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Sport

Timo Boll - Im Reich der Mitte nur Außenseiter?

Sein Kampf bei den Olympischen Spielen in Peking gleicht eigentlich dem gegen die berühmten Windmühlen. Der 27-jährige Deutsche Timo Boll will ausgerechnet in China, dem Mutterland des Tischtennis, eine Medaille holen.

Timo Boll am 2. Februar 2008 beim Tischtennis Europe Top 12 Turnier in Frankfurt am Main (AP Photo/Michael Probst)

"Bolls Werk" gegen chinesische Zelluloid-Artisten?

Der deutsche Tischtennis-Profi Timo Boll hat sie in seiner langen Karriere alle schon ein- oder sogar mehrere Male geschlagen: Den Weltranglisten-Ersten Wang Hao genauso wie den Zweiten Ma Lin und den drittplazierten Wang Liqin. Für eine olympische Einzel-Medaille müsste er aller Voraussicht nach gegen einen aus diesem chinesischen Top-Trio in Peking auf jeden Fall wieder gewinnen.

Da könne es nur von Vorteil sein, dass er trotz seiner großen internationalen Erfahrungen und Erfolge im Reich der Mitte im August nur ein Außenseiter sei, glaubt der 27-Jährige: "Die Chinesen werden noch mehr Druck haben als ich, da sie die absoluten Topfavoriten sind. Ich bin eigentlich in einer ganz angenehmen Jägersituation. Natürlich wünsche ich mir, dort eine Medaille zu gewinnen, aber ich kann sie nicht erzwingen."


Nicht verkrampfen, sondern aufs Wesentliche konzentrieren

Vor genau 20 Jahren begann Timo Bolls Karriere mit seinem aller ersten Turnier – damals war er sieben Jahre alt. In Peking nimmt er nun schon zum dritten Mal an Olympischen Spielen teil. Bei seiner Premiere 2000 in Sydney kam er am Ende auf Platz neun. Vor vier Jahren in Athen war nach einer 1:4-Niederlage gegen den Schweden Jan-Ove Waldner Endstation im Viertelfinale: "Dort hatte ich mir vielleicht zu viel Druck gemacht. Ich habe einfach ein bisschen verkrampft und nicht so gespielt, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich hoffe, dass ich es dieses Mal besser mache", so der Hesse.

Timo Boll bei den Mannschafts Weltmeisterschaften im AWD-Dome in Bremen am 30.04.2006 (Foto: Carmen Jaspersen dpa/lni (c) dpa - Bildfunk)

Timo Boll in Aktion

Das Olympiajahr begann für den Bundesligaspieler von Borussia Düsseldorf allerdings alles andere als günstig. Wegen einer Patellasehnenverletzung musste er im Februar und März mehrere Wochen pausieren. Erst bei den Deutschen Meisterschaften in Hamburg kehrte er an den Tisch zurück, verpasste dort aber seinen neunten nationalen Einzeltitel. Für das olympische Turnier ist Dirk Schimmelpfennig, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennisbundes, trotz allem zuversichtlich: "Timo hat eine besondere Stärke: Er ist sehr bodenständig und ein ausgeglichener Mensch. Ich glaube, er kann ganz gut mit dem Wirbel und dem Erwartungsdruck um ihn herum umgehen. Er ist jemand, der ruhig bleibt und sich auf den Sport, auf das Wesentliche konzentrieren kann."


Linkshänder kennt die Tricks der Chinesen

Jorg Roßkopf bei der TT-WM 2005 in Shanghai (EPA/MICHAEL REYNOLDS +++(c) dpa - Report)

Deutschland erfolgreichster TT-Spieler Jorg Roßkopf

Für die bisher größten Erfolge deutscher Tischtennisspieler bei Olympischen Spielen sorgte der heute 39-jährige Jörg Roßkopf. 1992 gewann er im Doppel mit Steffen Fetzner in Barcelona Silber. Vier Jahre später holte "Rossi" in Atlanta sensationell Bronze im Einzel. Boll und Roßkopf sind eng befreundet, sie spielten jahrelang in Gönnern in einer Bundesliga-Mannschaft. Das Geheimrezept für einen Medaillengewinn konnte aber auch Roßkopf ihm nicht verraten, so der amtierende dreifache Europameister: "Man braucht das nötige Quäntchen Glück und eine vernünftige Auslosung. Wenn das alles zusammentrifft, dann kann man es auch packen. Aber man darf es auch nicht zu verbissen sehen, sonst ist das meistens ein Schuss nach hinten."

Die Vorbereitung für seine dritte Olympiateilnahme war auf jeden Fall nahezu perfekt. So hat Boll vor zwei Jahren sogar extra mehrere Monate in China gelebt, trainiert und gespielt. Der Linkshänder kennt also fast alle Tricks der chinesischen Stars. Der Deutsche ist in Asien sogar selbst ein Star. So wurde er z.B. bei einer Publikumswahl zum attraktivsten Sportler weltweit gekürt – und sogar noch vor dem englischen Fußballschönling David Beckham.

Serie «Olympische Sportarten»:

Das Dossier zur Serie:

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