1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Alltagsdeutsch – Podcast

Tierisches

Mensch und Tier haben ein widersprüchliches Verhältnis. Das spiegelt sich auch in der Sprache wider. Verliebte Turteltauben betiteln sich gegenseitig mit "Mäuschen", ein Streithahn nennt den anderen "blöde Kuh".

Sprecherin:

Mensch und Tier verbindet eine uralte Beziehung. Seit jeher ist das Verhältnis zwischen dem "Homo Sapiens" und den Tieren ein widersprüchliches: Es schwankt zwischen Ausbeutung und Zuneigung. Einerseits lebt der Mensch vom Fleisch der Tiere, er isst ihre Eier, trinkt ihre Milch und nutzt ihre Arbeitskraft. Andererseits haben Menschen von Beginn an Tiere als Gottheiten verehrt und ihnen magische Fähigkeiten zugesprochen. In den Tiergestalten unserer Märchen ist davon noch etwas zu spüren.

Sprecher:

Diese Nähe zum Tier spiegelt sich in den Sprachen aller Völker wider. Auch im Deutschen enthalten unzählige sprachliche Ausdrücke – Bilder, Vergleiche und Wortbildungen – einen Tierbezug. Oft allerdings sagt diese Tiermetaphorik weniger über Zoologisches aus als vielmehr über menschliche Charaktere und zwischenmenschliche Beziehungen. Bis heute erleben Menschen Tiere als Gefährten und suchen Trost bei ihnen. Einen besonderen Reiz üben die exotischen Tiere aus. Denen begegnen wir auch im Zirkus und im Zoo:

Christoph Schwitzer:

"Die Leute gehen so gerne in den Zoo, weil es für die meisten immer noch nicht erschwinglich ist, die Tiere im Freiland zu sehen. Also man fliegt nicht einfach mal nach Afrika oder Asien oder wo auch immer hin, um solche Tiere dort zu sehen. Es ist natürlich viel einfacher, wenn man hier mit der Bahn drei Stationen fährt und dann im Kölner Zoo eine ganze Auswahl von verschiedenen Tieren sehen kann."

Sprecherin:

Zoo ist die Kurzform von Zoologischer Garten. Christoph Schwitzer ist Tierforscher im Kölner Zoo. Hier werden etwa 600 verschiedene Tierarten gehalten, die meisten davon fern ihrer ursprünglichen Heimatländer. Rund 6000 Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere leben hier. Sie brauchen täglich Futter und Pflege. Besondere Publikumslieblinge sind bestimmte Säugetiere. Die heißen so, weil ihre Jungen von der Mutter mit Milch gesäugt werden. Kein Wunder, dass der Mensch sie besonders mag – biologisch gesehen gehört er selbst zur Gattung dieser Säuger. Seine engsten Verwandten sind – der Name spricht für sich - die Menschenaffen wie Gorillas, Orang-Utans oder Schimpansen. Weiter zählen Bären, Giraffen, Elefanten und Zebras zur selben Familie, den Säugern, aber auch die großen Raubkatzen wie Löwen, Panther und Tiger.

Ruth Trimmborn:

"Ich glaube die meisten Leute denken, dass die furchtbar wild und gefährlich sind und eigentlich den ganzen Tag aggressiv. Und das ist das, was die Leute so fasziniert daran. Es gibt einige wenige, die sich wirklich ernsthaft mit Katzen beschäftigen und die wissen, dass Katzen sehr faul sind, also sich außerhalb ihrer Beute-, Fangzeit sehr wenig bewegen, und die das eben auch mögen. Also man muss, um Katzen in Aktion zu sehen, sehr viel Geduld haben im Zoo."

Sprecher:

Ruth Trimmborn kümmert sich im Kölner Zoo um die Löwen, Leoparden und Tiger. Früher nannte man Leute wie sie Zoowärter, heute ist die offizielle Berufsbezeichnung Tierpfleger. Ruths Schützlinge fressen mehrere Kilo Fleisch am Tag. Anders als in freier Wildbahn, also in ihrer natürlichen Umgebung, müssen sie im Zoo ihre Beutetiere nicht selbst fangen. Die Pfleger versorgen sie mit Futtertieren, füttern sie also beispielsweise mit Hühnern oder Kaninchen. Vom Fressverhalten der Löwen leitet sich der Ausdruck Löwenanteil ab.

Ruth Trimmborn:

"Löwen sind sehr futterneidisch. Da die aber in Gemeinschaft jagen, versucht natürlich jeder, sich seinen Anteil zu sichern. Und das ist bei den afrikanischen Löwen so, dass der Pascha, also der Löwenmann, zuerst frisst - der kriegt den Löwenanteil, den Riesenanteil – und die anderen müssen sich den Rest teilen."

Sprecher:

Der Begriff Löwenanteil geht aber auch auf eine Fabel, eine Tierdichtung des griechischen Dichters Äsop, zurück. Dieser "Vater der europäischen Fabel" erzählte im 6. Jahrhundert vor Christus, wie der Löwe nach einer gemeinsamen Jagd mit dem Esel und dem Fuchs die gesamte Beute für sich beanspruchte. Auch die Redensart "sich in die Höhle des Löwen wagen" stammt ursprünglich aus einer von Äsops moralisierenden Tiererzählungen, die menschliches Verhalten spiegeln. Mit den biologischen Fakten stimmt sie allerdings nicht überein, meint Trimmborn.

Ruth Trimmborn:

"Man sagt zwar, "man wagt sich in die Höhle des Löwen", aber eigentlich ist es Quatsch. Der Löwe ist kein Höhlenbewohner, der lebt in der freien Savanne oder der indische Löwe im lichten Wald und überhaupt nicht in Höhlen. Ich denke mal es geht einfach darum, sich der Gefahr auszusetzen, ins Unbekannte zu gehen und sich da auf ´n Kräftemessen einzulassen, ohne wirklich zu wissen, was auf einen zukommt."

Sprecher:

Der Löwe als Inbegriff von Stärke und Macht taucht in unterschiedlichen Wortbildungen auf. Ein Partylöwe ist jemand, der gerne Partys besucht und dort ganze Festgesellschaften unterhält, ein Baulöwe ist ein ebenso mächtiger wie skrupelloser Bauunternehmer. Außerdem gilt der Löwe als "König der Tiere" und als außergewöhnlich mutig. Dieser Vorstellung gemäß sprechen wir von Löwenmut. In der deutschen Sprache gibt es sehr viele Beispiele, bei denen Tiere für Redewendungen oder geflügelte Worte Pate gestanden haben. Umgangssprachlich könnte man auch sagen: Es gibt "tierisch" viele Beispiele dafür, dass Tiere auch in sprachlicher Hinsicht eine große Rolle spielen. Besonders Kinder und Jugendliche benutzen heute das Adjektiv tierisch anstelle von sehr - etwa wenn sie sagen "ich bin tierisch müde" oder "ich habe tierischen Hunger". Zwar hat unsere Sprache zahlreiche Tiervergleiche geprägt. Diese spiegeln jedoch oft eher unser menschliches Verhalten wider als die biologischen Realitäten der Tiere. Pfleger Arno Schulz kommentiert eine Redensart über sein persönliches Lieblingstier, den Elefanten.

Arno Schulz:

"Es gibt ja den Spruch "ein Elefant im Porzellanladen". Das kann man aber eigentlich nicht bestätigen, weil die sind sehr feinfühlig. Sie sind keine groben Klötze, die einfach irgendwo rumtrampeln, sondern sie wissen ganz genau, wo sie hintreten. Mit ihren Füßen machen die weniger kaputt als Menschen. Oder man nimmt ‘ne Frau als Vergleich, die Stöckelschuhe anhat. Ein Model oder so, die über ´n Laufsteg läuft, die macht mehr kaputt als ´n Elefant."

Sprecherin:

Elefanten heißen auch Dickhäuter – genau wie Nashörner und Flusspferde. Der Elefant hat tatsächlich eine dicke Körperhaut. Der Ausdruck jemand hat eine dicke Haut im Sinne von jemand ist unsensibel trifft auf den Elefanten jedoch gerade nicht zu. Er ist eben kein grober Klotz, sondern im Gegenteil, sehr empfindsam. Und das trotz seiner für den Menschen eindrucksvollen körperlichen Größe – immerhin ist der Elefant das größte auf dem Land lebende Säugetier. Im Anklang an diese imposante Erscheinung nennt man eine Gesprächsrunde mit Spitzenpolitikern auch Elefantenrunde.

Sprecher:

Tiernamen begegnen uns sowohl in deutschen Vornamen als auch in Familiennamen. In der germanischen Tradition wünschte man dem Träger eines Tiernamens auch die Eigenschaften des betreffenden Tieres. Der Name Bernhard zum Beispiel enthält den Wunsch, der Benannte möge so stark wie ein Bär sein. Eine Beziehung zum Eber, zum männlichen Schwein, drückt der Name Eberhard aus. Im zweiten Teil der Vornamen Bertram und Wolfram steckt der Rabe. Zu den zahlreichen von Tieren abgeleiteten Nachnamen im Deutschen gehören beispielsweise Adler, Hahn, Fuchs, Fink, Lamm oder Wolf.

Sprecherin:

Auch die Umgangssprache überträgt viele Tiernamen auf den Menschen. Im Positiven wie im Negativen. Als Koseworte sind besonders die Namen kleiner, niedlicher Tiere beliebt – allen voran Maus und Hase. In ihrer Verkleinerungsform Mäuschen beziehungsweise Häschen verwendet man sie als liebevolle Anrede für Kinder. Ebenso verbreitet ist es, Tiere für Beschimpfungen heranzuziehen: du Hund, du Schwein, du Sau, du Esel. Solche Tiernamen sollen den Beschimpften erniedrigen und auf eine untere menschliche Stufe drücken. Um ihre Beleidigungskraft noch zu steigern, ergänzt man sie oft durch ein abwertendes Adjektiv, zum Beispiel dumme Kuh oder blöde Ziege. Eigentlich ist das ein sprachlicher Missbrauch, der dem jeweiligen Tier Unrecht tut, findet Affenpfleger Klaus Pyszora.

Klaus Pyszora:

"Wenn einer zu mir sagen würde: "Du Affe", also ich empfände es nicht mehr als Beleidigung. Man sagt immer: "Du dummer Affe"– das ist eigentlich nicht der Fall. Wenn man sich mit dem Affen näher beschäftigen würde, dann würde man sich die Frage stellen: Wer ist eigentlich dümmer - der Affe oder der Mensch?

Sprecherin:

Wer nicht dumm sein will, muss lernen und sich fortbilden. Dabei will der moderne Zoo behilflich sein – und den Besuchern Kenntnisse über die gezeigten Tiere vermitteln. Denn heutigen Stadtkindern fehlt es häufig an Grundwissen über Tiere, deren Bedürfnisse und Verhaltensweisen:

Christoph Schwitzer:

"Zoos werden häufig auch als die moderne Arche Noah bezeichnet. Das Prinzip, was dahintersteckt, ist einfach eben auch, dass Noah viele Tiere während der Sintflut auf sein Schiff geholt hat und sie nachher wieder freigelassen. So was machen wir im übertragenen Sinne in den Zoos auch, in dem wir in den Zoos Populationen von in der Natur stark bedrohten Tierarten halten und nachzüchten und diese möglicherweise, falls es nötig ist, wieder ins Freiland zurückbringen."

Sprecher:

Noah aus dem Alten Testament rettete ein Paar jeder Tierart – und ermöglichte damit das Überleben der jeweiligen Rasse. Nach ähnlichem Muster wollen heute die Zoos ihren Beitrag zum Artenschutz leisten. Alle guten Absichten können über eines aber nicht hinweg täuschen: Im Zoo leben Tiere auch heute noch als Gefangene. Die traurige Erfahrung der eingesperrten Kreatur - der deutsche Lyriker Rainer Maria Rilke schildert sie eindringlich in seinem Gedicht "Der Panther". Dort heißt es eingangs.

Zitat:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

so müd geworden, dass er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

und hinter tausend Stäben keine Welt.

Sprecher:

Die Stäbe, von denen da die Rede ist, sind die Gitterstäbe eines Käfigs – des Symbols der Unfreiheit schlechthin. Immerhin bemüht man sich heute, die Zootiere möglichst nicht mehr in Käfigen zu halten. In modernen Tieranlagen, die möglichst dem natürlichen Lebensraum der Tiere entsprechen sollen, sind Gitter oft durch Glassscheiben ersetzt. Heike Bergmann setzt sich aktiv für den Tierschutz ein. Als Mitglied im "Bund gegen den Missbrauch der Tiere" kämpft sie gegen Tierversuche und…

Heike Bergmann:

"Zum Beispiel Tiertransporte, dass sich da einfach die ganzen Verhältnisse für die Tiere verbessern, die Transportzeiten kürzer werden, die ganzen Begebenheiten, wie Tränken an den Autobahnraststätten eingehalten werden, das ist ein sehr harter Kampf. Genauso wie bei Massentierhaltung, dass die Gegebenheiten für die Tiere sich bessern. Ein konkretes Beispiel ist jetzt der Slogan "kein Ei mit der Drei" – die Kennzeichnung von Eiern. Da auch diese ganze Aufklärung zu betreiben: dass die Drei eben bedeutet: Legebatterie. Dass die Menschen sich wirklich mal klarmachen: was das bedeutet, wenn ein Huhn in einer solchen Legebatterie sitzt und da über Jahre leiden muss."

Sprecherin:

In der deutschen Sprache kommen die beliebten Haustiere Hund und Katze häufig in sprachlichen Wendungen vor. Wem es richtig schlecht geht, der fühlt sich hundeelend oder gar hundsmiserabel. Hundsgemein bedeutet so viel wie sehr unfair. Das Sprichwort "Hunde, die bellen, beißen nicht" meint auf den Menschen übertragen: Je lauter jemand schreit, desto ungefährlicher ist er. Ein Katzensprung bezeichnet eine sehr kurze Strecke. Die Katze lässt das Mausen nicht drückt aus, dass es schwer fällt, auf lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten. Und:

Heike Bergmann:

"Wie eine Katze um den heißen Brei herumschleichen" heißt ja, dass man etwas erreichen will und sich nicht da sicher ist, wie man das angehen soll, wie man es jemandem vermitteln soll und dann versucht man es, glaub ich, so´n bisschen hintergründig. Bei Katzen in der Wirklichkeit kann ich mir das gar nicht vorstellen. Es sei denn die Katze will wirklich an etwas dran, an ´ne Nahrung, die kochend heiß zubereitet ist, da würde sie sich das mit der Pfote herausfischen und dann mal vorsichtig antesten und durch die Gegend schubsen und schubbeln. Aber normalerweise, wenn ´ne Katze irgendwo dran will, geht sie auch dran."

Fragen zum Text

Ein Partylöwe ist…

1. jemand, der gern Partys besucht.

2. ein besonders großer und mutiger Löwe.

3. jemand, der immer den Löwenanteil für sich beansprucht.

Jemand, der tierisch müde ist,…

1. ist überhaupt nicht müde.

2. ist sehr müde.

3. ist nur ein wenig schläfrig.

Elefanten heißen auch…

1. Dünnhäuter.

2. Dickhäuter.

3. Grauhäuter.

Arbeitsauftrag

A wie Affe, Z wie Zebra - schreiben Sie zu jedem Buchstaben des Alphabets ein Tier auf!

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema