1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Tiqui-Taca gegen Foetbal totaal

Es wird auf jeden Fall einen neuen Weltmeister geben an diesem Sonntag in Johannesburg. Für Spanien ist es das erste Finale, für die Niederlande das dritte. Die Welt hofft auf ein Fußball-Fest.

Spanische Spieler jubeln nach ihrem 1:0-Sieg gegen Portugal in Kapstadt. (Bild: AP/Ivan Sekretarev)

Topfavorit Spanien

Vicente Del Bosque blickt sekptisch (Bild: AP/Ivan Sekretarev)

Will das Maximum: Spaniens Trainer del Bosque

Tiqui-Taca. So nennen die Spanier das sichere Kurzpassspiel, mit dem sie seit Jahren ihre Gegner ausspielen. Seit vielen Jahren, teilweise seit der Jugend, spielen Iniesta, Xavi, Busquets, Puyol und Pedro zusammen. Beim FC Barcelona perfektionieren sie mit jeder Trainingseinheit ihre Kombinationssicherheit. Nur zwei Niederlagen der Nationalmannschaft in den letzten vier Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Der Star ist die Mannschaft. Schon bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz hatten die Spanier gezeigt, wozu sie fähig sind. Nun, in Johannesburg, wollen sie den ersten Weltmeistertitel ihrer Verbandsgeschichte schaffen. "Jetzt wollen wir das Maximum", fordert denn auch Trainer Vicente del Bosque.

Totaler Fußball made in Holland

Dirk Kuyt trägt seinen niederländischen Teamkameraden Wesley Sneijder (oben) aus Freude über das zweite Tor gegen die Slowakei auf der Schulter. (Bild: AP/Martin Meissner)

Jetzt sollen die Spanier auf die Hörner genommen werden: Die Niederländer Kuyt und Sneijder (oben)

Dieses Ziel haben auch die Niederländer. Foetbal totaal nennt man ihr Erfolgsrezept. Mit diesem 4-3-3-System schaffen es die Niederländer regelmäßig in den Favoritenkreis. Von einem WM-Gewinn waren ihre Bemühungen aber noch nicht gekrönt. Kein Wunder, dass Trainer Bert van Marwijk sagt: "Das ist das wichtigste Spiel, das ich bis jetzt in meinem Leben erlebt habe."

Zweimal waren sie nahe dran, zweimal scheiterten sie im Finale an den Gastgebern: 1974 an Deutschland, 1978 an Argentinien. Keine schlechte Ausbeute für ein Land, das mit rund 17 Millionen Einwohnern gerade mal so groß ist wie Nordrhein-Westfalen.

Gelungene Integrationspolitik

Der niederländische Kronprinz Willem Alexander (li.) und seine Frau, Prinzessin Maxima (re) beim Halbfinael gegen Uruguay auf der Tribüne (Bild: FIFA)

Leidenschaftliche Oranje-Fans: Willem Alexander und Maxima

Den Mangel an Masse machen die niederländischen Trainer schon seit Jahrzehnten mit einer hervorragenden Technik- und Taktikschulung wett. Und schon seit Jahren hat das kleine Land an der Nordsee erkannt, welche Möglichkeiten die Integration von Migranten bietet. Lange vor Özil, Khedira, Podolski und Co. in Deutschland führten die Rijkaards und Gullits Oranje 1988 zur Europameisterschaft. Später, in den 90ern, folgte die Generation Kluivert, heute sorgen Boulahrouz oder Heitinga für Sicherheit in der Abwehr. Auch ihre Prinzessin Maxima ist eine Immigrantin: Sie kommt aus Argentinien, drückt aber der Elftal am Sonntag die Daumen: "Mein sehnlichster Wunsch ist es, dass die Niederlande Weltmeister werden." Zusammen mit ihrem Mann, Kronprinz Willem Alexander, will sie das Finale besuchen.

Und trotz der herausragenden Fähigkeiten eines Wesley Sneijder und eines Arjen Robben gilt auch bei Oranje: Es ist die Mannschaft, es ist das System, das die Erfolge herausspielt - nicht der einzelne Star. Seit 25 Spielen sind die Niederländer nun schon ungeschlagen. Gegen Spanien soll die Serie ausgebaut werden.

Auch die Spanier können auf königliche Unterstützung bauen. Königin Sofia hatte schon im Halbfinale gegen Deutschland Glück gebracht, und nun kommen auch noch Kronprinz Felipe und dessen Gattin Letizia.

Kommt Mandela?

Am Sonntag wird übrigens wieder einmal Fußball-Geschichte geschrieben: Das erste Finale auf afrikanischem Boden, der erste Titel für Spanien oder die Niederlande und der erste für eine europäische Mannschaft außerhalb Europas. Alle Welt hofft nun darauf, dass Volksheld Nelson Mandela dem Weltmeister den Goldpokal übergeben wird. "Er hatte den Pokal bei der WM-Vergabe 2004 in der Hand. Es wäre ein wundervoller Moment für ihn und den afrikanischen Fußball, wenn das geschehen könnte", sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Doch Mandelas Endspiel-Besuch ist ungewiss. Der 91-Jährige hatte seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier nach dem Unfalltod seiner Urenkelin kurzfristig abgesagt, dazu ist er gesundheitlich angeschlagen.

Drei Deutsche mit Titelchancen

Bastian Schweinsteiger starrt nach dem 0:1 gegen Spanien im Halbfinale ins Leere (Bild: AP/Luca Bruno)

Gibt´s zum Trost wenigstens den Goldenen Ball des besten Spielers für Bastian Schweinsteiger?

Im Endspiel wird wie schon 2006 in Berlin ein goldener Ball zum Einsatz kommen. In Anlehnung an den Austragungsort Johannesburg - auch Jo'burg gennant - trägt das Spielgerät den Namen Jo'bulani. Am Rande des Finales hoffen auch noch drei deutsche Spieler auf Auszeichnungen. Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil gehören zu den zehn Nominierten für den Goldenen Ball für den besten WM-Spieler, Thomas Müller ist einer von drei Kandidaten für den Titel des besten jungen Spielers. Die Bekanntgabe erfolgt nach dem Schlusspfiff. Die deutsche Nationalmannschaft wird da gerade im Flieger gen Heimat sitzen. Beim Finale zusehen zu müssen, hätte zu weh getan.

Autor: Tobias Oelmaier
Redaktion: Stefan Nestler

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Niederlande: 1 Stekelenburg - 2 van der Wiel , 3 Heitinga, 4 Mathijsen, 5 van Bronckhorst - 6 van Bommel, 14 de Zeeuw - 11 Robben, 10 Sneijder, 7 Kuyt - 9 van Persie. - Trainer: van Marwijk

Spanien: 1 Casillas - 15 Ramos, 3 Pique, 5 Puyol, 11 Capdevila - 14 Xabi Alonso - 16 Busquets, 8 Xavi, 6 Iniesta - 18 Pedro, 7 Villa. - Trainer: del Bosque

Schiedsrichter: Howard Webb (England)

Audio und Video zum Thema