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Deutschland

Tod der sieben Soldaten in Kabul als letzte Mahnung

Mit einer ergreifenden Trauerfeier haben Familien, Freunde und die Öffentlichkeit von den sieben Soldaten Abschied genommen, die am 21.12.2002 mit einem Hubschrauber in Kabul abgestürzt waren. Bernd Riegert.

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Es war nicht das erste Mal, dass deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen getötet wurden, doch noch nie waren es so viele, nämlich sieben, bei einem einzelnen Unglücksfall. Deshalb war die Anteilnahme der deutschen Politiker und der Bevölkerung auch größer als sonst üblich. Hinzu kommt, dass Afghanistan als Brennpunkt des Krieges gegen den Terror besondere Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zuteil wird.

Der Hubschrauberabsturz von Kabul wirft viele Fragen auf, die auch nach der zentralen Trauerfeier in Bonn nicht beantwortet sind, die aber diskutiert werden müssen. Lohnt sich der Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten bei Aufbaueinsätzen wie in Afghanistan, Kosovo oder Bosnien? Ist das voraussichtliche Ergebnis der UNO-Missionen den Verlust von Menschenleben wert? Was haben unsere Söhne und Töchter da eigentlich verloren, werden sich Familien, Angehörige und Freunde der Getöteten immer wieder fragen?

Bundespräsident Johannes Rau versuchte in seiner Trauerrede diese zentrale Frage zu beantworten. Der deutsche Beitrag sei unverzichtbar für Frieden und Freiheit. Die Bundeswehr schütze mit ihrem Auslandsengagement auch die Sicherheitsinteressen Deutschlands. Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Bevölkerung stehe hinter den Einsätzen, betonte Rau zu Recht.

Wenn der deutsche Staat Soldaten in sinnvolle Einsätze schickt, hat er für optimale Ausrüstung zu sorgen, von der keine Gefahren ausgeht. Hat die Bundeswehr in Kabul wirklich das, was sie braucht? Diese bohrende Frage muss geklärt werden. Aber der Verdacht liegt nahe, dass 30 Jahre alte Hubschrauber nicht das optimale Gerät sind, um unter extremen Bedingungen geflogen zu werden.

Schon seit Mitte der neunziger Jahre, und ganz bestimmt seit Bundeskanzler Gerhard Schröder sein Amt übernommen hat, wird die Bundeswehr als Instrument der Außenpolitik eingesetzt: Nur wer Truppen stellt, kann mitreden.

Viel zu lange hat die Bundeswehr gezögert, den Schritt weg vom territorialen Verteidigungsheer hin zu einer hochmobilen Eingreiftruppe zu machen. Dass die Bundeswehr moderne Transportflugzeuge, Hubschrauber, Luftabwehrfähigkeiten und viele andere Systeme braucht, ist schon seit Jahren bekannt, aber der Apparat war bisher zu schwerfällig. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping und sein konservativer Vorgänger Volker Rühe haben am falschen Ende gespart.

Der Tod der sieben Soldaten in Kabul sollte letzte Mahnung sein, die Modernisierung und Ausrüstung der Bundeswehr entschlossen und schnell voranzutreiben. Ist die Politik dazu nicht in der Lage, darf sie die Soldaten nicht mehr in riskante Einsätze schicken. Dann trifft sie auf jeden Fall eine moralische Mitschuld.

Der Bundespräsident hat zu Recht darauf hingewiesen, dass nicht nur Soldaten, sondern auch Polizisten, Feuerwehrleute oder Entwicklungshelfer in Krisengebieten tagtäglich ihre Gesundheit und ihr Leben für die gute Sache riskieren. Jedes Jahr sterben bei der Bundeswehr mehr Soldaten bei Manövern oder Verkehrsunfällen im Inland als bei Auslandseinsätzen. Aber diese Opfer sind nicht spektakulär. Und für die Angehörigen der jüngsten Verunglückten ist der Hinweis auf das allgemeine Berufsrisiko schon gar kein Trost.

Die Worte des Bundespräsidenten sind schnell verklungen, die entsetzliche Lücke für die Familien wird bleiben.