Tierleben als Auktionsware: Jagen, um zu schützen? | Wissen & Umwelt | DW | 02.02.2018
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Tierschutz

Tierleben als Auktionsware: Jagen, um zu schützen?

Beim Safari Club International kommen Luxusreisen für Jäger unter den Hammer - Weidmannsheil garantiert. Während die Organisation dies im Namen des Wildschutzes anpreist, fordern Artenschützer das sofortige Verbot.

In Las Vegas findet noch bis zum 3. Februar eine Auktion der besonderen Art statt: die jährliche Convention von "Safari Club International" (SCI). Der internationale Jagdverband zählt über 50.000 Mitglieder, die Hälfte von ihnen ist bei dem Treffen anwesend - schließlich locken reizvolle Angebote:

Auf der Agenda steht unter anderem das Jagdrecht für rund 740 Tiere weltweit, in einem Wert von über vier Millionen Euro. Der glückliche Auktionsgewinner darf das Tier dank offiziell erworbener Lizenz erlegen. In einem Onlineshop finden sich neben allerlei Jagdzubehör, Schmuck oder Bierdeckeln mit "SCI"-Logo auch die aktuellen Auktionen. Unter der Kategorie "Big Game" finden sich Reisen, auf denen wahlweise Braun- oder Schwarzbären, Hirsche oder Büffel gejagt werden. Wem das eine Nummer zu groß ist, der kann Vögel schießen oder Fische fangen.

 Screenshot Webseite Safari Club International Jagdreisen (www.showsci.org)

Auf der Webseite der SCI-Convention werden die Jagdauktionen als All-inclusive-Urlaub angeboten

Pro-Tierschutz und Anti-Wilderei 

So paradox es nach diesem Einblick vielleicht klingen mag: Der Safari Club International sieht sich nach eigenen Angaben auch dem Tierschutz verschrieben und hat eigens die "SCI Foundation" gegründet. Jedes Jahr würden Millionen Dollar in den Schutz von Wildtieren fließen, heißt es auf der Webseite. Die Jagd spiele bei der Erhaltung der Artenvielfalt eine wichtige Rolle. Seit 2000 seien über 80 Tierschutzprojekte in über 27 Ländern finanziert worden.

Wilderei verurteilt der SCI: "Hunters are not poachers, poachers are not hunters" ("Jäger sind keine Wilderer, Wilderer sind keine Jäger", mit diesem Slogan möchte sich die Organisation von dem Wilderer-Image distanzieren. 

Jagd-Tourismus für mehr Nachhaltigkeit

Aber wo beginnt Wilderei, wo Wildschutz? Der "World Wide Fund for Nature" (WWF) hat dazu extra eine Stellungnahme veröffentlicht. Danach lehnt der WWF "jede Form von Jagd ab, die nicht höchsten Anforderungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit (Erhalt der bejagten Arten), des Tierwohls (möglichst schmerz- und störungsfrei jagen) und der Tierwürde (ethische Grundsätze, Verwertung erlegter Tiere) entspricht". Eine allein auf die Gewinnung und öffentliche Zurschaustellung von Trophäen ausgerichtete Jagd entspreche diesen Grundsätzen nicht. 

Aber "wir haben lernen müssen - was für Naturschützer eine Herausforderung ist - dass unter gewissen Umständen eine geregelte Jagd im Sinne des Naturschutzes toleriert werden muss, denn sie dient der Armutsbekämpfung und damit auch der Bekämpfung der Wilderei," so WWF-Sprecher Roland Gramling in einem früheren DW-Interview.

Somit verlangt der WWF, dass Jagdtourismus, dort wo er ausgeübt wird, dazu beitragen muss, Wildtiere in Wert zu setzen und die lokale Bevölkerung durch Beteiligung an den Erlösen zu aktiven Förderern intakter Wildtierpopulationen zu wandeln.

Las Vegas Safari Club International Convention 2015 (Imago/Zuma)

Dem Safari Club International geht es nach eigener Aussage auch um Tierschutz

Philipp Göltenboth vom WWF sagt, dass er die Faszination am Abschießen von Löwen oder Elefanten absolut nicht nachvollziehen kann. Dennoch sei die Trophäenjagd in einigen Gebieten, in denen der WWF arbeitet, Realität. "Wenn wir im südlichen Afrika in die Dörfer kommen und den Menschen sagen, ihr dürft keine Wildtiere jagen und müsst ertragen, dass sie eure Felder verwüsten oder eure Rinder reißen, werden wir keinen Erfolg haben."

Deshalb gebe es das Konzept der "Conservancies" (Gemeindeschutzgebiete). Danach können Gemeinden Trophäenjägern oder einem Fotosafariunternehmen erlauben, eine Lodge zu bauen und im Gegenzug am Umsatz beteiligt werden. "Für die ländliche oft verarmte Bevölkerung ist das manchmal eine der wenigen Chancen, überhaupt Geld zu verdienen", sagt Göltenboth. "Deshalb nehmen wir die geregelte Jagd unter sehr engen Kriterien hin."

Die Grenze zwischen kontrollierter Trophäenjagd und Wilderei seien zwar manchmal fließend, aber die geregelte Jagd sei grundsätzlich noch mal anders zu bewerten. Hier dürfen nur bestimmte, vorher ausgewählte Tiere erlegt werden, damit der Bestand insgesamt nicht gefährdet wird.

Korruption vor Tierwohl

Genau das ist aber auch ein großes Problem bei der kontrollierten Jagd. "Oft werden die Zahlen zu hoch angesetzt", sagt Immo Fischer, WWF-Pressesprecher, "weil es Kasse macht." Wo genau der Auktionserlös hingeht, was damit passiert, sei nur schwer nachvollziehbar. 

Das kritisiert auch die US-Tierschutzorganisation "Humane Society." Sie fordert einen gänzlichen Stopp der Jagdauktionen, deren Erlös nicht dem Tierwohl zugute kommt. Die jährliche Versteigerung des SCI bringt laut "Humane Society" "beträchtliche finanzielle Mittel" mit sich. Es seien 12 Millionen Euro im Jahr 2016 gewesen. Diese würden genutzt, um "aktiv gegen Maßnahmen vorzugehen, die den Schutz bedrohter Arten in der ganzen Welt erhöhen", heißt es in einer Erklärung.

Zum Beispiel hätte der SCI in 2017 das "African Wildlife Consultative Forum" in Tansania veranstaltet. Bei der Konferenz machte die amerikanische Behörde "U.S. Fish and Wildlife Service" eine umstrittene Ankündigung: Trophäenimporte aus Simbabwe und Sambia sollten in Zukunft legal sein. 

"Nach dem weltweiten Aufschrei im November über die Einfuhr von Elefanten- und Löwentrophäen in die USA hoffen wir, dass dies als Weckruf für alle Nationen dienen wird, das Töten zu beenden", so Mascha Kalinina, zuständig für internationale Handelspolitik bei der Humane Society.

Big Five auf der Abschussliste

Unter den diesjährigen Auktionen des SCI finden sich für einen extra-großen Obolus auch die sogenannten "Big Five". Dieses besonders exklusive Angebot beinhaltet Elefanten, Nashörner, Löwen und Leoparden.

Wie wäre es zum Bespiel mit einer 21-tägigen Leopardenjagd in Tansania (42.000 USD) oder 10 Tage Namibia mit Elefanten für 22.000 US-Dollar. Das Horn als Jagdtrophäe ist jedoch nicht im Angebot enthalten.

Die Humane Society alarmiert, dass diese großen Fünf allesamt "vom Aussterben bedroht sind". Indes ist WWF-Sprecher Immo Fischer der Meinung, dass sich dies - trotz aller Emotionen, die dieses Thema beinhaltet - nicht so einfach nachweisen lässt.

"Afrika ist ein großes Land. Während an einem Ort der Elefant wirklich vom Aussterben bedroht ist, gibt es an anderer Stelle, zum Beispiel Botswana, zu viele." Die Bestände seien regional sehr unterschiedlich und rein wissenschaftlich sei das Freigeben einzelner Tiere deswegen an manchen Orten "in Ordnung".

Schwieriger Kompromiss

Auf die Frage, wie ernst es dem Safari Club mit dem Tierwohl ist, sieht Fischer noch Verbesserungspotenzial. Selbst für den WWF sei der "Kompromiss schwer", die kontrollierte Trophäenjagd zu dulden.

Der SCI dürfte dagegen noch einmal ganz andere Interessen haben, meint der Umweltschützer: "Natürlich rühmen die sich, die besten Absichten zu haben, sie brauchen schließlich eine politische Rechtfertigung."

Bildergalerie: Waidmannsheil: Die Lust am Jagen 

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