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Asien

Timo Boll und "sein China"

Der deutsche Tischtennisspieler Timo Boll ist einer der wenigen Nicht-Chinesen, die schon mal auf Platz eins der Weltrangliste standen. Jetzt hat er ein Buch mit dem Titel "Mein China"geschrieben.

Tischtennisprofi Timo Boll stellte in Hamburg sein neues Buch Mein China vor und ab DW Chinesisch ein exklusives Interview. (DW Chinesisch)

Tischtennisprofi Timo Boll stellte in Hamburg sein neues Buch "Mein China" vor.

DW-WORLD.DE: Wie ist die Idee entstanden, dieses Buch zu schreiben?

Timo Boll: Die Idee kam ursprünglich von einer Verlagsmitarbeiterin, die sehr tischtennisbegeistert ist und unbedingt ein Tischtennisbuch publizieren wollte. Ich war zuerst ein bisschen skeptisch. Gerade Autobiographien sind im jungen Alter, vor allem wenn man noch aktiv ist und vieles vorhat, problematisch. Anfangs dachte ich: Das ist nicht das Richtige für mich. Aber das Konzept hat mich schließlich überzeugt. Es handelt sich um eine Art Reisebericht mit Erfahrungen, die ich in China gemacht habe. Deshalb der Titel "Mein China". In diesem Buch findet man auch eine Gegenüberstellung von meinem Leben in Deutschland und dem in China, wo Tischtennis richtig populär ist. Das macht, glaube ich, die Spannung des Buchs aus.

Wie lange haben Sie an diesem Buch gearbeitet?

Mein Autor Friedhard Teuffel und ich haben fast ein Jahr an dem Buch gearbeitet. Außerdem haben wir eine gemeinsame Reise nach China unternommen. Das hat wirklich Spaß gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass man eine nette Story über mich schreiben kann, und dass ich so viel von mir preisgeben würde. Wir sind da sehr tief in die Materie eingedrungen, zum Beispiel über die Psychologie des Sports. Was geht in einem von Ballwechsel zu Ballwechsel vor? Es ist für mich sehr spannend, mehr über mich selbst zu erfahren, weil ich mir sonst nicht so viele Gedanken über mich mache.

Buchcover Mein China - Reise ins Wunderland des Tischtennis von Timo Boll. Erscheinungsdatum 01.11.2011. Verlag: Schwarzkopf&Schwarzkopf

Buchcover "Mein China - Reise ins Wunderland des Tischtennis" von Timo Boll.

Sie haben in Ihrem Buch über den Besuch einer Shichahai-Elitesportschule in der chinesischen Hauptstadt Peking berichtet. Was ist für Sie der entscheidende Unterschied bei der Nachwuchsausbildung zwischen Deutschland und China?

Das war eine interessante Erfahrung. Ich habe Disziplin erwartet. Und meine Erwartung wurde bestätigt. Die Kinder haben genau getan, was der Trainer vorgegeben hat. Sie haben sehr hart an sich gearbeitet. Aber ich habe auch sehr viel Spielfreude erkannt, sogar richtigen Spielwitz. Die eine Seite ist Drill und Disziplin, durch die man vieles erreichen kann. Aber man braucht auch viel Kreativität in unserem Sport. Die habe ich auch gesehen. Das war mir sehr wichtig. Auch ich muss sehr hart an mir arbeiten. Das ist allerdings wesentlich später passiert als in China. Ich habe mit 16 Jahren meine Profikarriere begonnen. In China fangen die Kinder mit acht oder neun Jahren an. Sie trainieren zwei- bis dreimal am Tag. Da wird sehr gezielt gearbeitet. Das ist für uns Europäer kaum aufzuholen.

Finden Sie es schade, nicht in China geboren zu sein?

Mit dieser Frage haben wir uns in dem Buch auch beschäftigt. Einerseits weiß ich nicht, ob ich damit klargekommen wäre. Denn ich war als Schüler sehr bequem. Das hätte im chinesischen Tischtennissystem wahrscheinlich nicht richtig funktioniert. Andererseits hätte ich vielleicht noch andere Möglichkeiten gehabt. Ich hätte mich noch besser entwickelt, wäre noch stärker geworden. Aber das wissen wir eben nicht. Ich bin letztlich ganz froh, wie es bei mir gelaufen ist. Ich bin trotzdem ein guter Gegner für die Chinesen.

Wie kommen Sie mit diesem Ruhm in China zurecht? Sie sind in China ein absoluter Superstar. In Deutschland ist Tischtennis allerdings eher eine Randsportart.

Es entspricht eigentlich nicht meinem Naturell, in der Öffentlichkeit zu stehen. Es ist natürlich schön, Anerkennung zu bekommen, diese Euphorie zu spüren. Das freut einen, wenn der eigene Sport so populär ist. Dort wird Tischtennis oft im Fernsehen gezeigt. Das fehlt hier in Deutschland ein bisschen. Aber auch hier bin ich populärer geworden, werde ab und zu auf der Straße erkannt. Ich versuche, möglichst erfolgreich zu spielen, um meine Sportart noch bekannter zu machen.