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Bücher

Tintenherz & Co. weltweit

Das deutsche Kinderbuch ist eine Marke auf dem internationalen Buchmarkt. Roman-Helden wie die von Cornelia Funke oder Michael Ende werden von jungen Lesern in Amerika so geliebt wie in China oder Korea.

Ein Kind liest unter der Bettdecke ein Buch (Foto: Bilderbox)

Langsam, aber stetig hat das deutsche Kinderbuch den internationalen Buchmarkt erobert – und das seit Ende der 60er Jahre. Als 1968 die Studentenrevolten für einen Aufbruch und grundlegenden Wandel der Gesellschaft sorgten, veränderte sich die Haltung gegenüber Kindern und damit auch die Erzählweise des Kinderbuchs grundlegend, sagt Regina Pantos, die Vorstandsvorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur. Kinder waren nicht länger nur niedlich und mehr als nur "Trotzkopf" oder "Nesthäkchen": "Ich glaube, es gab auch in den anderen Ländern diesen gesellschaftlichen Aufbruch, und dadurch dass man die Kinder ernster nahm und sie in den gesellschaftlichen Diskurs mit aufgenommen hat, sind die deutschen Kinderbücher wirklich Vorreiter gewesen und konnten so auch in anderen Ländern erfolgreich sein."

Unterhaltsam und problemorientiert

Ausschnitt aus dem Buchcover Hans Magnus Enzensberger: Der Zahlenteufel (Hanser Verlag)

Enzensbergers Zahlenteufel: Keine Angst vor Mathematik!

Derzeit allerdings ist das deutsche Kinderbuch eher ein "Sorgenkind" für Regina Pantos, verzeichnet sie doch seit 2007 einen Rückgang der Lizenzverkäufe ins Ausland um 9 Prozent. Trotzdem verkaufen sich einige Bücher nach wie vor sehr gut. Zum Beispiel Hans Magnus Enzensbergers "Zahlenteufel" - ein "Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben". Der Zahlenteufel erzielt unter anderem in Fernost sechsstellige Auflagenhöhen. "Wir haben einen sehr, sehr guten Zugang zum asiatischen Markt", sagt Friedbert Stohner, beim Münchner Hanser Verlag für das Kinderbuch verantwortlich: "Wir haben in Südkorea zwei oder drei sehr tüchtige Verlage, die sehr viele deutsche Bücher importieren." Auch in Japan verkauft sich "Der Zahlenteufel" sehr gut – vielleicht, weil das Buch eine didaktische Lücke füllt und etwas leistet, das die Schule nicht schafft: die Kinder für Mathematik zu begeistern.

Das neue Kinderbuch der siebziger Jahre

Ausschnitt aus dem Buchcover Gudrun Pausewang: Die Wolke (Ravensburger)

Problemorientiert: Gudrun Pausewangs Anti-AKW-Roman

Das deutsche Kinderbuch gilt seit jeher als lehrhaft und "problemorientiert". Geprägt hat dieses Bild die mittlerweile in die Jahre gekommene Schriftsteller-Garde, zu der auch Gudrun Pausewang gehört mit ihrem Anti-Atomkraft-Roman "Die Wolke" von 1987. Sie ist heute über 80. Auch Peter Härtling ist nicht mehr der jüngste, gehört aber genauso wie Christine Nöstlinger zu den Begründern der neuen deutschsprachigen Kinderliteratur. Dann folgt laut Regina Pantos "die nächste Generation, die ist jetzt 60 plus: Klaus Kordon, Paul Maar, Kirsten Boie, und vielleicht haben wir ein bisschen ein Problem mit Nachwuchs-Autoren". Es gibt solche: Zoran Drvenkar, Anja Tuckermann und Andreas Steinhöfel sind in andere Sprachen übersetzt. Vor allem Steinhöfel mit seinem mehrfach ausgezeichneten Buch "Rico, Oskar und die Tieferschatten" ist im Ausland ein Erfolg.

Monster und Gespenster

Allerdings noch lange nicht so erfolgreich wie der deutschsprachige Kinderbuch-Exportschlager der letzten Jahren schlechthin: die "Tiger-Team"-Bücher des 47-jährigen Österreichers Thomas Brezina. Es wurden, so erzählt Sabine Erlenwein vom Münchner Goethe-Institut, die für das mehrsprachige Kinder- und Jugendbuch-Portal des Goethe-Instituts verantwortlich ist, mehr als dreißig Bände dieser Kinderkrimi-Buchreihe veröffentlicht und allein in China 2,6 Millionen Exemplare verkauft: "Diese Summen muss man sich mal vorstellen. 2,6 Millionen – das ist mehr als Harry Potter." Die phantastischen Monster- und Gespenster-Geschichten scheinen im Reich der Mitte gut anzukommen, sogar besser als die Bücher der britischen Autorin Joanne K. Rowling.

Filmszene aus 'Tintenherz' (Foto: Warner Bros. Ent.)

Kassenschlager: Cornelia Funkes Bestseller "Tintenherz" kam 2007 in die Kinos.

Weltflucht und Geschichte

Ganz auf der Rowling-Bahn bewegt sich auch ein weiterer deutscher Kinderbuch-Exportschlager: die 51-jährige Cornelia Funke. Sie schreibt Bücher, die nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen gern gelesen werden: sogenannte all-age-Bücher. Für Friedbert Stohner vom Hanser-Verlag ist Funkes in 37 Sprachen übersetzte "Tintenherz"-Trilogie ("Tintenherz", "Tintenblut", "Tintentod") "die große Erfolgsgeschichte. Es gibt diese Fälle, aber es ist nicht so, dass eine Welle deutscher Kinderliteratur in die Welt hinausgeht vergleichbar etwa dem, was die Schweden erreicht haben." Für die Schweden waren einst Astrid Lindgrens Bücher der Türöffner in alle Welt. Solche Türöffner hatte auch die deutsche Kinderbuch-Literatur. Die Inhalte der Bücher aber haben sich stark gewandelt: die Weltflucht-Bücher Cornelia Funkes sind überhaupt nicht zu vergleichen mit denen der heute 69-jährigen Mirjam Pressler, die viel über die deutsche Geschichte vermittelt und in "Nathan und seine Kinder" z.B. Lessings Drama von Nathan dem Weisen neu erzählt. Neben den Autoren übrigens verfügt Deutschland auch über viele international gefragte Illustratoren wie z.B. Rotraut Susanne Berner und Wolf Erlbruch. Die sind im Ausland so populär, dass sie in den Niederlanden und auch Norwegen eingeladen werden, Kinderbücher zu gestalten.


Autor: Knut Cordsen
Redaktion: Gabriela Schaaf