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Wirtschaft

Tierschützer und Tourismusbranche ziehen an einem Strang

Sie sind allseits beliebt und gehören dennoch zu den bedrohten Tierarten: Delfine. Tierschützer und die Tourismusbranche schmieden nun eine Allianz zum Schutz der Meeressäuger.

Ein Delfin in den Gewässern vor Key Largo, Florida (Quelle: AP)

2007 ist das Internationale Jahr des Delfins

Das UN-Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten, die so genannte "Bonner Konvention", widmet sich weltweit dem Schutz von Wildtieren, die internationale Grenzen überschreiten. Die Konvention hat das Jahr 2007 zum "Internationalen Jahr des Delfins" erklärt und Unternehmen des privaten Sektors sowie internationale Organisationen aufgefordert, gemeinsam für den dringenden Schutz dieser Meeressäuger zu werben.

Ideale Leitfigur für Naturschutzkampagnen

Neugeborener Delfin mit Mutter (Quelle: dpa)

Neugeborener Delfin mit Mutter

"Der Delfin ist eines der letzten Glieder in der Nahrungskette. Viele der Tierarten, von denen er sich ernährt, und von denen die Ökosysteme der Meere abhängen, sind ebenfalls bedroht", erläutert Robert Hepworth, Exekutivsekretär der Bonner Konvention. "Wenn wir den Delfin hervorheben, dann, weil er im Prinzip für das gesamte Leben im Meer steht."

Von seinem Büro in Bonn aus koordiniert und unterstützt Hepworth weltweite Aktivitäten, um wandernde wild lebende Tierarten zu schützen. Tierarten, deren Schutz international geregelt werden muss, da sie grenzüberschreitend leben - Tiere wie der Delfin, der auch wegen seines sympathischen "Lächelns" als ideale Leitfigur für Naturschutzkampagnen gilt. Solchen UN-Kampagnen fehlt jedoch häufig das Geld für weltweite Aufklärungsprojekte.

Deswegen freut sich Hepworth, dass der Reisekonzern TUI das Jahr des Delfins unterstützt. "Wir arbeiten in gewisser Weise auch im Reisesektor, da wir uns ja mit wandernden Tierarten beschäftigen", erklärt Hepworth. "Wir sind eine UN-Organisation mit Sitz in Deutschland. TUI ist wahrscheinlich der weltweit größte unabhängige Reiseveranstalter, und er hat seinen Sitz auch in Deutschland. Von daher lag er für uns als Partner nahe." Abgesehen davon habe TUI selbst ein komplexes Umweltschutzprogramm. In den letzten Jahren hätte sich das Unternehmen an verschiedenen, dem Umweltschutz gewidmeten UN-Aktionen beteiligt, lobt Hepworth.

Vorteile für das Firmen-Image

Logo von TUI

Der Reisekonzern TUI hat ein komplexes Umweltschutzprogramm

Michael Iwand, TUI-Direktor für Konzern-Umweltmanagement und Nachhaltige Entwicklung, sieht gute Gründe dafür, sich für den Schutz der Meeressäuger einzusetzen. "Dem Tourismus und damit der TUI liegt besonders das Thema Naturschutz am Herzen, den wir unter dem internationalen Thema Biodiversität zusammenfassen - biologische Vielfalt. Da geht es um das System und die Vielfalt aller Pflanzen, Tiere, um das Ökosystem. Wenn Sie daran denken, dass die Entnahme nur eines Tieres aus dem Ökosystem das ganze System in Frage stellen kann, dann wissen Sie, warum der Delfin, der gefährdet ist, hier im Grunde genommen schon Teil unseres Frühwarnsystems sein muss."

Da sich Touristen über eine intakte Umwelt freuen, liegt es im Interesse der Reisebranche, solche Kampagnen zu unterstützen. Sie sind natürlich auch vorteilhaft für das Image der beteiligten Firmen. Aber wie stehen Umweltschützer zu einer solchen Partnerschaft? Die Whale and Dolphin Conservation Society (WDC) ist dem Schutz der Wale und Delfine verpflichtet. Die Organisation gehört zu den Partnern der "Bonner Konvention" im Jahr des Delfins. Nicholas Entrup, der Geschäftsführer von WDC Deutschland, sieht überwiegend Vorteile in der Partnerschaft mit der Wirtschaft. Es sei Aufgabe der TUI zu gewährleisten, in der Beobachtung der Tiere eine Nachhaltigkeit einzubringen, die garantiere, dass man keine negativen Auswirkungen auf lokale Delfinpopulationen habe, so Entrup. Mit dem Engagement des Reisekonzerns ist Entrup zufrieden: "Es gibt hier sehr progressive Ansätze, um zu zeigen, dass Tourismus auch anders geht."

Gefährdung durch Überfischung

Ein toter Delfin liegt im Hafen von Plymouth in Großbritannien (Quelle: dpa)

Jedes Jahr verenden nach Angaben der Umweltstiftung WWF mehr als 300.000 Delfine, Tümmler und Wale in Fischernetzen

Es gibt zur Zeit 34 marine und fünf Flussdelfinarten. Einige dieser Arten, vor allem unter den Flussdelfinen, sind vom Aussterben bedroht. Wie Nicholas Entrup erklärt, ist die Hauptbedrohung für die Meeressäuger die Fischerei. Vor allem der so genannte Beifang, also der nicht beabsichtige Fang von Delfinen in Fischernetzen, verursache jährlich Hunderttausende Delfintode. Ein weiteres Problem sei die Überfischung. "Wir haben Belege, dass das in einigen Regionen bereits Ursache für den Rückgang von Delfinpopulationen, vor allem in Küstengewässern, ist", erläutert Entrup.

Aber auch die Technik unserer modernen Welt stellt eine Gefahr für die Delfine dar. "Delfine leben in einer akustischen Welt, sie sind auf Schall angewiesen. Je lauter die Meere werden - vor allem durch starke Lärmquellen wie seismische Untersuchungen oder militärische Aktivitäten -, desto mehr werden diese Tiere aus ihrem Lebensraum vertrieben", sagt der Geschäftsführer von WDC. Dies könne sogar zu physischen Schäden bis zum Tod der Tiere führen, so Entrup.

Bildungskampagne in Planung

Vier Delfine im Delfinarium (Quelle: dpa)

Delfine im Delfinarium in Hardewijk (Niederlande)

Im Laufe des Jahres wollen die Partner auf diese Gefahren sowie auf die Bedrohung durch Umweltverschmutzung und den Klimawandel aufmerksam machen. Die TUI will ihre Gäste mit dem Jahr des Delfins bekannt machen. "Wir werden uns dabei besonders auf junge Zielgruppen - das heißt Kinder und Jugendliche - konzentrieren", sagt Michael Iwand. Geplant sei eine Bildungskampagne in allen TUI-Reisegebieten, um dort den Kindern und Lehrern den Wert der Delfinpopulationen in ihren Gewässern näher zu bringen. Der Reisekonzern wird zudem zehn konkrete Delfinschutzprojekte in unterschiedlichen Ländern unterstützen und in Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesregierung ein internationales Symposium zum Thema Delfinschutz veranstalten.

Der Delfin ist schon auf Reisekatalogen für 2007 zu sehen. Aber besteht nicht die Gefahr, dass das Jahr des Delfins unter all den von der UN einem Thema gewidmeten Internationalen Jahren und den dazugehörigen Veranstaltungen untergeht? Der Chef der "Bonner Konvention" Robert Hepworth ist sich der Gefahr bewusst, bleibt aber optimistisch: "Bei manchen Kampagnen, wo ein Jahr einem bestimmten Thema gewidmet ist, hat man wirklich das Gefühl, sie werden in den Anfangsstadien stecken bleiben, aber in diesem Falle ist das glaube ich anders. Es wird viele Aktionen geben, und die Kampagne wird auf der ganzen Welt sichtbar sein." Man hoffe, dass man bis zum Ende des Jahres Millionen von Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht haben werde.

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