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Alltagsdeutsch – Podcast

Tierische Redewendungen

Die Katze im Sack kaufen oder der Hahn im Korb sein – im Deutschen gibt es viele Redewendungen aus der Tierwelt. Vielleicht sogar zu viele. Denn viele Menschen kennen die Bedeutung der tierischen Redewendungen kaum.

Sprecherin:

Also, die Deutschen mit ihren seltsamen Redewendungen, die kein Mensch versteht: Weshalb werden zum Beispiel Katzen hier in Säcken verkauft? Gut, so weit weiß ich nun Bescheid: Alle diese Tier-Sprichwörter sollen also ihren Ursprung auf dem Land haben. Wo könnten die Leute besser Bescheid wissen als dort, wo man noch täglich mit Kuhhäuten, Hammelbeinen und Schweinen zu tun hat. Also, auf ins Bergische Land zwischen den Flüssen Ruhr und Sieg: Hier reiht sich ein Dorf an das andere, und hier soll es noch die meisten Landwirte auf einem Fleck geben. Einer von denen kann mir bestimmt erklären, warum die Leute manchmal, wenn man ihnen ausgiebig etwas erzählt, wie aus heiterem Himmel rufen: Das geht ja wohl auf keine Kuhhaut!

Umfrage:

"Wenn man ein Problem hat, dat so groß, also noch größer ist als die große Kuhhaut schon als solches. / Wenn ich mich aufrege. / Wenn es einem zu viel wird. Oder wenn einer so lang geärgert wird, bis einem der Kragen platzt un sagt, dat geht auf keine Kuhhaut, dat mach ich nicht mehr mit. / Zum Beispiel wenn jemand mir eine hanebüchene Geschichte erzählt, total angibt und palavert – dann würd ich schon sagen, dat geht auf keine Kuhhaut."

Sprecher:

In der Bedeutung des Sprichwortes ist man sich so recht einig. Wir befinden uns hier im Bergischen Land. Wieder einmal in einem richtigen Dialektgebiet: "Das" heißt "dat", beim "und" wird das "d" einfach verschluckt und zu "un" verkürzt und, was ganz typisch für die bergische Sprechweise ist: Das ch wird fast immer als sch gesprochen. So ergibt sich disch und misch, und die "Geschischte" hat einfach ein weiches "sch" mehr dazu bekommen. Dass dem jungen Mann allerdings der Kragen platzt, wenn er sich ärgert, das ist kein typisches bergisches Phänomen, sondern wieder ein Sprachbild: Wer sich aufregt, dem schwellen vor Zorn die Adern am Hals, und wer sich ganz besonders aufregt, dem droht halt der Kragen zu platzen. Und das kann eben leicht geschehen, wenn man sich stundenlanges Palavern anhören muss und hanebüchene Geschichten. Palavern ist ein portugiesisches Wort und heißt Erzählung. Die seefahrenden Portugiesen benutzten es besonders für die langwierigen Verhandlungen mit Eingeborenen an fremden Küsten, und so bedeutet Palaver auch heute noch: endlos langes Gerede, Geschwätz über Nichtigkeiten. Hanebüchen schließlich heißt unglaubwürdig und wird meistens in der Kombination gebraucht: hanebüchener Unsinn! Übrigens hat es nichts mit dem Hahn zu tun, sondern wurde schon im 17. Jahrhundert vom extrem knorrigen und derben Holz der Hagenbuche abgeleitet. Woher kommt jetzt aber die Sache mit der Kuhhaut? In der mittelalterlichen Sage notierte der Teufel die Sünden der Menschen auf Pergament, um sie beim jüngsten Gericht gegen sie zu verwenden. Eigentlich verarbeitete man damals Kalbs- und Schafshäute zu Pergament, aber wenn die Sünden des Menschen noch nicht einmal auf der Haut des noch viel größeren Tieres Platz fanden, dann musste das schon ein ganz unbeschreiblich schlimmer Zeitgenosse gewesen sein. Das ging dann auf keine Kuhhaut mehr. Heute aber hat sich die Redensart längst verselbständigt: Ohne dabei mehr an den Teufel zu denken, wird sie ganz salopp gebraucht, wenn jemand hanebüchenen Unsinn erzählt.

Sprecherin:

Wer hätte gedacht, dass bei diesem harmlosen Sprichwort der Teufel seine Geschäfte treibt? Aber anderswo geht es ja auch nicht immer friedlich zu. Vorhin zum Beispiel habe ich erlebt, wie ein Bauer fürchterlich mit seinem Knecht geschimpft hat. "So ein Saustall!" hat er geschrieen. Dabei standen sie in der Scheune! Es ist kaum anzunehmen, dass in das Durcheinander von Werkzeugen und Geräten auch noch Schweine gepasst hätten. Was meinte der Bauer also?

Umfrage:

"Von den Kindern, wenn die ihre Zimmer nicht aufräumen, dann sage ich: Mein Gott, bei euch sieht's aus wie im Saustall. Der Sau – oder der Schweinestall ist ja auch nicht gerade vorbildlich. Die Schweine machen Mist und Dreck. Und daher kommt dat. / Wenn man schon reinkommt, und es sieht aus wie in der Mülltonne, mit Kraut und Rüben durcheinander, und wenn man nix anpacken kann, und überall stehen die Prötteln, und da kann man sagen: es sieht aus wie im Saustall. / Wie bei Hempels unterm Sofa. / Wie Sau, krosig, unordentlich schmutzig, nichts in der Reihe. Im Kinderzimmer, da sieht es öfter so aus."

Sprecher:

Wer kein Bauer ist und trotzdem einen Saustall hat, lebt also in Unordnung. Das bedarf nicht mehr vieler Erklärungen. Allerdings soll das nun nicht heißen, dass jemand, der viel Schwein hat, besonders schmutzig ist! Ein Schwein ist nämlich auch ein Glückssymbol. Der Unterschied ist eben, ob man eins hat oder sich wie eines benimmt. Ob man Kraut und Rüben frißt oder ob es wie Kraut und Rüben aussieht. Nämlich so durcheinander wie in einem Kraut- und Rübeneintopf. Was sagte die Dame noch? Überall stehen die Prötteln! Das Wort kennen sie bestimmt nicht. Dafür müssten sie schon aus dem Bergischen Land stammen. Es bezeichnet nichts anderes als eine Anhäufung von kleinen nutzlosen Dingen. Und die werden in jedem Gebiet anders genannt: Hier sagt man Prötteln, anderswo Kram, Plörren, Zeug, Krempel, Plunder oder auch Kros, was sich von kraus, also verdreht und durcheinander ableitet. Eben all das, wie die Frauen sagten, was bei Hempels unterm Sofa liegt. Wer Hempels sind? Das wird nicht verraten. Wahrscheinlich sind wir es alle. Oder können Sie garantieren, dass unter Ihrem Sofa, ganz hinten drin, nicht auch ein paar Prötteln liegen? Auch wenn es nicht gerade so schlimm aussieht wie bei der legendären Familie Hempel unterm Sofa.

Sprecherin:

Also erwischt! Aber mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Nanu? Wo kommt das denn jetzt wieder her? Sehen Sie, so ist das mit den Sprichwörtern: Sie kommen einem automatisch in den Sinn, aber was sie genau bedeuten, weiß man nicht. Auf jeden Fall ist es wieder ein Tier-Sprichwort! Mein Name ist Hase.

Umfrage:

"Wenn ich mich ganz dumm anstelle. Wenn ich mich zu 'ner Sache nicht äußern möchte, stell ich mich ganz doof und sage, ich möchte dazu nichts sagen: Mein Name ist Hase. Vielleicht ist der Hase auch so'n bisschen verschlagen. Der Hase wird ja als etwas listig hingestellt. / Wenn ich gar nichts sagen will und was völlig abstreiten will.

Sprecher:

Tut mir leid, liebe Leute! Eure Erklärungen, was das Sprichwort bedeutet, waren zwar richtig, aber mit einem Hasen hat die Redewendung leider gar nichts zu tun, auch wenn jeder wahrscheinlich die Unschuldsmiene eines harmlosen Hasen vor sich sieht, wenn er es hört. In Wirklichkeit aber geht es zurück auf einen Studenten namens Viktor Hase, der im letzten Jahrhundert seinen Ausweis an einen Flüchtling verliehen hatte, und, als man diesen erwischt hatte, vor Gericht geladen wurde. Unter völliger Missachtung der Obrigkeit antwortete der Student dann auf alle Fragen nur: Mein Name ist Hase, ich kann dazu nichts sagen, ich weiß von nichts!

Sprecherin:

So leicht geht man also in die Geschichte ein! Aber was ich da vorhin gehört habe, das hat doch bestimmt mit einem echten Hasen zu tun. Da prahlte nämlich einer, er wisse genau, wie der Hase läuft. Und ein hundertfünfzig Jahre alter Student wird wohl bestimmt nicht durch die Gegend laufen. Wann sage ich aber: Ich weiß, wie der Hase läuft?

Umfrage:

"Man sagt das im Geschäftsleben oder so: Ich weiß, wie der Hase läuft. Man weiß genau Bescheid, ist nicht immer ganz geradlinig, und ich weiß trotzdem Bescheid, wie der Hase läuft. Der Hase läuft ja vorne gerade und hinten hat er ja zwei Beine. Im Schnee kann man das ja sehen, so versetzt. Und ich bin so ein Durchblicker, ich weiß, wie der Hase läuft, und das im übertragenen Sinne im Geschäftsleben oder im Büro oder so. Dann weiß man wie der Hase läuft, wenn man diese Winkelzüge kennt."

Sprecher:

Hier handelt es sich wirklich wieder um einen richten Hasen. Die Redewendung kommt aus der Jägersprache. Ein erfahrener Jäger lässt sich von den einzelnen Haken, die ein Hase auf der Flucht schlägt, nicht beeindrucken und achtet nur auf die Hauptrichtung seiner Flucht. Bei einer Sache mit zweifelhaftem Ausgang wartet ein Kluger ab, wohin der Hase läuft, in welche Richtung sie sich entwickelt. Im Englischen gibt es übrigens ein ganz ähnliches Sprichwort, nur sagt man dort: Sehen, wohin die Katze springt.

Sprecherin:

Also, mein Onkel Hans jedenfalls scheint oft nicht zu wissen, wie der Hase läuft. Als ich neulich dort zum Essen eingeladen war, hat er das falsche Fleisch gekauft. Und dann hat ihm meine Tante sogar vorgeworfen, er habe die Katze im Sack gekauft! Ich habe es dann vorgezogen, nichts zu essen. Aber nach dem, was wir heute schon alles über Tier-Redewendungen gehört haben, bin ich mir ja nicht mehr sicher, ob ich das so wörtlich nehmen sollte. Aber was heißt es, die Katze im Sack zu kaufen?

Umfrage:

"Etwas blind, ohne es sich anzugucken, kaufen. / Wenn ich mir 'n Auto kaufe, ohne es vorher zu fahren, zum Beispiel. Nachher, wenn ich's dann selber benutze und merke, war 'n Defekt dran. / Früher hat man ja ein Mädchen geheiratet und hatte vorher nie Erfahrung haben dürfen mit ihr, ja. Heute gibt's das nicht mehr, ja."

Sprecherin:

Jetzt interessiert mich aber doch noch eines: Wir haben die Katze im Sack kennen gelernt, es gibt aber auch noch den Hahn im Korb. Ob man den auch kaufen kann? Oder sollte man die Finger davon lassen? Was ist ein Hahn im Korb?

Umfrage:

"Wenn ich zum Beispiel mit zwei, drei Frauen unterwegs wäre, als einziger Mann, dann bin ich Hahn im Korb. Und so war das wahrscheinlich früher, wenn in einem Korb mehrere Hennen waren und ein Hahn dabei, so gingen die früher zum Markt, und der Hahn, der hatte das Sagen. / Wie'n Gockel, ne. Sehr selbstgefällig, ne. Er ist ja eben der Schönste, und so benimmt er sich auch. / Wenn es dem zu gut geht und ja, will so obendrauf einen markieren. / Das ist, wenn ein Mann von ganz vielen Frauen umgeben ist und sich so richtig wohl fühlt. Sprich, wenn da auch nicht soviel Konkurrenz ist – wie auf so einem Hühnerhof halt, wenn da nur ein Hahn ist und so mindestens 20 Hennen."

Sprecher:

Der Hahn, wenn er allein unter Hühnern ist, möchte also einen markieren. Markieren heißt eigentlich nichts anderes als mit einer Markierung versehen, mit einem Zeichen versehen. Es kann sich in unserem Fall aber nur um die ironische Variante dieses Wortes handeln, wenn die Markierung nämlich Selbstzweck wird, reine Fassade und hinter der Äußerlichkeit gar nichts steckt. So sagt man auch: Den Helden markieren oder den starken Mann markieren.

Sprecherin:

Also, so ganz konnten sich die Geschlechter ja nun nicht einig werden, ob es sich beim Hahn im Korb um eine äußerst angenehme oder eine äußerst lächerliche Begebenheit handelt. Einig ist man sich aber zumindest bei den Fakten: ein Mann mit mehreren Frauen. So, jetzt haben wir ja heute viel gelernt: Wir wissen jetzt, dass mancher Palaver auf keine Kuhhaut geht, was ein falscher Hase ist, und vor allem haben wir in unserem Sprachkurs gelernt, was man bei Geschäftsverbindungen zu beachten hat: Keine Katze im Sack kaufen, und immer wissen, wohin der Hase läuft.

Fragen zum Text

Wenn etwas sehr unordentlich ist, sieht es aus wie …

1. im Saustall.

2. im Hühnerstall.

3. im Katzenkorb.

Wenn man etwas kauft, ohne es vorher anzuschauen, …

1. kauft man den Hund in der Truhe.

2. kauft man die Katze im Sack.

3. kauft man die Maus im Haus.

Wenn ein Mann mit vielen Frauen unterwegs ist, dann ist er…

1. der Hahn im Korb.

2. der Gockel im Hühnerstall.

3. eine aufgeplusterte Amsel.

Arbeitsauftrag

Suchen Sie sich fünf Redewendungen aus dem Text raus. Versuchen Sie sie Ihrer Gruppe zu umschreiben, ohne die Worte zu verwenden, die in der Redewendung vorkommen. Ihre Mitschüler müssen raten, um welche Redewendung es sich handelt. Der, der richtig rät, ist als Nächster an der Reihe.

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