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Kultur

Tipps für gute Taten

Pflanze einen Baum, spende Blut, verbringe Zeit mit jemandem aus einer anderen Generation: Mit 50 Tipps dieser Art versucht eine Initiative in Großbritannien, die Welt zu verändern. Mit Erfolg.

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Aktion Nummer 34: Kaufe fair gehandelte Produkte

"Change the world for a fiver": Für fünf Pfund, umgerechnet rund 7 Euro 50, soll die Welt ein bisschen besser werden. So viel kostet das bunte Buch mit dem idealistischen Titel und den 50 "Actions", die jeder ganz leicht umsetzen kann. Vor vier Wochen kam das Buch in Großbritannien auf den Markt. 65.000 Mal hat es sich seitdem verkauft. Die Nachfrage ist so groß, dass das Buch jetzt nachgedruckt wird. Das große Geld macht damit niemand: Grafiker, Texter, Verlag und auch die Buchläden haben sich ehrenamtlich eingesetzt.

Bäume und britischer Humor

Herbstlich gefärbter Ahornbaum

Aktion Nummer sieben: Pflanze einen Baum

David Robinson, der im armen Londoner Osten Wohltätigkeitsvereine koordiniert, hatte vor 18 Monaten die Idee zu dem Buch. Seine Hoffnung: Wenn genug Leute versuchen, den Alltag ein bisschen zu verändern, könnten alle zusammen schließlich größere Dinge bewegen. Zusammen mit anderen Freiwilligen gründete er das Projekt "we are what we do". Einige der kreativsten Köpfe aus der britischen Werbeindustrie arbeiteten mit und heraus kam ein schön illustriertes Buch mit witzigen, teilweise ironischen Texten, das deutlich britischen Humor erkennen lässt. Kleine Extras rufen zum Handeln auf. So informiert Aktion Nummer sieben über die weltweite Waldabrodung (33 Fußballfelder Wald pro Minute) und eine Tüte mit Kiefernsamen lädt zum Bäumepflanzen ein. Denn: "Jeder Baum wird zwei Menschen für den Rest ihres Lebens mit Sauerstoff versorgen."

"Ma yumkin un as 'ad?" - "Kann ich Ihnen helfen?" auf Arabisch: Aktion 18 fordert den Leser auf, ein paar Sätze in einer Fremdsprache zu lernen. Als Belohnung bekommt man "ehrliche Wärme" zurück, verspricht das Buch. Eine Tabelle listet dafür ein paar freundliche Floskeln in fünf verschiedenen Sprachen auf. Am Ende des Buches findet der veränderungsfreudige Leser eine lange Liste mit Web-Links - damit das Engagement nicht nur ein guter Vorsatz bleibt.

Alleine machtlos

Change the world for a fiver We are what we do Buchcover

Kommt gut an: Die Fibel für Weltverbesserer

Engagement für die Gesellschaft - in Großbritannien scheint "change the world for a fiver" genau den Nerv getroffen zu haben. "Wir haben zurzeit das Gefühl, uns ist die Gemeinschaftlichkeit verloren gegangen", erklärt Sara Smith-Laing von "we are what we do" den Erfolg des Buchs. Trotz technologischen Fortschritts und zunehmendem Reichtum in der westlichen Welt hätten viele das Gefühl, in ihrem Leben fehle etwas. "Viele lehnen das egoistische Verhalten der 1980er und 90er Jahre ab, fühlen sich aber machtlos, alleine etwas zu verändern", sagt die Britin.

Dabei engagieren sich die Briten deutlich stärker als die Deutschen. Nach einer Studie (Europäischer Wertesurvey) war knapp die Hälfte der erwachsenen Briten ehrenamtlich tätig, während sich in Westdeutschland nur 22 Prozent unentgeltlich einsetzten. In den neuen Bundesländern waren es sogar nur rund 16 Prozent.

Positive Beispiele kein Thema

In Deutschland herrsche ein anderes Demokratieverständnis als im angelsächsischen Raum, erklärt Annette Zimmer, Politikwissenschaftlerin an der Universität Münster. Während die Briten soziales Engagement als eigenständigen Bereich jenseits des Staates wahrnehmen würden, sei die Trennung zwischen staatlichem und privatem Engagement in Deutschland oft gar nicht deutlich zu erkennen. Eine weitere Rolle für den relativ geringen Stellenwert von sozialem Engagement würden die Medien spielen, sagt Annette Zimmer. "Die deutsche Presse berichtet nicht über positive Beispiele. Erst wenn zum Beispiel bei einer NGO Geld unterschlagen wird, ist es in Deutschland ein Thema."

Trotzdem: Auch die Deutschen sehnen sich nach mehr Gemeinsinn, glauben die Leute von "we are what we do" und suchen nach einem deutschen Verleger für die Anleitung zum Weltverbessern. Rebecca Nicolson von Short Books, dem englischen Verlag, hat sich schon auf der Frankfurter Buchmesse nach möglichen Partnern für die deutsche Ausgabe umgesehen. "Das Interesse war riesig", sagt sie. Es habe gleich mehrere Interessenten gegeben, aber noch seien die Verhandlungen nicht abgeschlossen.

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