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Fokus Südosteuropa

Tirana und Berlin wollen Wirtschaft fördern

Einen Impuls für mehr öffentliche Aufträge erhoffen sich deutsche Investoren nach dem Besuch des albanischen Präsidenten Bamir Topi in Berlin.

Staatsflaggen von Albanien (li.) und Deutschland (Foto: AP/dpa/DW)

Wirtschaftskooperation verbesserungsfähig

Eine 60-köpfige Wirtschaftsdelegation begleitete den albanischen Präsidenten Bamir Topi bei seinem ersten Deutschlandbesuch Anfang April. Seine Erwartungen an die stärkste Wirtschaft der EU drückte er in einem Interview für die Deutsche Welle aus: "Albanien hat große Investitionspotentiale. Es gibt viele Bereiche, die für deutsche Investoren interessant sind und wo sie sich einbringen wollen." Gemeint waren verschiedene Projekte, die insbesondere die unzureichende Infrastruktur und die schlechte Energieversorgung im Lande verbessern sollen.

Im Gespräch mit DW-WORLD beklagt Tobias Baumann von der Deutschen Industrie- und Handelskammer allerdings, dass zu wenige öffentliche Aufträge an deutsche Firmen vergeben werden. An mangelnder Wettbewerbsfähigkeit läge es nicht. "Die deutschen Unternehmen haben sehr oft die besten Angebote, und sie sind auch nicht zu teuer. Es gibt da aber andere Stellschrauben, an denen man drehen muss", sagt Baumann. Diese möchte der Referatsleiter für Russland, Süd- und Osteuropa allerdings nicht nennen. "Ich hoffe darauf, dass wir in der Zukunft vielleicht einen Fuß mehr dort in die Tür bekommen und vielleicht auch zeigen können, dass wir gute Sachen leisten", fügt er hinzu.

Standort unattraktiv?

Albaniens Präsident Bamir Topi am Rednerpult auf einer Forumsveranstaltung in Berlin am 06.04.2010 (Foto: Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft)

Albaniens Präsident Bamir Topi auf einer Forumsveranstaltung in Berlin (06.04.2010)

Ihre Unzufriedenheit mit der Vergabepraxis äußerten Vertreter der deutschen Wirtschaft auch gegenüber dem albanischen Präsidenten beim Wirtschaftsforum in Berlin. Bamir Topi lobte zwar die - wie er es nannte - "deutsche Qualität", wies jedoch die Kritik zurück: "Es sind Marktbedingungen", sagte er. Trotzdem ermunterte er die anwesenden Unternehmer, in Albanien präsent zu sein. "Je öfter Sie kommen, umso mehr Aufträge werden Sie bekommen", so Topi. Ohne die großen öffentlichen Ausschreibungen ist aber Albanien für viele deutsche Firmen nicht besonders attraktiv. "Deutsche Unternehmen investieren lieber in große Märkte, Albanien ist aber mit gerade 3,1 Millionen Einwohnern sehr klein", sagt Gert-Michael Raabe, Vorsitzender des Hamburger Vereins Ost- und Mitteleuropa. Dennoch weiß Raabe die Bemühungen der Regierung um ausländische Firmen zu schätzen. Hierzu gehören die sogenannten One-Stop-Shops, die den Unternehmen eine einfache und zügige Registrierung ermöglichen, aber auch der einheitliche Gewinn- und Einkommenssteuersatz von zehn Prozent.

Positiv auf das Image wirkt auch die EU-Kandidatur. Der weltweit größte Versicherungsmakler AON hat Albanien als ein Land mittleren Risikos eingestuft, besser als ein Jahr zuvor. "Das hängt damit zusammen, dass Kriminalität und Korruption, die leider im Land noch zu finden sind, von der Regierung effektiver bekämpft werden", erklärt Silja-Leena Stawikowski von AON Deutschland. Auf der Risikokarte von AON ist Albanien - mit Ausnahme von Kroatien - sogar besser als die übrigen Staaten des westlichen Balkan dargestellt. "Die Situation kann sich aber schnell ändern", mahnt Stawikowski, "denn die AON-Karte ist lediglich eine Momentaufnahme." Ein günstiger Moment für das Land an der Adria und am Ionischen Meer.

Umsatzsteigerung realistisch

Hans Jürgen Müller, Präsident der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft am Rednerpult auf einer Forumsveranstaltung in Berlin am 06.04.2010 (Foto: Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft)

Hans Jürgen Müller setzt auf Wirtschaftsimpuls nach Präsidentenbesuch

In Berlin unterzeichnete der albanische Präsident ein Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung. Für deutsche Investoren werden damit Investitionen in Albanien attraktiver. Doch zunächst gilt es, die Handelsbeziehungen zu verbessern. Der bilaterale Umsatz von zirka 280 Millionen Euro im Jahr sei nicht besonders hoch, betont Tobias Baumann.

In der albanischen Importstatistik steht Deutschland an dritter Stelle, allerdings mit 6,1 Prozent weit hinter Italien (28,5 Prozent) und Griechenland (14,5 Prozent). Als Abnehmer albanischer Produkte liegt Deutschland mit 2,7 Prozent an fünfter Stelle, 61 Prozent der Exporte gehen nach Italien. Diese nahezu große Abhängigkeit Albaniens von den beiden Nachbarn Italien und Griechenland erklärt sich dadurch, dass fast ein Drittel der albanischen Bevölkerung Migrationserfahrung in diesen Staaten hat. Baumann will in den nächsten Jahren das Handelsvolumen mit Albanien verdoppeln: "Das ist ein realistisches Ziel, vorausgesetzt, Albanien entwickelt sich weiter so und die Wirtschaftskrise hält nicht lange an."

Einen Impuls für die Verbesserung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen erwartet nun der Präsident der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft, Hans Jürgen Müller, nach Topis Besuch in Deutschland - dem ersten eines albanischen Präsidenten seit fast zwölf Jahren. Ein weiterer Anlass, um den Austausch zu intensivieren, bietet sich im Juni bei einer Wirtschaftskonferenz in Hamburg an, an der auch der Ministerpräsident Sali Berisha seine Teilnahme zugesagt hat.

Autorin: Anila Shuka

Redaktion: Mirjana Dikic /Gero Rueter

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