum Medikamente

Lupo Ucin Mbolo hat gerade mal ein eigenes Stethoskop. Das Blutmessgerät muss er erst einmal von einem Kollegen ausleihen. Die Klinik ist zwar besser ausgestattet als die staatlichen Gesundheitszentren, aber trotzdem gibt es Probleme. Im Krankenhaus mangele es an den notwendigsten Medikamenten, beklagt Lupo Ucin Mbolo. "Der Patient geht in die Krankenhausapotheke und dann sagt man ihm 'Das haben wir nicht'. Dann muss er in die Stadt gehen, alle Apotheken aufsuchen und hoffen, dass er das Mittel dort bekommen kann." Wenige Minuten von der Klinik entfernt liegt die Krankenpflegeschule. Eine ägyptische Ärztin erklärt den Schülern, wie man eine Spritze setzt, während ein Pfleger zur Veranschaulichung mit nacktem Oberkörper im Klassenzimmer steht. Mit dem Finger sticht die Dozentin ihm in den Oberarm. Medizinische Grundlagen, obwohl die Schüler keine Anfänger mehr sind. Magdalena Augustino zum Beispiel ist seit 16 Jahren Krankenschwester. Doch wie viele ihrer Kollegen im Südsudan braucht sie das Training dringend. "Als ich während des Krieges meine Ausbildung gemacht habe, gab es keine Ausbilder. Es gab nicht mal Instrumente, mit denen wir üben konnten. Zum Beispiel wollten wir lernen, wie man Spritzen verabreicht, aber es gab keine Spritzen." Es habe überhaupt keine Ausbilder gegeben, die den Auszubildenden beigebracht hätten, wie man Patienten helfen könne. Sie habe also nie eine vernünftige Ausbildung bekommen, beklagt sich Magdalena Augustino.

Lupo Ucin Mbolo im Sudan (Foto: DW)

Helfen mit einfachsten Mitteln: der Arzt Lupo Ucin Mbolo in seinem Behandlungszimmer



Für den kleinen Kod gibt es indessen Hoffnung. Nach langem Suchen haben die Schwestern in seinem linken Arm eine Vene gefunden. Langsam rinnt die Salzwasserlösung in seinen Körper. Doch wie lange er leben wird, ist ungewiss. Wegen der schlechten Gesundheitsversorgung stirbt im Südsudan jedes vierte Kind, bevor es das fünfte Lebensjahr erreicht.

Autor: Daniel Pelz

Redaktion: Michaela Paul



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